Sumantra Ghoshal argumentiert in seinem Paper, dass viele der dominanten Management-Theorien nicht nur unzureichend sind, sondern aktiv schädliche Auswirkungen auf die Praxis haben. Insbesondere kritisiert er, dass Modelle wie die Agency Theory auf einem zutiefst pessimistischen Menschenbild basieren: Menschen gelten als opportunistisch, eigennützig und nur durch Kontrolle und Anreize steuerbar. Diese Annahmen bleiben jedoch nicht theoretisch, sondern prägen das Verhalten von Führungskräften und die Gestaltung von Organisationen. Das Ergebnis ist eine selbsterfüllende Prophezeiung: Misstrauen erzeugt genau jenes Verhalten, das es zu kontrollieren versucht. Gleichzeitig bemängelt Ghoshal den Anspruch vieler Management-Theorien, wie Naturwissenschaften zu funktionieren, obwohl Unternehmen soziale Systeme sind, in denen Werte, Kontext und Beziehungen eine zentrale Rolle spielen.
Ein weiteres zentrales Problem sieht Ghoshal in der systematischen Ausblendung von Ethik und Verantwortung. Durch die Fokussierung auf Effizienz, Shareholder Value und ökonomische Modelle werden moralische Fragen an den Rand gedrängt oder vollständig ignoriert. Business Schools tragen wesentlich zur Verbreitung dieser Denkweise bei und bilden Generationen von Managern aus, die Entscheidungen als rein technische oder ökonomische Probleme betrachten. Ghoshals Fazit ist klar: Gute Managementpraxis entsteht nicht durch bessere Instrumente oder Modelle, sondern durch ein grundlegendes Umdenken – hin zu einem positiven Menschenbild, mehr Vertrauen und einer bewussten Integration von Verantwortung und Ethik in das Managementhandeln.