Strom in den Boden pumpen und bei Bedarf durch Turbinen strömen lassen: Was Deutschland in den 1970er-Jahren erfand, baut China jetzt im großen Stil
1978 entwickelten deutsche Ingenieure in Huntorf in Niedersachsen die Lösung für ein Problem, das es damals noch gar nicht gab. In zwei unterirdischen Salzkavernen bauten sie den weltweit ersten Druckluftspeicher: eine Anlage, die überschüssigen Strom nutzte, um Luft zu komprimieren und einzulagern. Bei Bedarf strömte die Luft durch Turbinen und erzeugte Elektrizität.
Die Anlage existiert bis heute – und blieb lange die einzige. Die USA bauten 1991 eine zweite Anlage in Alabama. Ein deutsches Großprojekt in Staßfurt scheiterte 2015 an mangelnden Marktperspektiven.
Seit kurzem ist in der chinesischen Provinz Jiangsu eine Druckluftspeicher-Anlage in Betrieb, die mit 2400 Megawattstunden Kapazität und 600 Megawatt Leistung rund 600.000 Haushalte mit Strom versorgen kann. Es ist bereits die dritte große chinesische Druckluftspeicher-Anlage innerhalb weniger Jahre, zahlreiche weitere sind in Planung
„Grundsätzlich würde ich es nicht als direkte Konkurrenz zu Batteriespeichern, sondern eher als Alternative zu Pumpspeichern sehen“, sagt Katja Fröhlich, die am Austrian Institute of Technology (AIT) zu Speichertechnologien forscht. Batterien hätten zwar einen sehr hohen Wirkungsgrad und seien flexibler beim Installationsort. „Die Dauer und Speichermenge sind allerdings nicht vergleichbar.“ Mit den aktuellen Batteriespeichern wäre etwa die Dunkelflaute in Europa nicht sinnvoll überbrückbar. Weil China in den vergangenen Jahren Wind- und Solarenergie massiv ausgebaut hat, kommt jede Art von Speicher gerade recht.
Der Wirkungsgrad steigt auf 71 Prozent, wie die am Bau beteiligte Harbin Electric Corp. angibt. Das ist nahe an den 70 bis 85 Prozent moderner Pumpspeicherwerke.