Der Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Dr. Oliver Hoffmann beschreibt in seinem Beitrag:
Bildungserfolg hängt nicht allein vom Einkommen oder materiellen Ressourcen ab, sondern vor allem von den kollektiven Denkbedingungen einer Gesellschaft. Zwar zeigen Studien, dass Kinder aus einkommensstärkeren Familien innerhalb eines Landes oft bessere Leistungen erbringen. Doch die Unterschiede zwischen Ländern sind oft größer als die innerhalb eines Landes – selbst wenn dort das Einkommen niedriger ist.
Entscheidend ist das psychologische Umfeld, in dem Kinder aufwachsen: Erwartungen, sprachliche Sozialisation, Selbstwirksamkeit, emotionale Stabilität und kulturelle Werte prägen, wie Lernen erlebt wird – ob Anstrengung als sinnvoll, Fehler als Chance oder Disziplin als Freiheit empfunden werden. Mathematische Leistungen spiegeln dabei auch wider, wie eine Gesellschaft Aufmerksamkeit und symbolische Ordnung organisiert.
Die Botschaft: Geld kann Bildung finanzieren, aber keine kulturelle Haltung schaffen, in der Denken und Präzision als sozialer Wert verankert sind. Bildungsungleichheit ist daher weniger ein Verteilungsproblem, sondern ein Problem der psychologischen Architektur von Gesellschaften. Wer nur über Ressourcen spricht, verkennt den Kern – es geht um die Bedingungen, die konzentriertes, abstraktes Denken ermöglichen. Ohne diesen Fokus bleibt Bildungspolitik oft nur die Verwaltung von Verlusten.
Der Satz trifft meiner Meinung nach nicht das Problem - weil diese Formulierung hier oben meiner Meinung nach (bzw. meinem Sprachverständnis zufolge) so nicht richtig ist .
Statt “– selbst wenn dort das Einkommen niedriger ist” sollte eine verständlichere Formulierung wohl doch besser (?) lauten
“ - weil dort (in einem dieser beiden Länder) das Einkommen niedriger ist (als im anderen) ”
Die Botschaft: Geld kann Bildung finanzieren, aber keine kulturelle Haltung schaffen, in der Denken und Präzision als sozialer Wert verankert sind.
In einer Familie/einer Gemeinschaft kann “fehlendes Geld” aber solche kulturelle Haltung unterdrücken und zerstören.
In Form kindlicher Neugier und Spielverhalten ist eine wichtige Basis dieser kulturellen Haltung überall zumindest so lange vorhanden, bis für Kinder oft frühzeitig der “Ernst des Lebens” beginnt - und sie dann schon im Grundschullalter auf Feldern oder in Bergwerken zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssen - oder Geschwister und kranke Eltern daheim betreuen müssen, statt an einem Schulunterricht teilnehmen zu können.
Schon interessant, mit welchen Argumenten immer wieder begründet wird, das ausreichende Familieneinkommen gar nicht erforderlich wären.
Das gilt nicht nur für Entwicklungsländer sondern leider auch für Europa.
Denn es macht schon einen Unterschied für den Lernerfolg und damit auch die Biidungschancen eines Kindes, wen es seinen Lernplatz zur Erledigung seiner Hausaufgaben und zur Vorbereitung auf die nächste Schularbeit nur am Küchentisch einer viel zu kleinen Wohnung oder bei noch leistbaren Mieten einer größeren Wohnung im eigenen Kinder-Zimmer einrichten kann.
Das stellt der Autor auch gar nicht in Frage. NatĂĽrlich hat der Reichtum einer Familie gespart mit ihr Bildungshintergrund und BildugnsansprĂĽchen einen Einfluss darauf, wie gut die Bildung der Kinder sein kann.
Er spricht aber davon, dass Du damit ein Bildungssystem als ganzes nicht auf ein anderes Niveau bringen kannst, dass dafĂĽr andere Haltungen und Einstellungen in einer Gesellschaft erforderlich sind, die Du eben nicht mit Geld anschieben kannst.
Er meint nicht die Ungleichheit innerhalb eines Bildungssystems wie „Marrokko“ oder „Österreich“, sondern die Ungleichheit über diese Regionen hinweg. Warum hat jemand in Österreich eine schlechtere Bildung als in Singapur? Liegt das wirklich nur am mangelnden Geld? Oder liegt das eher an der allgemeinen kulturellen Einstellung der Gesellschaft zu Bildung und müsse man nicht eher daran arbeiten?
Es ist ja so einfach, Probleme einfach nur mit Geld oder neuen Regeln zu lösen. Es ist ja soviel unbequemer, Menschen und eine gesamte Gesellschaft zu einer anderen Einstellung und zu einem anderen Verhalten zu bringen.
Den verloren Schlüssel dort suchen, wo die Laterne scheint …