Geplante Megaprojekte mit Millionen Satelliten würden das Kessler-Syndrom aktivieren. Schon eine kleine Panne könnte eine Kettenreaktion auslösen und Raumfahrt unmöglich machen
Die Erde würde dann über viele Jahre hinweg immer mehr in eine Wolke aus Schrott eingehüllt, die irgendwann Raumfahrt verunmöglichen würde.
Kessler beschrieb bereits 1978, dass noch vor dem Jahr 2000 Weltraumschrott gefährlicher für Raumfahrt werden dürfte als Mikrometeoriten.
Tatsächlich zeigten Untersuchungen, dass in einer Aufstellung im Jahr 1999 in Höhen von 900 bis 1400 Kilometern die Zahl der intakten Satelliten die kritische Schwelle bereits überschritt.
Heute sind rund 16.000 aktive Satelliten im All, wobei hier etwa Weltraumschrott nicht mitgezählt wird. Nun zeigt eine neue Untersuchung des Weltraumschrott-Spezialisten Hugh Lewis von der Universität Birmingham, der einst mit Kessler zusammenarbeitete, dass zwischen Höhen von 520 und 1000 Kilometern die kritische Schwelle fast überall überschritten ist. Davon berichtet das Online-Wissenschaftsmagazin des Fachjournals Science.
Lewis untersuchte weiters verschiedene Pläne für große Satellitenprojekte. 16 solcher Projekte sind geplant, mit insgesamt 1,7 Millionen Satelliten. Lewis zeigt, dass sechs dieser Projekte für sich genommen die Schwelle für das Kessler-Syndrom überschreiten würden. Darunter ist ein chinesisches Projekt namens Guowang, das Projekt Sunrise von Blue Origin und eines mit dem klingenden Namen "Stampede "eines Unternehmens namens Cowboy Space Corp. Das größte davon plant allerdings SpaceX mit Starmind, für das eine Million Datenzentren in den Orbit geschickt werden soll.
Schon jetzt führten SpaceX-Satelliten alle 75 Sekunden ein Ausweichmanöver durch, um Kollisionen mit Weltraumschrott zu vermeiden.
Samantha Lawler von der University of Regina nennt die Situation „wirklich ziemlich erschreckend“. Die Analyse zeige, wie abgehoben von der Realität diese Projekte seien.
LEWISCriticalNumberofLEOSpacecraft2025FINALV2_3.pdf (1003,6 KB)