Ferien verschieben verschiebt nur die Probleme

Mitten in der Stadt. Enge bebauung.

Ist doch alles nicht wahr, im Sommer wars immer schon heiß. (laut Aussage zweier Damen im Österreichischen Parlament).
Außerdem wer vertraut schon den System-Thermometern?

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Der Beginn der Diskussion war „Ferien verschieben“.
Wieder ein Beispiel von entbehrlichen politischen Wortspenden ohne den Gedanken zu Ende zu führen - nein ohne wenigstens die nächsten drei Schritte zu bedenken. Beispiele gefällig?

Ferien kürzen: in berufsbildenden höheren Schulen maturieren mehr Schüler als in der AHS. (Nicht, dass das jemals erwähnt wird.) Im Lehrplan sind acht Wochen Ferienpraxis in der gesamt Ausbildung vorgeschrieben. Unternehmen wollen keine Anfänger. Unternehmen vergeben keine Praxisstellen zur zwei Wochen Ergebnis: wenn überhaupt Ferialstellen angeboten werden, dann nur in den Ferien ein Jahr und zwei Jahre vor der Matura. Für die berufsbildenden mittleren Schule gilt ähnliches.

Sechs Jahre Volksschule: Was passiert in der 7. und 8. Schulstufe? Was wird da unterrichtet? Wo kommen 50% mehr Räume und 50% mehr Lehrkräfte her? Ja natürlich, aus der (nicht mehr neuen) Mittelschule?

Appropos Neue Mittelschule: wer hat den diesen Begriff erfolden? Wie lange dauert es, bis aus der Neuen Mittelschule eine Mittelschule wird?

Neue Gegenstände: Im Idealfall wird zuerst erhoben, welche neuen Inhalte mit dem Bildungssystem vermittelt werden sollen. Dann wird ein Curriculum entwickelt, das die Bildungsziele (besser: Lernergebnisse) enthält und beispielsweise das Alter der Schüler berücksichtigt. Nach diesen bildungswissenschaftlichen Arbeiten folgen die bildungspolitischen Entscheidungen (zum Beispiel die Ressourcenfragen), die eventuell die bildungswissenschaftlichen Ergebnisse in Frage stellen. Das ist eine gute Gelegenheit, nachzudenken, wie das Curriculum schließlich heißen soll. Dann folgt die Vorbereitung der Unterrichtsmaterialien und die Lehrerfortbildung.

Und was macht die Politik? Gestern wurde im Natialrat die Einführung von zwei neuen Unterrichtsfächern beschlossen. Ohne Klärung von Detailfragen. Punkt, kein weiterer Kommentar.

Woher soll ich wissen, was ich mir denk’, bevor ich hör, was ich sag? (Zitat: Villacher Fasching. Realität: Parlament)

Es reicht schon, ich höre auf, weiter zu schreiben.

Ganz recht Martin. Und so schön es wäre, wenn die Vernunft eine Leitschnur für uns alle wäre:

Wir leben in einer pluralistischen Demokratie (Herrschaft der Mehrheit des Volkes) und nicht in einer Technokratie (Herrschaft der Wissenschaft). Daher sind wir und unsere Poliker:innen legitimiert, jegliche wissenschaftliche Erkenntnis bei „unseren Entscheidungen“ in dem Wind zu schlagen und die Vernunft hinten an zu stellen.

Wir müssen in einer Demokratie, selbst wenn wir meinen vom Baum der Erkenntnis genascht zu haben, das einfach auch hinnehmen und aushalten.

Wie sagte Kopernikus: „Und sie bewegt sich doch.“ Aber es hat noch etwas gedauert, bis diese Erkenntnis allgemein anerkennt wurde. Vor Gericht wäre sein Standpunkt damals nicht gut ausgegangen. Also hat unsere heutige Demokratie doch einen guten Vorteil.

Der neue Gag vom Bildungsministerium: Wenn es zu heiss in der Schule her geht, wird wieder auf Corona-Distanz-Learning umgestiegen und Schüler:innen und Eltern dürfen im „kühlen“ Heim bleiben.

Note: Sehr gut!

Mal eine Denk-Anregung, wie man mit Überraschungen/Veränderungen umgehen könnte:

Ich würde aber viel mehr solche Bedenken , wie Du Sie hier oben ohnehin nur beispielsweise angeführt hast , in der öffentlichen Diskussion anderer Medien ( abseits unseres Forums hier) - und nicht nur von ehemals in pädagischen Bereichen Tätigen Personen - erwarten.
Gibt’s unter den noch aktiven Fachleuten denn kein Personen mehr , die sich noch „trauen“ , so manchen Vorstellungen/Ideen der Politiker laut und deutlich zu widersprechen und vielleicht auch begründbare „alternative“ Gegenkonzepte präsentieren können ?

Im Bereich der Hitzebelastung unserer Kinder /Enkelkinder ist da erst neulich (nicht von Politikern) darauf hingewiesen worden , dass die Kindergärten neben dem Personalproblem auch das gleiche Hitzeproblem haben - und dass der Aufenthalt in jedem Innenraum, aber auch im schattenlosen Freien für immer mehr - auch junge - Personen zu gesundheitlichen Problemen führen wird.

Und dann gibt’s noch zahlreiche weitere Themen in Zusammenhang mit Pädagogik und „Digitale Welt“, die nach dem Sammeln erster Erfahrungen nun - zumindest in manchen Staaten - offenbar neu überdacht werden müssen - wie z.B. die Ausstattung jedes Schülers mit digitalen Geräten und die Verwendung solcher Geräte im Unterricht oder das Verzichten auf den Unterricht der Fertigkeiten für manuelle Schrift (Schreibschrift). Auch zu diesen Themen scheint es in den Medien - zumindest, in jenen, die ich halbwegs regelmäßig beobachte - keinerlei Diskussion/Reaktion zu geben.