Ă–konomin Nedelkoska: "Wir werden den Arbeitsmarkt von 2040 nicht mehr wiedererkennen"

Ljubica Nedelkoska vom Complexity Science Hub geht der Frage nach, wie sich die Gesellschaft auf die Veränderung des Arbeitsmarkts durch KI vorbereiten kann

https://www.derstandard.at/story/3000000307536/oekonomin-nedelkoska-wir-werden-den-arbeitsmarkt-von-2040-nicht-mehr-wiedererkennen

Sie glaubt, dass die aktuelle Situation sich wesentlich von bisherigen technologiegetriebenen Umbrüchen unterscheidet und etwa unser Steuersystem durch die Veränderungen an seine Grenzen kommen könnte.

Das dürfte aber einen Fehleinschätzung sein, weil bisher auch alle anderen - vormals neuen - technologiegetrieben Umbrüche zu Fehleinschätzungen oder damals zu zuwenig beachteten “Nebenwirkungen” geführt haben.
Und es war immer die Frage nach dem Ziel, das mit dem Einsatz neuer Technologien verfolgt werden soll und die Frage nach den NutznieĂźern, die irgendwelche Vorteile aus dem Einsatz dieser Techologien erwarten konnten, die damals - und auch heute - nicht ausreichend beantwortet wurden/werden.
Auch heute werden von KI-Systemen Leistungen erwartet und ihrer Anwendung Vorteile “angedichtet” , die sie gar nicht erbringen können (z.B. “innovative Lösungen“ ) oder erbringen dürfen (z.B. “Entscheidungen” ).
Die Verwendung von KI-Systemen setzt jedenfalls immer sehr gut gebildete und ausgebildete Benutzer dieser Systeme voraus und bedeutet vor allem keine Arbeitseinsparung in all jenen Einsatzfällen, in denen die Überprüfung des Ergebnisses aus KI-Anwendungen zwingend erforderlich ist (dafür dann aber nicht auf KI zurückgegriffen werden darf ) - und nicht nur Bilder, Musik , Texte für Zwecke der Unterhaltung oder künstlerischen Gestaltung produziert werden sollen.
Dass mit neuen Technologien die Arbeits-Situtation /- Belastung der Betroffenen Mitarbeiter in Unternehmen entlastet/verringert werden soll, ist auch schon ein mehr als hundert Jahre “alter Hut”(bzw. “Schmäh”) und kann ( immer schon) auch als extrem zynisch von Betroffenen verstanden werden, wenn dadurch besonders belastende Arbeitsplätze vollkommen (und ersatzlos) in Unternehmen aufgelassen wurden - und sich die wirtschaftliche - und damit auch einhergehende gesundheitliche /psychische Belastung Betroffener (z.B. zufolge dadurch bewirkter Arbeitslosigkeit) deutlich verschlechtert hat.
Unser Steuersystem kommt viel mehr durch die demografische Entwicklung und die Steuerflucht zur Umgehung der schon derzeit geltenden Steuervorschriften unter Druck. Selbst von Unternehmern ist aber imme öfter auch die Forderung zu hören, Arbeit steuerrechlich ich zu entlasten.
In Zeiten der
sinkenden Wertschöpfung aus menschlicher Arbeit,
der steigenden Werschöpfung aus
dem Einsatz aller Formen von IKT (inlusive KI ) und dem immer noch
zunehmenden Einsatz von automatisierten Prozessen und den auch dafĂĽr erforderlichen Maschinen aller Art -und dem
weiter rasch zunehmenden Bedarf an elektrischer Energie,

wäre die deutliche steuerliche Entlastung menschlicher Arbeit mit Gegenfinanzierung durch andere Steuereinnahmen - z.B. aus den hier oben nur beispielhaft aufgelisteten Bereichen - schon länger dringend erforderlich , obwohl manche Ideen dazu - z.B. die vormalige Idee einer Wertschöpfungsabgabe ( “Maschinensteuer“, https://de.wikipedia.org/wiki/Wertschöpfungsabgabe, https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Dallinger) - auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert alt sind.

Es wird geschätzt, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts 80 Prozent der Arbeit in der Landwirtschaft angesiedelt war. Heute sind es weniger als zwei Prozent.

Mit zahlreichen negativen Folgen für Umwelt, Klima, Qualität der Nahrungsmittel und Bedrohung der gesundheitlichen (bzw. psychischen) Lebenssituation der damals aus ihrer landwirtschaftlichen Umgebung Entwurzelten aber auch der heute ihre Einkünfte aus landwirtschaftlicher Produktion erwirtschaftenden Familien.

Unmittelbar war es für die Menschen nicht sehr schön, aber langfristig war das für uns sehr positiv, zumindest für Menschen in Ländern mit hohem Lebensstandard.

“Nicht sehr schön” (für die Anderen), bzw “für uns sehr positv”, ist aber eine sehr egoistische und einseitige Sicht auf den Begriff “hoher Wohlstand” , weil damit bestätigt wird , dass “hoher Wohlstand” nur für wenige (nur “für uns”), nicht aber auch für “die Anderen” in gleicher Form/Ausmaß möglich ist. Gerechtigkeit und gleiche Rechte aller Menschen (auch auf guten/hohen Wohlstand) existiert offenbar in einem solchen “Gesellschaftsmodel” gar nicht.

aber es gibt aus meiner Sicht entscheidende Unterschiede zwischen der heutigen Situation und den historischen Beispielen. Einmal ist es die Vielfalt der Aufgaben, die diese Technologie erledigen kann. Das geht bis hin zu kreativen Aufgaben und Entscheidungsfindung. Es ist die erste Technologie, die auf diese Weise Entscheidungen treffen kann.

Hier irrt sich diese Spezialistin eindeutig :
Es erledigt nicht “die Technologie” (jedenfalls nicht selbstständig) eine Vielfalt von Aufgaben, sondern es ist immer ein Mensch , der die Idee hat, eine bestimmte Technologie zur Bearbeitung einer Aufgabenstellung einzusetzen.
Auch das Prinzip der Dampfmaschine wurde vielfältig eingesetzt und hat letztlich zu den heute bekannten Verbrennungsmotoren geführt.
”Kreative Aufgaben” kann KI gar nicht erfolgreich durchführen, weil die Kreativität eines Ergebnisses immer von der Kreativität der Fragestellung - und damit des, ein solches KI -System benützenden, Menschens - abhängt.
Entscheidungen dürfen von KI-Systemen gar nicht getroffen werden . Auch für die Entscheidungsfindung dürfen KI-Systeme meiner Meinung nach nicht herangezogen werden, weil dann hohe Gefahr besteht, dass sie nicht “nur” zur Entscheidungsunterstützung (eines Menschen) herangezogen werden, sondern dann bald auch selbsttändig diese Entscheidungen treffen werden - wenn der zuständige menschliche Entscheidungsträger gerade nicht ausreichend Zeit für eine sonst von ihm sorgfältig selbst getroffene Entscheidung haben sollte.
Im Fall der Verwendung der Ergebnisse aus KI-Systemen für Einzelentscheidungen ( z.B, einer rechtlichen Fragestellung, ob eine bestimmte Person Rechtsanspruch auf Unterstützung/Förderung hat oder sogar ihre Schuld/Unschuld in einem Streitverfahren festgestellt werden soll, aber auch im Falle des richtigen Verhaltens von vollautonom, fahrenden Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen) wird durch die automatische Verwendung von Ergebnissen aus KI-Systemen (ohne Entscheidung durch einen Menschen) sogar ein systematischer mathematischer Fehler begangen.
Denn KI-Systeme kennen kein “Weltmodell” ( sie kennen weder physikalische Gesetze. menschliche juristische Regeln., noch die regelkonforme Nutzung von Ermessensspielräumen. Ihr “Wissen” besteht aus während des Lernvorganges ermitttelten statistischen Abhängigkeiten- ist also “lediglich” Ergebnis angewandter (allerdings hochkomplexer) Statistk und statistischer Verfahren. Aus statistischen Datenbeständen lässt sich aber weder für einen einzelnen Sachverhalt , der vielleicht sogar selbst während der Lernphase zur Bildung des “Wissens” des KI-Systems beigetragen hat, stets korrekte Aussagen abfragen, noch sind solche stets korrekte Aussagen über spätere einzelne konkrete Sachverhalte (nach Abschluss der Lernphase) möglich.
Weil ganz generell aus statistischen Daten (und ganz unabhängig von deren Verwendung /Anwendung in KI-Systemen) Aussagen über - vielleicht auch erst zukünftige - einzelne konkrete Sachverhalte/Ereignisse mathematisch gar nicht möglich sind.

Zudem dürfte mitterweile innerhalb der EU auch die Haftungsfrage im Falle von durch die Anwendung von KI-Systemen verursachten Schäden geklärt sein :

Es haftet der Betreiber und der Hersteller jedes KI-Systems.

Also auch hier k e i n “entscheidender Unterschied zwischen der heutigen Situation und historischen Beispielen”.

Aus der Geschichte zu lernen, wäre daher auch für den Einsatz von KI-Systemen - und die Analyse der zu erwartenden Folgen - sinnvoll möglich .

Ljubica Nedelkoska mal zu uns einladen?

Zur Einladung von externen Fachleuten :

Falls von uns angefragte externe Fachleute (zumeist von Unversitäten) da - mit tragbaren Kosten für unseren Verein - mitmachen würden, könnte ich mir sogar eine Serie von Vorträgen zu aktuellen Schwerpunktthemen - mit einer gemeinsamen Podiumdsikussion aller eingeladenen Spezialisten als Abschluß einer solchen Veranstaltungsreihe vorstellen.

Vorschlag fĂĽr einige dieser Themen :

  • KI - entmystifiziert

  • unbegrenzt steigender Energiebedarf : Wie lange noch ?

  • Digitale Technologie : Werkzeug der Macht oder zur Sicherstellung demokratischer Entwicklung ?

  • Digitale Technologien als Waffe und gesellschaftlicher Spaltpilz

    oder so ähnlich.

Derzeit komme ich fast nicht mehr nach, hier zu Radioprogrammen zu verlinken, die sich - teilweise sogar ĂĽberaus kritisch - mit diesen Themen auseinandersetzen.
In solchen Sendungen fallen dann die geradezu gebetsbuchartig immer wiederholten Formulierungen über behauptete Vorteile kritisierter Technologien - bzw. über die Vernachlässigbarkeit befürchteter Auswirkungen/Folgen - umso deutlicher auf, weil sich die Sendungsgestalter immer öfter nicht mehr mit Leer-Aussagen zufrieden geben, die in ihrem Wortlaut Public-Relations-Abteilungen einschlägiger Hersteller entsprungen sein könnten.