Ein chinesisches Unternehmen liefert die dahinterstehende Technologie in autoritär regierte Länder. Die Folgen für Oppositionelle und Journalisten könnten dramatisch sein
https://www.derstandard.at/story/3000000286721/wie-china-seine-great-firewall-ins-ausland-exportiert
2018 gründete Fang Geedge Networks, ein Unternehmen, über das er seine Erfindung, die chinesische Firewall, zum Exportschlager machen sollte. Exklusive Recherchen zeigen nun: Geedge Networks lieferte Zensur- und Überwachungstechnologie an mehrere, größtenteils autokratische Staaten und tut dies womöglich noch immer. Zu ihren problematischen Kunden zählten Myanmar, Pakistan, Kasachstan, Äthiopien und auch regionale chinesische Behörden.
Die Technologien, die Geedge Networks anbietet, sind überaus mächtig, zeigt eine Analyse der IT-Sicherheitsexperten von Intersec Lab. Sie ermöglichen Behörden, den Datenverkehr von Einzelpersonen in bestimmten Regionen zu überwachen, beispielsweise während Protesten. Sie können gezielt einzelne Virtual Private Networks (VPNs) erkennen und blockieren, mit deren Hilfe Nutzer bislang die digitale Zensur von Behörden umgehen konnten. Und sie können sogar bösartigen Code in Websites einfügen oder DDoS-Angriffe starten und damit einzelne Seiten lahmlegen.
Zugleich ist Geedge Networks nicht das erste Unternehmen, das derartige Technologien an Autokraten und zensurfreudige Behörden liefert. Auch westliche Unternehmen waren in diesem Markt aktiv und stehen damit seit Jahren in der Kritik.
2015 enthüllte etwa die NGO Privacy International, dass Pakistan Überwachungstechnologien deutscher Unternehmen nutzte.
Später soll die kanadische Firma Sandvine Pakistan ein System geliefert haben, das den Behörden das Blockieren von unerwünschten Internetseiten ermöglichen kann.
Die französische Thales Group vertreibt eine Software, mit der man Lizenzen managen kann. Geedge Networks nutzte diese offenbar, um Kontrolle über die von ihr verkauften Produkte zu behalten. Sie könnte damit etwa die Funktionsfähigkeit der Software zeitlich beschränken.
Darüber hinaus nutzte Geedge Networks offenbar einen deutschen Server, um seine Software über Downloadlinks an die Kunden zu verteilen. Die Motive dafür bleiben unklar. Bekannt ist aber, dass die chinesische Firewall den Zugriff auf chinesische Websites aus dem Ausland zunehmend erschwert.