Der 335.000-Dollar-KI-Job, den keiner mehr braucht

2023 galt „Prompt Engineer“ als Beruf der Zukunft. Ist richtiges Prompten heute tot?

https://www.derstandard.at/story/3000000342238/der-335000-dollar-ki-job-den-keiner-mehr-braucht

Vor drei Jahren waren sie überall: Kurse zu „Prompt Engineering“. Verkauft haben sie häufig Männer aus der Tech-Szene, die Tech Bros, wie sie gern genannt werden. Die Kurse waren teuer, das Versprechen war groß. Wer die richtigen Befehle für die KI kennt, hat einen sicheren Job. Heute gibt es wieder solche Angebote. Nur heißen sie jetzt „Lerne Vibe Coding“ und „Bau deinen eigenen KI-Agenten mit mir“. Im Gastblogbeitrag erklärt Rika Diana Mader, wie aus dem vermeintlichen Traumjob „Prompt Engineer“ ein Auslaufmodell wurde.

Anthropic schrieb damals eine Stelle als „Prompt Engineer and Librarian“ aus. Die Gehaltsspanne reichte von 175.000 bis 335.000 US-Dollar jährlich. Die Botschaft kam an: Wer mit der KI reden kann, hat ausgesorgt. Die Werbung für die Kurse drehte das um: Wer das jetzt nicht lernt, wird ersetzt.

Im April 2025 erklärte das Wall Street Journal den einstigen Zukunftsjob bereits für überholt. Für viele Alltagsaufgaben braucht es jedenfalls keine auswendig gelernten Prompt-Formeln. Verständlich zu beschreiben, was man möchte, hilft bereits viel.

Also innerhalb von 3 Jahren „veraltet“ - schneller als jede Bildung/Ausbildung von der Grundschule bis zum Eintritt in ein Berufsleben dauert, selbst wenn während der Zeit bis zum Eintritt in ein Berufsleben keine „Umwege“ genommen oder „Pausezeiten“ eingelegt wurden - oder erforderlich geworden sind.
Nicht ohne Grund haben daher während meiner Studienzeit viele Lehrende uns Studenten immer wieder darauf hingewiesen, dass während eines Studiums kein Spezialwissen, sondern lediglich Grundlagen, Basiswissen und Methoden für die Anwendung dieses Wissens und seine Weiterentwicklung - z.B. durch wissenschaftliches Arbeiten bzw. Forschung - vermittelt werden können.

Heute verkaufen sich andere Wörter. Eines davon ist „Vibe Coding“.

Daneben gibt es Kurse zu „Bau deinen eigenen KI-Agenten“.

Und ein Teil der angebotenen „Agenten“ ist gar keiner. Gartner schätzte im Juni 2025, dass von Tausenden Anbietern nur rund 130 tatsächlich KI-Agenten anbieten. Viele vermarkteten bestehende Assistenten, Chatbots oder Automatisierungssoftware unter dem neuen Namen.

Viele dieser Kurse werben mit der Angst, beruflich den Anschluss zu verlieren. Dabei ist Weiterbildung hier eigentlich Sache der Firma. Seit Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 des EU AI Act Unternehmen, die KI einsetzen, Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu ergreifen.

Trotzdem zahlen viele Beschäftigte ihre Kurse selbst aus eigener Tasche und machen diese am Abend. Die Firmen schieben das Risiko auf die Einzelnen ab, und die Kursanbieter verdienen an deren Unsicherheit.

Aus meiner Sicht hilft noch was viel Kleineres beim Start mit KI: jeden Tag mindestens ein paar Minuten mit KI zu arbeiten. Kurse, die sich auf einzelne Tools und deren Bedienung konzentrieren, können schnell veralten.
Grundlagen halten länger.

Prompten bleibt eine nützliche Fähigkeit.Geheimwissen ist es nicht.
Ein guter Prompt ist in Wahrheit ein gutes Briefing, wie man es auch einer neuen Kollegin geben würde: das Ziel, das nötige Vorwissen, die Regeln und die gewünschte Form des Ergebnisses.

Prompten ist also nicht tot. Klare Anweisungen und passende Beispiele helfen weiterhin. Ausgedient haben meiner Meinung nach die Kurse, die daraus ein Geheimwissen machen

Prompt Engineering ist tot.

Es geht wie bei jedem Auftrag darum ihn ausreichend gut zu beschreiben. Wie wenn man einem Architekten sagt, er soll ein Haus bauen.

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Durch das Reasoning ĂĽberlegen jetzt die Modelle, was die Benutzenden wirklich wollen, und korrigieren quasi die Prompts intern. Daher ja, ultragenaues Prompting ist nicht mehr notwendig.
Was jetzt (noch) wichtig ist, ist das Einteilen der Tasks, wenn man mehrere Agenten gleichzeitig verwendet. KI Projekt-Management wenn man so will. Aber auch das wird mit der nächsten Generation nicht mehr so wichtig sein.

Aus meiner Sicht sind hier weniger die Details des Prompting, als der Umstand, dass ein Wissen/eine Fähigkeit, der noch vor wenigen Jahren sehr hohe Bedeutung - und damit auch besonders gute Berufsaussichten - zugeordnet war, heute , nur wenige Jahre später, keine so hohe Bedeutung mehr beigemessen wird.

Dass sollte meiner Meinung nach eher als Hinweis darauf genutzt werden, frühzeitige Spezialisierung/Fokussierung im Bereich der Grundschulen, aber auch der weiterführenden Schulen bzw. technischer Ausbildungen bzw. Studierichtungen zu vermeiden - wenn zwischen dem Zeitpunkt der Vermittlung solchen „Spezialwissens“ und dem Antritt einer einschlägigen Erwerbstätigkeit so viel Zeit verstreichen könnte, dass dieses Spezialwissen seine ursprünglich vielleicht tatsächlich „überragende Bedeutung“ bzw. "unverzichtbare Notwendigkeit " inzwischen verloren haben könnte und der dafür verbrauchte Aufwand (und auch die dafür erforderliche Schul- bzw. Studienzeit) doch besser für andere Lehrinhalte eingesetzt hätte werden können.