Eine Entgegnung auf Reinhard Steurer, der in einem Gastbeitrag ( Sommer der Klima-Heuchelei - Diskurs - derStandard.at › Diskurs ) die allgemeine Heuchelei für die Klimakatastrophe mitverantwortlich gemacht hat
Wir wissen seit Jahrzehnten, dass sich das Klima erwärmt, wir sehen die Folgen inzwischen auch in Österreich sehr deutlich – und trotzdem gelingt es uns nur langsam, die Ursachen wirksam zu bekämpfen.
Das Entscheidende dabei ist: Der Klimawandel ist kein Ereignis, das irgendwann in der Zukunft beginnt. Er findet bereits statt.
Aber ebenso wichtig ist die zweite Hälfte dieser Botschaft: Es ist keineswegs egal, was wir jetzt tun.
Jede zusätzliche Tonne CO₂ trägt zur weiteren Erwärmung bei. Und jedes zusätzliche Zehntelgrad erhöht Risiken – teilweise kontinuierlich, teilweise sehr abrupt, wenn Schwellen überschritten werden. Manche Veränderungen sind auf menschlichen Zeitskalen praktisch irreversibel.
Ob jemand mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, hängt auch davon ab, ob eine brauchbare Verbindung existiert. Ob eine Familie ihre Heizung tauscht, hängt von Einkommen, Förderungen und verfügbaren Alternativen ab. Ob Unternehmen klimafreundlich investieren, hängt von Preisen, Regulierung und Planungssicherheit ab.
Klimaschutz ist keine moralische Reinheitsprüfung.
Klimaschutz und Anpassung sind keine Gegensätze.
Wenn die Erwärmung weiter zunimmt, steigen auch die Anforderungen und Kosten der Anpassung. Bei manchen Auswirkungen stoßen wir irgendwann an Grenzen. Deshalb müssen wir beides gleichzeitig tun: die unvermeidbaren Folgen möglichst gut bewältigen und verhindern, dass die vermeidbaren Folgen immer größer werden.
Nach jedem außergewöhnlich heißen Sommer, jeder Dürre und jedem extremen Niederschlagsereignis diskutieren wir intensiv über die Folgen. Einige Wochen später wandert das Thema wieder nach hinten – bis zum nächsten Ereignis.
Das physikalische Klimasystem macht diese Pause allerdings nicht.