Digitaler Pass soll Herkunft von Möbeln und Elektronik transparent machen

Forschende europaweit tüfteln an einem digitalen Produktpass. Er soll Waren aller Art begleiten und zeigen, woher diese kommen und wie nachhaltig sie sind

https://www.derstandard.at/story/3000000280554/digitaler-pass-soll-herkunft-von-moebeln-und-elektronik-transparent-machen?ref=niewidget

Autobatterien kommen ab 2027 mit Stammbaum. Dann sollen nämlich Daten zu Materialherkunft, Lieferkette oder Bauweise für jedes Exemplar in einem eigenen Batteriepass gesammelt werden. Details zu Wartung, Reparatur und Entsorgung müssen ebenso mit dabei sein wie CO₂-Fußabdruck und Rezyklatanteile.

Dabei ist der Batteriepass nur Vorhut einer viel größeren Initiative. Auf EU-Ebene wird seit Jahren an einem digitalen Produktpass gearbeitet, der Güter aller Art mit individuellen Datensammlungen versehen soll – vom Möbelstück bis zur Regenjacke, vom Kühlschrank bis zur Windturbine.

Gerade in der für Österreich wichtigen Holzwirtschaft ist heute oft unklar, woher das Holz für Bett oder Dachstuhl tatsächlich stammt. Angesichts globaler Lieferketten und vielerorts wenig nachhaltiger Waldwirtschaft sind diese durchaus problembehaftet.

Wie Möbel oder Papier mit digitalem Herkunftsnachweis versehen werden – sei es mittels Chips, QR-Codes oder anderen „unique identifiern“– ist noch offen.

Wichtig ist weniger das “Wie”, sondern wer (welches Land , welche Organisation, welche Person) die Klassifizierung der benötigten Zwischenprodukte und Rohstoffe (z.B. aus Forsten oder aus Bergbaugebieten) vornimmt und die erforderlichen Daten in die Lieferkettendokumentation aufnimmt.
Wenn einem einzigen Dateneintrag in dieser Lieferkettendokumentation nicht vertraut werden kann, dann sind alle Produkte am Ende dieser Lieferkette kompromitiert und können Wettbewerbsvorteile versprechende Aussagen bzw. “Eigenschaften” - z.B. hinsichtlich ihrer geringeren Belastung des Klimas oder ihrer besonderen Nachhaltigkeit - nicht nachweisen.
Allfällig zu unrecht und vielleicht sogar bewusst falsche Eintragungen in der Lieferkettendokumentation würden - wenn diese Falscheintragungen aufgedeckt werden könnten - sogar die Wettbewerbschancen solcher Produkte reduzieren.

Durch technische Maßnahmen sind solche Fälschungen aber jedenfalls nicht zu verhindern.

Zu erwarten ist daher,

dass solche technisch aufwendigen Lieferkettendokumentationssyteme (z.B. auch mit in den Zwischen- und End-Produkten integrierten elekronischen Datenspeichern) wegen angeblicher technischer Probleme nicht so schnell - bzw. im geforderten Umfang - kommen werden oder
dass Lieferkettendokumentationssysteme und die daraus abgeleitenen Produktkennzeichnungen trotz des erheblichen technschen und organsiatorischen Aufwandes für ihren Betrieb - beim Endkunden nur weitere Preisteigerungen verursachen werden , nicht aber deren Kaufentscheidung beinflussen werden.
Denn es wird dann halt noch einige weitere Produktkennzeichnungen geben, denen man dann genau so wenig Vertrauen entgegenbringen kann, wie den schon bisher existierenden Kennzeichnungen.

Es ist zu erwarten, dass Refurbished-Geräte sowie Weiternutzungen von Batterien oder Stromversorgungen gang und gäbe werden.

Das war (und ist ? ) im Installationsgewerbe schon lange “üblich” : Wenn z.B. gebrauchte Heizungsventile als “neue” Heizungsventile auf Baustellen eingebaut und kommentarlos auch als “neue” Ventile verrechnet wurden.

In anderen Branchen galt eine soche Vorgangsweise - vor allem, wenn sie nicht vorher explizit vereinbart wurde - bisher als Betrug.

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Das Wie ist eigentlich schon gelöst, weil Parmesan schon seit ein paar Jahren mit Mikrochips gegen Fälschung gekennzeichnet wird.

https://www.heise.de/news/Lieferkette-Winziger-Chip-im-Parmesan-soll-Echtheit-nachweisen-und-ist-essbar-9286525.html

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Kann dieser Kennzeichnung von Parmesan durch in die Verpackung integrierte Mikrochips mehr vertraut werden, als irgendwelchen nur auf die Verpackung aufgedruckten Herkunfts- und Güte-Siegeln ?

Was nützen Mikrochips, wenn etwa der Inhalt der Verpackung noch vor der Anbringung solcher Kennzeichnungen durch z.B. Beimischung von Produkten aus anderern Regionen (“Streckung”), von nicht gestatteten chemischen “Geschmacksverbesserern” oder Konservierungsmitteln - verfälscht wurde oder die Kennzeichnung unberechtigt bzw. - durch Unbefugte - angebracht wurde ?
Mit “Mikrochips” könnte lediglich die Einhaltung erforderlicher Umweltbedingungen während des Transports ( z.B. eine nicht unterbrochene Kühlkette ) und vielleicht auch die Route- und -Dauer des Transportes zusätzlich überwacht werden - nicht aber das Vertrauen in die Aussagekräftigkeit solcher Kennzeichnungen und in die mit Mikrochips registrierten Daten erhöht werden, wenn es Vermutungen geben sollte, dass nicht alle an Produktion und Handel beteiligten Interessensgruppen ehrlich und ernsthaft an der Qualiätssicherung der produzierten und gehandelten Waren interessiert wären.

Lieber Erich, warum liest du nicht einfach den Artikel, den ich verlinkt habe?

Hallo Roland ,

die Rinde des Käselaibs würde ich noch zur “Verpackung” zählen.
Üblicherweise kauft ein Endverbraucher zudem auch nicht einen ganzen Laib Käse (auf dessen Rinde sich irgendwo ein Mikro-Chip befindet) in der Größe, wie er am Foto zum Artikel abgebildet ist. Auch besitzt er weder ein Auslesegerät, um eine solche Markierung mittels Chip auch auslesen zu können, noch verfügt er über die erforderlichen Informationen, wie allenfalls ausgelesene Daten zu interpretieren sind.
Eine solche Markierung mit einem Mikro-Chip bringt daher dem Endkunden, der Parmesan selbst verzehrt, überhaupt keine höhere Sicherheit gegen “falschen” ( nicht in der erwarteten Region bzw nicht nach dem spezifischen Rezept produzierten) Parmesan - er kann dafür nur den Informationen des Verkäufers vertrauen .
Selbst dem Händler, der den Käselaib weiterverkauft, bringt ein solcher Mikro-Chip keine höhere Sicherheit, wenn sein Lieferant ihn tatsächlich betrügen will.

Ich bleibe daher bei meiner Behauptung, dass der Herstellungsort und die Produktions-Bedingungen (bzw. die verwendeten Rezepte) durch Kennzeichnung der Produkte mit einem Mikro-Chip nicht besser bzw zuverlässiger/fälschungssicherer , als mit einem entprechend gestalteten Papiersiegel, ausgewiesen werden könnten.

An die Stelle des vormaligen Handschlags zwischen “Ehrenmännern” - einander berechtigt vertrauenden Menschen - tritt halt nun irgendeine Kennzeichnung der Waren, dass sie bestimmte Anforderungen/Erwartungen erfüllen würden.
Wenn heute dieses persönliche Vertrauen nicht mehr gerechtfertigt sein sollte, dann wären aber auch alle diese Markierungen/Zertifikate wertlos, weil sie immer gefälscht oder/und unberechtigt verwendet werden könnten. Auch Block-Chain-Technologie kann dann keinen Schutz bieten.

Oder verstehe ich da etwas nicht ?

Servus Erich,

Du argumentierst jetzt, um zu gewinnen, was immer das bedeuten mag. Dazu ignorierst du Fakten, die dir sehr wohl zugänglich sind. Qualitativ hochwertiger Parmesan wird nicht eingeschweißt im Kühlregal verkauft, sondern offen. Das wusstest du, oder? Die Endkundinnen mögen über keinen Laser-Scanner verfügen, der Zoll (der für Produktfälschungen zuständig ist) hat einen und führt auf Anregung von Herstellern auch Kontrollen durch. OK, das ist dir vielleicht neu. Ich nehme meinen Vorwurf von oben zurück.

Es geht mir hier nicht um “gewinnen” oder “ Besserwisserei” , sondern um die Betrachtung des Problems des Nachweises des Ursprungs oder der Unverfälschtheit von Produkten/Lebensmitteln aus Sicht eines Endverbrauchers.
Wenn irgendwo in der Lieferkette ein technisches Verfahren zum Ersatz vielleicht bisher üblicher Papier-Etiketten durch - zumeist auch teurere - “elektronische” Etiketten eingeführt wird , ändert das für den Endverbraucher rein gar nichts - es gibt dann nur einen weiteren Grund, wegen dieses teureren Verfahrens in Zukunft weitere - und vor allem auch raschere - Preisteigerungen erwarten zu müssen.
Ein Endkunde weiß dann genauso wenig, wie vor der Einführung eines solchen Verfahrens, ob er bei seinem Händler ( zumeist einem der vier in Österreich tätigen Lebensmittel-Handelskonzerne) einen Originalkäse oder nur ein Imitat des Originals erhalten kann.
Nachdem im Fall von verbilligt angebotenen Produkten Kunden bereits wieder bemerkt haben, dass man Aussagen von Händlern nicht glauben darf, gibt’s auch keinen Grund, Aussagen der Händler über die Herkunft oder die verwendeten “Originalrezepte” für deren Herstellung zu glauben - denn überprüfbar ist das für Endkunden jedenfalls weiterhin nicht.
Änliches gilt auch für non-food-Produkte.
Wenn Vertrauen in die Aussagen von Lieferanten/Händler verloren wurde - oder vielleicht ohnehin kaum jemals vorhanden war, dann nutzen technische Methoden für den Nachweis der Beschaffenheit oder des Ursprungs eines Produktes auch nicht mehr, um fehlendes Vertrauen (wieder-) herzustellen.
Wenn es nie Beschädigung/Verlust des Vertrauens gegeben hätte, wäre keine besondere Kennzeichnung von Produkten für den Nachweis ihrer Herkunft und ihrer “Originalität” erforderlich gewesen - dann würde lediglich eine Produktbeschreibung beim Händler - ohne besonderen Nachweis der Richtigjkeit dieser Beschreibung genügen.
Und jede noch so ausgeklügelte Waren-Kennzeichnung kann gefälscht oder unbefugt verwendert werden, wenn die Fälscher dadurch ausreichend wertvolle Vorteile -bzw. höhere Gewinne - erwarten können.