Gendergerechte Sprache

Ich persönlich halte Sprach-Extremismus auf beiden Seiten für unangemessen.

Ich empfinde pauschale Ablehnung von gendergerechter Sprache ebenso problematisch wie die Forderung, bestimmte Sonderzeichen zwingend zu verwenden, oder auch wegzulassen um als respektvoll zu gelten.

Gleichzeitig halte ich die Position
„Wir verwenden das generische Maskulinum und meinen eh alle mit“
für nicht mehr zeitgemäß und außerhalb sehr homogener, meist älterer, männlicher Zielgruppen kaum noch anschlussfähig.

Mein Zugang zur Thematik ist daher ein anderer:

Sprache ist Ausdruck persönlicher Haltung.
Jede Person soll die Form geschlechtergerechter Sprache verwenden dürfen, die sie für angemessen hält. Alles andere empfinde ich als unangemessene Einmischung in die individuelle Ausdrucksweise.

Ein wichtiger Klarstellungspunkt in der Diskussion:
Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist kein staatliches Organ, sondern ein privater Verein. Er gibt Empfehlungen zur Orthografie ab, verfügt jedoch über keine verbindliche Deutungshoheit über die deutsche Sprache. Sprache entwickelt sich durch gesellschaftliche Praxis.

Entsprechend verwenden beispielsweise auch staatliche und öffentliche Stellen unterschiedliche Formen geschlechtergerechter Sprache, teilweise auch das Gendersternchen. Unabhängig von der persönlichen Bewertung kann diese Form daher nicht pauschal als verboten oder illegal bezeichnet werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir in der Digital Society unter der Leitung von Roland Giersig vor längerer Zeit eine pragmatische Sprachregelung entwickelt. Diese Regelung übernehmen wir auch für 4future.

Dabei ist uns eine klare Abgrenzung wichtig:

  • Diese Sprachregelung gilt ausschließlich für die offizielle Kommunikation der Organisationen.
  • Sie ist keine Vorgabe für die persönliche Ausdrucksweise einzelner Mitglieder, Autorinnen und Autoren oder Diskutierender.

In der offiziellen Kommunikation bedeutet das konkret:

  • geschlechterneutrale Sprache ist verplichtend
  • keine Verwendung von Gendersternchen oder vergleichbaren Sonderzeichen innerhalb von Wörtern.

Beispiele:

  • Mitarbeitende oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt Mitarbeiter
  • Studierende oder Studentinnen und Studenten statt Studenten
  • allgemein Formulierungen, die inkludieren, ohne zu polarisieren

Dieser Ansatz ist für uns ein bewusster, pragmatischer Mittelweg:
respektvoll, verständlich, anschlussfähig – und ohne sprachliche Zwangsvorgaben.

2 „Gefällt mir“

Ich fände mehr Laissez-faire bei Sprache eh sinnvoller, schließlich “reden“ wir ja eine Lebende Sprache. Einfach mal alte Bücher (älter als 50 Jahre) lesen!

“Wer einen Rechtschreibveler gefunden hat darf ihn behalten“ :upside_down_face:

Nein! Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist nicht irgendein Verein, sondern eine zwischenstaatliche Institution, die von den Mitgliedsländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens gebildet wird. Grundlage der Arbeit des Rats ist kein völkerrechtlicher Vertrag, sondern eine völkerrechtliche Vereinbarung. Der Rat hat - kraft der Autorisierung durch die Mitgliedsstaaten - das alleinige Entscheidungsrecht bei Zweifelsfragen.

Ich kenne keine österreichische Tageszeitung, bei der im redaktionellen Teil regelmäßig gegendert wird. Woran mag das liegen? Nur einmal laut gedacht: vielleicht weil es die Leser nicht wünschen? Und wenn dem so wäre: Welche Auswirkungen hätte das eventuell auf die Öffentlichkeitsarbeit von 4future?

Der Rat der deutschen Rechtschreibung empfiehlt gendergerechte Sprache zu nutzen, diese müsse:

  • sachlich korrekt sein,
  • verständlich und lesbar sein,
  • vorlesbar sein (mit Blick auf Blinde und Sehbehinderte, die Altersentwicklung der Bevölkerung und die Tendenz in den Medien, Texte in vorlesbarer Form zur Verfügung zu stellen),
  • Rechtssicherheit und Eindeutigkeit in öffentlicher Verwaltung und Rechtspflege gewährleisten,
  • möglichst automatisiert übertragbar sein in andere Sprachen, vor allem im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen (Schweiz, Bozen-Südtirol, Ostbelgien; aber für regionale Amts- und Minderheitensprachen auch Österreich und Deutschland),
  • die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen.
  • das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache nicht erschweren.

Dass Medien das nicht tun ist schlicht unwahr:

Deutsche Presse-Agentur (dpa) setzt auf sprachliche Alternativen
Deutschlands wichtigste Nachrichtenagentur dpa arbeitet ebenfalls nicht mit Genderstern, Binnen-I oder anderen Kennzeichen. „Aber alle dpa-Kolleginnen und -Kollegen sind zu besonderer Sprachsensibilität aufgerufen: Wir wollen jenen Spielraum für Gendergerechtigkeit nutzen, den uns die Sprache auch ohne besondere Schreibweisen schon jetzt lässt“, so dpa-Kommunikationschef Jens Petersen. Dazu bedient sich die dpa „sprachlicher Alternativen zum generischen Maskulinum".

Bei der Funke-Mediengruppe, einer der größten deutschen Regionalzeitungsverlage (u.a. Thüringer Allgemeine , TLZ , OTZ ) prüft aktuell eine Projektgruppe der Chefredaktionen , in welcher Form gendergerechte Sprache in den Blättern umgesetzt werden kann. Dabei dürfe die Lesbarkeit von Texten aber nicht leiden, so Pressesprecher Dennis Jerchow. Insgesamt will die Funke -Gruppe „keine dogmatischen Regeln zu genderneutraler Sprache aufstellen, weil wir überzeugt sind, dass wir als Unternehmen, dessen Kernkompetenz Wort und Sprache sind, flexibel in den Formulierungen bleiben sollten“. Allerdings gibt es klare Vorgaben, nach denen in der Kunden- und der internen Kommunikation oder in Verträgen nicht mehr ausschließlich die männliche Form benutzt werden darf.

Die taz gendert tatsächlich bewusst mit * und : – und deklariert das auch offen als redaktionelles Statement.

Die Redaktion von Der Standard veröffentlicht einen eigenen Leitfaden zur geschlechtergerechten Sprache. Darin heißt es, dass sie geschlechtergerecht zu schreiben und negative Konsequenzen einer rein männlichen Formulierung zu vermeiden.

Die österreichischen Boulevardmedien (Heute, Österreich, Krone) stellen sich offen gegen gendergerechte Sprache.

Spannend ist auch folgende Passage:

Der Rat für deutsche Rechtschreibung kritisiert ausdrücklich, dass viele Universitäten den Genderstern oder Doppelpunkt verbindlich vorschreiben – obwohl diese Zeichen nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung sind. Ob solche Verpflichtungen rechtlich überhaupt zulässig sind, sei offen.

Ich fürchte die Nutzung der Gendergerechten Sprache ohne * und : innerhalb eines Textes fällt den meisten nicht einmal auf. Sie ist aber mittlerweile eher Standard als das generische Maskulinum bei dem „eh alle mit gemeint sind“.

Insgesamt zeichnet sich ab:

Wenn man Ministerien, Medien und öffentlich-rechtliche Organisationen zusammennimmt, sieht man eine ziemlich klare faktische Entwicklung:

  • Ja zu inklusiver Sprache
  • Ja zu neutralen Begriffen
  • Ja zu Doppelnennungen
  • Zurückhaltung bei Sonderzeichen im Fließtext
  • Experimentieren in der gesprochenen Sprache

Wir folgen exakt dem Rat der deutschen Rechtschreibung. Gendersensible Sprache ohne „:“ oder „*“ im Wort. Sogar in Niederösterreich wird obwohl die FPÖ laut das Genderverbot verlautbart hat, geschlechterneutral formuliert.

Universitäten tun es größtenteils nicht. Andere öffentliche Stellen oft auch nicht.

Ich ersuche die Diskussion hier zu beenden.

1 „Gefällt mir“
  1. Ja, ich habe mich nicht präzise ausgedrückt. Gemeint war (und aus dem Zusammenhang ja auch klar erkennbar):
    Ich kenne keine österreichische Tageszeitung, bei der im redaktionellen Teil regelmäßig mit Sternchen, Doppelpunkten, Binnen-I usw. gegendert wird.
    Ich bitte für diese verkürzte Schreibweise um Nachsicht.
    Außerdem ging es mir um österreichische Zeitunge. Bei deutschen Medien erlaube ich mir keine Einschätzung.
  2. Ich verstehe nicht, warum ein Passus wie „Alle personenbezogenen Bezeichnungen in diesem Text beziehen sich auf alle Geschlechter. Falls einzelne gemeint sind … usw.“ nicht inklusiv genug ist (includere heißt einschließen - alle sind eingeschlossen).
  3. Ich denke, dass ich in den letzten Jahren (um nicht zu sagen Jahrzehnten) immer wieder gerne meine Mitarbeit in den PCNEWS angeboten habe. Meine Sorge lautet einfach ausgedrückt, dass mit Gendersternchen und Ähnlichem mehr Leute vertrieben als gewonnen werden. Aber das kann nur die Zukunft zeigen.
  4. Lieber Werner, ich verstehe, dass dir die Diskussion auf die Nerven geht. Ich sehe auch deine Bitte, die Diskussion zu beenden, und hätte mich auch gerne mit ein paar Worten daraus verabschiedet. Aber kraft deiner Macht als Moderator ein dir nicht gefälliges Thema einfach abzudrehen, entspricht nicht dem, was ich als Grundlage eines Gedankenaustausches in 4future zu erkennen geglaubt habe. Schade.

Lieber Martin,

Es gibt mittlerweile mehr Beschwerden über Deinen Zugang zu dem Thema bei mir, als Beschwerden über Gendersternchen. Ich durfte das sogar bei der Weihnachtsfeier mit mehreren Personen über Deine Position diskutieren, die bei Deiner letzten Veranstaltung anwesend waren. (Ich weiß nicht genau was dort passiert ist).
Ich hätte lieber die Feier genossen.

Nein, eine alle sind mit gemeint ist nur für ältere Herren in unserem Alter ausreichend. Rede bitte mit jüngeren Menschen vor allem auch weiblichen. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass wir auch schon Austritte aus dem Verein hatten, weil wir nicht geschlechterneutral formuliert haben. Ein Austritt wegen geschlechterneutraler Formulierung ist mir bislang nicht bekannt.

Auch über die Formulierungen in den PCNEWS kenne ich bislang keine einzige Beschwerde.

Ich habe den Standard genannt, die eine Regelung dafür haben, und eigentlich den gleichen Weg verfolgen wie bei uns.

Die Presse hat das auch diskutiert, dort habe ich keine publizierte Regelung gefunden.

Wir versuchen dem Bedürfnis Rechnung zu tragen und verhalten uns aus meiner Sicht für beide Seiten von Sprachextremisten (jene die meinen alle sind mit gemeint und jenen denen : nicht weit genug geht) und auch für den Rat der deutschen Rechtschreibung korrekt.

Bitte ansonsten einen Antrag bei der nächsten Generalversammlung zu stellen. Der Vorstand hat diese Regelung vor einiger Zeit einstimmig beschlossen.

Bisher gab es keinerlei Probleme damit.

Es gibt also eine formale Entscheidung im Verein:

  • WIr verwenden in der Außenkommunikation Genderneutrale Sprache ohne Gendersternchen, Doppelpunkt oder Binnen I

Diese Diskussion ist abgeschlossen.

Sie wird in diesem Forum und bei Veranstaltungen nicht weitergeführt.

Beiträge, die die beschlossene Regelung erneut grundsätzlich infrage stellen, werden moderativ beendet oder geschlossen.

Der dafür vorgesehene Weg das zu ändern ist ein Antrag an die Generalversammlung.

Danke
Werner