Als Vergeltungsmaßnahme nach einem US-Angriff auf die Chemieanlage in Asaluyeh griff der Iran einen der weltweit wichtigsten Kunstharzproduzenten an: das Petrochemiewerk in Jubail. Dort werden etwa 70 Prozent der weltweiten hochreinen Kunstharze produziert, die für die Herstellung von Leiterplatten notwendig sind. Die Schäden durch den Angriff haben dazu geführt, dass die Produktion nahezu zum Erliegen gekommen ist und das Material weltweit knapp wird, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet.
Die müssten dann aber auch erst bezahlt und verarbeitet werden können und die ausgefallenen Mengen der bisher mit Kunstharz erzeugten Leiterplatten ersetzen können.
Aber dann haben wir die Umweltverschmutzung bei uns vor der Haustür.
Erinnert mich an die Frage, welcher Landrat oder Bürgermeister in Deutschland sich dafür einsetzten würde, dass vor seiner Haustür ein neues Atomkraftwerk gebaut werden würde.
Gemäß obigem Artikel werden ja ohnehin herkömmlich (mit hochreinem Kunstharz) weiterhin Leiterplatten produziert.
Wenn aber 70% der benötigten Ausgangsprodukte (z.B. Polyphenylenether ) zufolge des derzeitigen Irankrieges und der dadurch ausgelösten Zerstörungen und Blockaden nicht mehr geliefert werden kann, dann können auch nur entsprechend weniger Leiterplatten produziert werden und der auch durch den Boom neuer Rechenzenten ausgelöste Mehrbedarf an Elektronik-Baugruppen nicht gedeckt werden.
In diesem Artrikel sind aber auch zahlreiche weitere Rohstoffe und Ausgangsprodukte erwähnt, die ein weiteres Wachstum der Elektronik bzw IKT-Industrie behindern :
Gleichzeitig gibt es einen durch den KI-Boom und den Krieg im Iran verschärften Mangel an Glasfaser und Kupferfolie
Durch die Blockade der Straße von Hormus ist der Nachschub von Naphtha empfindlich gestört. Dieses auch Rohbenzin genannte Material ist als Lösungsmittel in der Chipindustrie unerlässlich. 76 Prozent des globalen Nachschubs stammen aus Japan, das nun von Basisressourcen abgeschnitten ist.
Wie die Financial Times berichtet, wurden durch den Konflikt im Nahen Osten die Exporte von Gas aus Katar massiv eingeschränkt. Davon ist auch die Heliumproduktion betroffen. Als Folge wurden Schätzungen zufolge 10 bis 15 Prozent der weltweiten Heliumproduktion lahmgelegt. Im Industriegebiet von Ras Laffan werden etwa 40 Prozent des weltweit gehandelten Heliums produziert. Auch diese Anlage wurde vom Iran bombardiert. Das Gas ist für die Produktion von Halbleitern essenziell.
Wie geht man normalerweise in solchen Situationen vor, wenn ein Produkt knapp wird:
die Nachfrage senken (z.B. Preise künstlich erhöhen oder schauen, ob man nicht auch ohne dem Zeug auskommen wird).
sich nach einer Ersatzlieferquelle umsehen (anderere Lieferant. Vielleicht liegt ja noch irgendwo etwas auf Lager).
sich nach einem Ersatzprodukt umsehen (z.B. Keramik statt Epoxyd)
das Design grundlegend in Frage stellen (kann man Leiterplatten an sich eliminieren)
einfach durchtauchen und die Situation aushalten, bis sich die Zeiten wieder bessern werden.
Das könnte man auch gerade anwenden, wo uns 15-25% der von uns verbrauchten Gas- und Ölmengen ausfallen. (In anderen Ländern sind es teilweise bis zu 90%. Da steht alles.)
Wir suchen uns andere Lieferanten und kaufen mit unserer finanziellen Macht einfach den Weltmarkt leer und nehmen allen anderen das Zeug weg.
Wir versuchen weniger zu benötigen (Kunststoffproduktion drosseln, weniger Auto fahren, langsamer fahren, weniger heizen, effizientere Nutzung)
Wir suchen nach Substitutionen (Solarenegerie, Biomasse, Stärke statt Erdöl)
Wir designen um (E-Motor statt Verbrenner, „Bestrahlung“ statt Dünger, Holzfasern statt Kunststoffe, Öffies/Rad statt Auto, Kollektive Fahrzeugnutzung statt Individualverkehr)
3-24 Monate warten, bis der Spuk wieder vorbei ist und es einfach durchstehen, dass wir zu Fuß laufen werden
Die ganze Treibstoffkostendebatte ist jedoch meiner Meinung nach eher etwas für die Bourlevardmedien. Ich würde ja die Energiesteuer auf fossiles Zeug nach Brennwert berechnen und um mindestens 2 Euro/Liter erhöhen. Dann bewegt sich einiges von ganz alleine.
Was glaubst Du, wie lange es wohl dauern würde „woanders“ ausreichend große Ersatzförderanlagen (für Erdöl und Erdgas geigneter Qualität) , Raffinerien und Produktionsstätten für den Ersatz der nun ausgefallen Rohstoffe und Ausgangsprodukte aufzubauen ?
Wo sollte/könnte das sein ?
Wie lange würde es dann dauern, bis auch diese Anlagen dort in neuen kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört werden würden oder wegen militärische Bedrohung und anhaltender Kriegsgefahr dort gar nicht erst errichtet und betrieben werden könnten ?
Just fucking do it. In Kriegszeiten kriegt man das auch hin. Da wird dann einfach alles in Bewegung gesetzt, was notwendig ist, und alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Gnadenlos.
Wenn „irgendwo“ nichts in der Tiefe lagert, kann dort auch nichts gefördert und daraus produziert werden.
Alle diese Firmen in deiner Aufzählung brauchen ihre Rohstoffe.
Auch für diese Firmen fallen Lieferungen von PPE im Ausmaß von 70% aus, denn dieser Ausfall bezieht sich auf die weltweite Produktion dieses Ausgangstoffes .
Die von Dir weiter oben erwähnten Keramik-Substrate werden für Hochtemperaturanwendungen ( für LED-/Laser - Produktion ) und Hochfrequenzanwendungen benötigt und sind zufolge ihrer besonderen Eigenschaften auch besonders teuer und in Vergleich mit herkömmlichen, mit Kunstharz produzierten, Leiterplatten auch schwerer zu be- bzw- ver-arbeiten.
Rohstoffe hatte ich Dir oben gepostet
Einfach lesen.
Es ist weder Hexenzeug das gebraucht wird, noch nur in einem Land verfügbar.
Man kauft es halt meist in Ländern die billig produzieren, weil man sich 3 Cent bei der Produktion spart.
Umweltgifte aus der OMV-Raffinerie Schwechat belasten das Grundwasser der Umgebung
Nahe Schwechat sind gesundheitsschädliche „Ewigkeitschemikalien“ vom Gelände der Raffinerie in Hausbrunnen der Umgebung gelangt. Deren Wasser soll nun nicht mehr benutzt werden. Leitungswasser ist nicht betroffen
Obwohl die Quelle dieser Umweltbelastung diesmal nur indirekt - über auch bei Übungen verwendeten Löschschaum - aus der Raffinerie stammen dürfte :
Wenn dein Grundstück und dein Hausbrunnen von solchen „Zwischenfällen“ und/oder Dauerfolgen betroffen wäre, würdest Du solche „nebensächlichen“ Folgen des raschen „Fortschrittes“ sicher nicht mehr so leichtfertig akzeptieren und hinnehmen, wie Du in deinen Beiträgen bzw. Antworten immer wieder zu erkennen gibst.
Und genau das sind die Gründe, warum diese Produkte nicht mehr In Österreich - sondern igendwo anders produziert werden. Weil in Österreich wollen wir ja keine Umweltverschmutzung haben. Zudem sind die Auflagen zu teuer.
Daher produzieren wir potentiell umweltschädigende Dinge lieber in einem anderen Land mit geringeren Umweltauflagen. (Epoxydharz für Leiterplatten z.b.). Dann schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Umwelt dort wird vergiftet (nicht bei uns) und die Menschen dort sind billiger (also kostet die Leiterplatte 50Cent das Stück weniger).
Auf die Idee scheinst Du gar nicht zu kommen, dass Personen, die sich um schädliche Folgen solcher Produktionsanlagen ( nicht nur von Erdöl-Raffinerien - obwohl diesmal der Schadstoff gar nicht direkt aus den Produktionsprozessen der Raffinerie stammt ) vor der eigenen Haustür, auf dem eigenen Grundstück sorgen,
durchaus auch noch an zwei weitere Alternativen
neben dem „St.Florians-Prinzip“, der „Notwendigkeit“, offenbar immer noch unvermeidbare Schäden in andere, möglichst weit entfernte Länder, „auszulagern“ -
denken :
Produktionsprozesse (und erforderliche Schutzmaßnahmen) so zu gestalten, dass keine umweltproblematischen (auch Zwischen- ) Produkte enstehen oder aus Produktionsanlagen entweichen können
oder
auf gefährliche Produkte (auch ihre Zwischenprodukte) gänzlich zu verzichten, sie durch weniger - besser aber, gar nicht - problematische Produkte zu substituieren.
Auch wenn sich das sehr „naiv“ anhört und in vlelen Anwendungsbereichen solcher Produkte heute immer noch nur sehr schwer vorstellbar ist, gibt es hier große Chancen für nachhaltige Forschung und Umwelt-/Klima-verträgliche Innovationen - und damit auch für österreichische Forschungseinrichtungen und Betriebe in Österreich.
In Österreich haben wir sehr umfangreiche Regeln, die versuchen zu verhindern, dass schädliche Stoffe entweichen können. Es passiert dennoch immer wieder - siehe Dein Beispiel.
Wenn wir Dein Beispiel des Epoxidharzes hernehmen: Da sind sehr viele umweltschädliche Stoffe im Spiel. Ohne wird es hier nicht abgehen. Daher haben wir hier wieder einmal das Florianiprinzip gewählt. - und wie Du schreibst ein erklecklicher Anteil wird offensichtlich in einer Fabrik hergestellt. (Weil nicht bei uns dreckig und dort auch noch billiger - juhuu).