Mindestens 120.000 Wohnungen: Viel Potenzial für Nachverdichtung in Wien

Mithilfe von KI hat ein Immobilien-Start-up analysiert, was allein im Bestand der Stadt möglich wäre. Die Ergebnisse decken sich mit einer berühmten Studie aus 2018

https://www.derstandard.at/story/3000000309778/mindestens-120000-wohnungen-viel-potenzial-fuer-nachverdichtung-in-wien

Vier- bis fünfstöckige Wohnblöcke im Zeilenbau, also mit viel Freiraum dazwischen, erbaut Anfang der 1980er-Jahre in der sogenannten „Montagebauweise“. Damals entstand eine Vielzahl solcher Wohnsiedlungen in eher schlecht an die öffentlichen Verkehrsmittel angebundenen Stadtteilen. Umgeben sind sie heute oft von Einfamilienhäusern.

Soll etwa der dort befindliche Ingeborg-Bachmann Park (Nr. 24a) oder der Sportplatz ( oder vormailge Görtnerei ? ) (Nr.1a) verbaut werden ?
Die städtische Infrastruktur der näheren und weiteren Umgebung (nicht nur hier im 22.Bezirk) ist aber immer noch auf den Altbestand - mit Einfamilienhäusern in der Umgebung - ausgerichtet mit auch dafür schon
zumeist unzureichender Verkehrserschließung durch öffentliche Verkehrsmittel und für nichtmototorisierte Fortbewegungsarten und
zu Fuß bzw mit dem Fahrrad oft nicht erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Lebensbedarf und mangelhafter ärztlicher Versorgung.

Ganz ähnlich wird auch für neu zu bebauende Stadtentwicklungsgebiete die Verkehrsanbindung an die Ungebung überhaupt nicht beachtet.
So soll z.B. am vormaligen Nordwestbahnhof ein Stadtteil der Größe von Eisenstadt ( mit 3 Autobahnanschlüssen in umittelbarer Umgebung von Eisenstadt ) vollkommen neu errichtet werden, aber nahezu der gesamte öffentliche Verkehr dieses Stadtteiles nur mit mit einer einzigen neuen Straßenbahnlinie abgewickelt werden, obwohl PKWs dort in Zukunft sowohl aus Gründen des Klimaschutzes aber auch wegen fehlender Verkehrsflächen (alle Straßen der Umgebung verfügen nur über eine Fahrspur je Richtung) und Gehsteige überall zu schmal sind , Radverkehrsanlagen der Umgebung - auch nach beabsichtigtem Ausbau - an wichtigen Stellen nicht vorhanden und bestehende Anlagen ungeeignet, den zu erwartendeh zusätzlichen Verkehr auch aufnehmen zu können.

Solche Planungsfehler können auch durch KI-Systeme nicht behoben werden , bzw. werden durch KI-Ergebnisse sogar noch verstärkt/verschärft, wenn die Auswirkungen von Bebauungsverdichtungen auf die nähere und weitere Umgebung von Verdichtungs- bzw Neubau-Gebieten überhaupt nicht berücksichtigt wird.

Die Stadtplanung in Wien macht - mit /der ohne KI - immer noch den Fehler , Nachverdichtungen und höhere Bebauungsdichten nur zufolge der technischen Möglichkeiten innerhalb eines Projektgebietes - nicht aber hinsichtlich der Auswirkungen auf - bzw der Anforderungen an - die nähere und weitere Umgebung des Altbestandes zu beurteilen.
Die von der Gemeinde lediglich als “Schutzbehauptung” eingeführte Idee der “15 Minuten Stadt “ . in der alle Ziele zur Erfüllung des täglichen Bedarfes innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreicht werden sollten, dient ledglich als Grund, die - auch weitere - Umgebung im Altbestand nicht an die dann höheren und intesiveren Anforderungen anpassen zu müssen - das möglichst noch bevor verdichtete Gebiete in Betrieb genommen werden bzw. die ersten Bewohner dort einziehen.

Denn jede Verdichtung (sowohl die Erhöhung der Anzahl von Wohnungen, als auch die Erhöhung der Anzahl von Arbeitsplätzen in einem bestimmten Gebiet) hat jedenfalls ( für die dortigen Bewohner) zumeist negative Auswirkungen im Altbestand - in seiner Umgebung und seiner Infrastruktur.
Auswirkungen z.B.

  • auf Wohnungen im Altbestand , durch noch höhere Preise/Mieten,
  • auf den Straßen durch mehr Verkehr (nicht nur durch mehr PKWs ),
  • auf Erholungsflächen durch weniger für den Einzelnen verfügbaren Platz.

Die Gemeinde Wien verabsäumt es aber weiterhin,
den Altbestand und seine (auch weiter entfernte) Umgebung/Infrastuktur -

  • dessen Straßenraum (seine Nutzungsmöglichkeiten) ,
  • dessen Verkehrssysteme,
  • dessen wirtschaftliche, kulturelle, medizinische …. Infrastruktur und
  • die Flächen von Erholungsräumen (…)

an die Erhöhung der Einwohnerdichte und
an deren intensiveres Nutzungsverhalten (auch zufolge anderer Alters-und Einkommens-Struktur gegenüber der zumeist älteren Bevölkerung im Alttbestand ) rechtzeitig anzupassen.

Mit KI werden solche Fehlplanungen noch häufiger zu erwarten sein.
Denn woher sollte ein KI-System “wissen” , welche Aspekte bei Verdichtungsmaßnahmen noch berücksichtigt werden sollten, wennn das auch sehr viele menschliche Planer bzw. Entscheidungsverantwortliche nicht zu wissen scheinen ?

Die Verfügbarkeit noch bebaubarer Freiflächen im Altbestand und noch ausreichende Statik (zur Aufnahme des zusätzlichen Gebäudegewichtes von Aufstockungen bzw. Dachgeschoßausbauten) von im Frage kommenden Gebäuden des Altbestndes, sind da beinahe die kleinsten - und noch am leichtesten - zu entscheidenden Fragen.

Ein interessanter Ansatz. Danke, Erich, für diesen Hinweis.

Mit der KI könnte also eine Vorauswahl getroffen werden, so dass man sich diese Objekte dann genauer anschauen kann? Sehr fein.

Super wäre es auch, nicht nur Bestandserweiterungen oder Nachverdichtungen zu betrachten, sondern auch „Empfehlungen“ für Objekte auszusprechen, die saniert oder ggf. besser durch einen Neubau ersetzt werden sollten. Es wäre dann leichter, geeignete und vielversprechende Objekte aus dem großen Heuhaufen zu identifizieren.

Für wen und wozu “geeignet und vielversprechend” ?

Solche Formulierungen werden üblicherweise von “Imnobiieninvestoren“ und Spekulanten verwendet.

Für Wohnungssuchende bedeutet “vielversprechend” dann, dass ihnen viel versprochen wurde , nur wenig eingehalten wurde und sie dann dafür noch viel mehr zahlen mussten.

Für Bewohner im Altbestand solcher “vielverspechenden“ Gebiete bedeutet das dann noch schneller steigende Mieten, verfallende Wohngebäude, manchmal auch “kreative Maßnahmen” im Haus, um einige letzte Mieter aus solchen “vielversprechenden” Wohngebüden doch endlich “loswerden” zu können und die Angst vieler Mieter, ihre derzeitige Miet- Wohnung kaufen zu müssen, wenn sie nicht in absehbarer Zeit - vielleicht sogar schon in einigen Monaten - Obdachlos werden wollen , sich aber den geforderten Kaufpreis ihrer bisherigen Mietwohnung , die sie zudem oft mit großem finanziellen Aufwand auch vor vielen Jahren erst selbst renovieren mussten , gar nicht leisten können.