Missing Link: Wie es bei Linux ohne Linus Torvalds weiterginge

Missing Link: Wie es bei Linux ohne Linus Torvalds weiterginge

Allerlei Mythen ranken um die Frage, wer im Fall der Fälle die Leitung von Linux übernimmt. Dabei gibt es eine Nachfolgeregelung. Die kennt nur kaum jemand.

An wen der Staffelstab übergeht, ist natürlich enorm wichtig. Noch viel wichtiger ist am Ende aber, dass die Person das Vertrauen der wichtigsten Entwickler genießt – allen voran der Betreuer der wichtigsten Subsysteme des Kernels. Denn wenn denen die neue Nase an der Spitze nicht passt, könnten sie jederzeit einen Fork von Linux lostreten; derlei wäre sogar das wahrscheinliche Resultat, wenn die Linux-Foundation oder die Amazons, Googles, Metas und IBMs dieser Welt irgendwie die Kontrolle über die Linux-Entwicklung an sich reißen würden.

Was passiert, wenn Linus Torvalds ausfällt?

Eine Frage, die weit über die Linux-Welt hinausreicht.

Was würde geschehen, wenn der zentrale Kopf hinter Linux – Linus Torvalds – plötzlich wegfiele? Diese Frage stellt sich nicht nur für Open-Source-Projekte, sondern für jede Organisation, die stark von einer einzelnen Person abhängt. In unzähligen kleineren Softwareprojekten, Vereinen oder inhabergeführten Unternehmen sieht man dasselbe Muster: Sobald der oder die Verantwortliche verschwindet, bleibt oft eine Lücke, die kaum zu schließen ist.

Mit der Person verschwindet meist mehr als nur Arbeitskraft: Wissen, Kontakte, Entscheidungsstrukturen, Passwörter – kurz gesagt, der innere Kompass des Projekts.

Gerade in der Open-Source-Welt ist das ein Paradox. Einerseits versteht sie sich als Labor für demokratische Entscheidungsprozesse. Andererseits beruhen viele ihrer größten Erfolge auf starken Einzelpersönlichkeiten – den sogenannten wohlwollenden Diktatoren. Linus Torvalds ist das prominenteste Beispiel. Seine Entscheidungen waren nicht immer unumstritten; manche Beiträge hat er abgelehnt, manche Entwickler vor den Kopf gestoßen. Trotzdem hat er das Projekt über Jahrzehnte zusammengehalten, geführt, geordnet – und damit überhaupt erst ermöglicht, dass Linux zu dem wurde, was es heute ist.

Die spannende Frage bleibt: Wie stabil sind soziale und technische Systeme, wenn ihr Zentrum wegbricht?

Und was können wir aus solchen Fällen über Führung, Verantwortung und Demokratie lernen – nicht nur im Code, sondern auch in unseren eigenen Organisationen?

Das wäre auch ein spannendes Thema für unseren Hub Demokratie: was können wir für die Weiterentwicklung der Demokratie aus der Open Source Bewegung lernen und ableiten?

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