Mobile World Congress 2026 - Li-Fi: WLAN per Licht macht Löcher in Wänden obsolet

Mobile World Congress 2026

Li-Fi: WLAN per Licht macht Löcher in Wänden obsolet

Technologie von pureLifi wird von einem US-Internetanbieter für einfachere Selbstinstallation getestet. Ein erstes Endkundenprodukt ist auch am Horizont

Georg Pichler - 9. März 2026, 20:00

Sicherheit, geringe Latenzen und ein gänzlich neues Frequenzspektrum: WLAN per Licht, genannt „Li-Fi“, bringt einige Versprechungen mit sich. Doch die Entwicklung und Einführung eines neuen Kommunikationsstandards, für den man auch noch Überzeugungsarbeit leisten muss, ist nicht einfach. Seit der Gründung des dahinterstehenden Unternehmens pureLiFi, das seinerzeit aus der University of Edinburgh hervorging, sind mittlerweile fast 14 Jahre vergangen.

Schon vor zwei Jahren gab es am Mobile World Congress gute Neuigkeiten. Neben herzeigbaren Produkten, die auch schon in den Realeinsatz gingen, stellte man in Aussicht, dass die Technologie auf Basis des 802.11bb-Standards bald in Büros und Wohnungen aufschlagen könnte. 2026 ist man hier noch nicht ganz angekommen, aber trotzdem auf den Markt vorgedrungen, wie DER STANDARD herausgefunden hat.

Deckenmontierte elektronische Vorrichtung mit hexagonalem Design und mehreren Linsen sowie Anschlüssen. Kabel führen durch eine Öffnung in der Decke.

pureLifi Kitefin 2

DER STANDARD/Pichler

Kitefin 2 und Light Cube Mini

Für alle, die die Entwicklung von Li-Fi nicht nachverfolgt haben, ein kurzer Recap: Während bei „gewöhnlichem“ WLAN Daten über Funkwellen übertragen werden, setzt man hier auf Licht im Infrarotspektrum. Das erlaubt es etwa, die Konnektivität zum Teil der Beleuchtungsinfrastruktur zu machen. Besonders deutlich ist aber der Sicherheitsvorteil. Während Funk-WLAN Wände durchdringen kann, lässt sich Licht-WLAN über bauliche Beschränkungen und die Abdeckung seiner Access Points viel präziser einschränken.

Eigenschaften, die sich laut dem schottischen Unternehmen auch schon US-Sicherheitsbehörden zunutze machen. Für den Einsatz zur Konnektivitätsversorgung in Gebäuden besteht die aktuelle Produktpalette aus dem Kitefin 2 und dem Light Cube Mini. Ersteres is ein für die Deckenmontage vorgesehener Access Point, der bis zu 80 Quadratmeter an Fläche versorgen kann. neben WPA3-Verschlüsselung ist das Gerät auch FIPS140-3-zertifiziert, hat also strenge Validiserungstests im Hinblick auf Kryptografie und Hardwaresicherheit durchlaufen.

An der Wand befestigtes LiFi-Gerät mit einem leuchtenden grünen Licht. Daneben ein Aufkleber mit der Aufschrift „LiFi 802.11bb“ und einem Häkchen.

Der Light Cube Mini.

DER STANDARD/Pichler

Der namensgemäß viel kompaktere Light Cube Mini ist ein Strahler, den man auch unterwegs nutzen kann. Gedacht ist er zur Befestigung an der Wand. Er versorgt mit einem Abstrahlwinkel von 60 Grad ein Areal von 50 Zentimeter bis fünf Meter Abstand. Das Datenblatt macht hier keine genaueren Angaben zu Verschlüsselung und Hardwaresicherheit, spricht aber davon, dass der Cube nur eine sehr geringe elektromagnetische Signatur aufweist und militärischen Anforderungen entspricht.

Ein Produkt dieser Art möchte man aber auch für „Prosumer“ bringen, also Privatnutzer, die etwa erhöhten Sicherheitsbedarf haben. Dieses könnte bereits zum nächsten Mobile World Congress startklar sein. Interessant werden soll die Technologie auch für Gaming oder Mixed-Reality-Anwendungen. Neben hoher Bandbreite sollen sich, je nach Setup, auch extrem geringe Latenzen im Sub-Millisekunden-Bereich erzielen lassen.

Ein kleines Gerät mit der Aufschrift „pureLiFi“ ist an einer Glasscheibe montiert. Es handelt sich um Elektronik mit Kabelanschluss, im Hintergrund ist ein unscharfes, belebtes Messeumfeld zu erkennen.

Die Außeneinheit dient nur zum Internetempfang per Kabel oder 5G. Der Datenstrom wird per Infrarot durch das Fenster geschickt, die Stromversorgung von innen erfolgt drahtlos.

DER STANDARD/Pichler

Infrarot durchs Fenster statt Kabel durch die Wand

Der Hersteller betont aber auch, dass es nicht darum gehe, konventionelles Funk-WLAN zu ersetzen. Viel mehr sieht man Li-Fi als komplementäre Technologie, die eben in bestimmten Anwendungsszenarien vorteilhaft ist. Im Zeitalter immer stärker ausgenutzter elektromagnetischer Frequenzen erschließt man zudem ein komplett neues Frequenzfeld. Die Technologie ist auch problemlos im Tandem mit WLAN verwendbar.

Eine Lösung, die das sprichwörtlich „Beste aus beiden Welten“ kombiniert, testet man derzeit mit einem großen US-Internetanbieter. Dort erhalten erste Kunden zu ihrem Internettarif ein Kit mit der pureLifi Bridge XC zur Selbstinstallation. Dieses besteht aus zwei Teilen, die gegenüber voneinander mit einem Nanohaftband wie Geckotape am Fenster befestigt werden.

Ein weißes Gerät mit der Aufschrift

Die nächste Generation - hier ein Prototyp mit nicht finalem Design - soll Bandbreiten von bis zu 10 Gigabit/s erreichen.

DER STANDARD/Pichler

Die Außeneinheit wird vom Provider entweder per Kabel oder 5G mit der eigentlichen Verbindung versorgt. Der Datenstrom läuft über einen gebündelten Infrarotstrahl zum Gerät auf der Innenseite des Fensters. Dieses fungiert als Modem, an das sowohl Li-Fi-Accesspoints, als auch konventionelle WLAN-Router angeschlossen werden können. Da die Inneneinheit die Außeneinheit per Wireless Charging mit Strom versorgt, muss kein Kabel durch die Wand geführt werden. Das soll gerade bei älteren Gebäuden teuren Arbeitsaufwand verhindern. Das außen montierte Gerät soll weiters besseren Empfang für mobile Breitbandverbindungen gewährleisten. PureLifi bietet auch ein Hardware-Kit an, über das Hersteller eigene Li-Fi-Netzwerklösungen dieser Art realisieren können.

Das bisherige Feedback durch die Kunden des Internetanbieters sei sehr gut, heißt es laut pureLifi. Dazu gäbe es auch schon Interesse von einigen anderen Firmen. Die aktuelle Version der Bridge erlaubt es, eine Bandbreite von bis zu einem Gigabit pro Sekunde durch die Fensterscheibe zu schicken. Die nächste Generation, die binnen weniger Jahre einsatzreif sein soll, wird dies auf knapp zehn Gigabit steigern. Ein Wert, den man im Versuch auch schon erreicht.

Nahaufnahme eines kleinen elektronischen Bauteils, vermutlich eines Sensors oder Kamera-Moduls, das in schwarzes Material eingelassen ist. Der Hintergrund ist unscharf.

Die Light Antenna One wird derzeit von einem Smartphone-Hersteller getestet.

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Smartphone-Hersteller testet Li-Fi-Integration

Eine direkte Verbindung in ein Li-Fi-Netzwerk setzt natürlich voraus, dass die jeweiligen Endgeräte dieses auch unterstützen. Dafür hat man neben externen USB-Empfängern schon seit zwei Jahren einen miniaturisierten Transceiver in Form der Light Antenna One in petto. Hier gibt es ebenfalls einen Fortschritt zu vermelden. Ein bekannter Smartphone-Hersteller experimentiert mit dem Modul und hat es testweise in eines seiner Flagship-Modelle eingebaut.

Das Projekt ist allerdings noch in einer frühen Phase. Ob und wann das erste Handy mit Unterstützung für Licht-WLAN erscheint, steht noch in den Sternen. (Georg Pichler aus Barcelona, 4.3.2026)