Open Source nur noch gegen Geld

Durch Vibe Coding würden Open Source Entwickler:innen die Möglichkeit genommen werden, über individuelle Dienstleistungen Geld zu verdienen: es wird halt die KI um Hilfe gebeten, anstatt bei den Entwickler:innen ein paar Stunden gegen Geld zu buchen.

https://www.heise.de/news/Vibe-Coding-gefaehrdet-die-materielle-Basis-fuer-Open-Source-Projekte-11167506.html

Es ist nachvollziehbar, dass sich Entwickler:innen ausgenutzt fühlen, wenn Dritte auf Basis ihrer Arbeit erhebliche Umsätze erzielen, ohne sich finanziell zu beteiligen oder zurückzugeben.

Zudem ist bei vielen Projekten zu beobachten, dass die frei verfügbare Open-Source-Version funktional eingeschränkt bleibt, während wesentliche oder produktionsrelevante Features nur in kostenpflichtigen Erweiterungen angeboten werden.

Open Source dient dann faktisch als Marketing- oder Einstiegsmodell, nicht mehr als vollwertige Alternative.

Das halte ich für ein temporäres Problem. Die Leute müssen erst lernen, dass KI nicht das magische Allheilmittel ist. Vibe Coding ersetzt keinen sauberen Softwareentwicklungsprozess. Und die KI übernimmt auch keine Haftung für das Funktionieren.
Das ist aber kein neues Problem. Das existiert schon seit Anbeginn des Internets. „Die Firmenwebseite / das Firmenlogo macht mein Neffe gratis“… :see_no_evil_monkey:

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Open-Source bedeutet jedoch nicht, wie häufig angenommen, alles-ist-erlaubt; es sind Bedingungen an die Nutzung geknüpft.

Der Begriff open source wurde eingeführt, nachdem die ursprüngliche Bezeichnung free software (freie Software) zu Irritationen führte, da sie oft als grundsätzlich kostenlose Software missverstanden wurde.

Die Software (d.h. der Quelltext) liegt in einer für den Menschen lesbaren und verständlichen Form vor: In der Regel handelt es sich bei dieser Form um die Quelltexte in einer höheren Programmiersprache.

Open-Source-Software ist aber nur dann hinsichtlich der Gefahr eingebetteter Schadsoftware oder hinsichtlich unzulässigen Prgrammverhaltens sicherer, als proprietäre Software (für die der Quellcode nicht öffentlich verfügbar ist) , wenn das Know-How und die Zeit zur Verfügung steht und auch aufgewendet werden kann, solche Sicherheitsanalysen des Quellcodes durchzuführen und auch eine sichere Entwicklungsumgebung (Betriebssystem, Compiler und Linker - bzw. sichere Scriptserver) zur Verfügung steht.
Nur darauf zu hoffen, dass solche Sicherheitsanalysen von “irgendwem” “irgendwann” schon einmal durchgeführt wurden, führt nicht zu höherer Sicherheit von Open-Source-Software gegenüber proprietärer Software. Zudem wären solche Sicherheits-Analysen regelmäßig auch für jedes Update und jede neue Version erforderlich.

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Der Open Source Begriff hat seinen Ursprung im Konzept des „Public Domain“ (Gemeinfreiheit).

Die Public Domain (PD) besteht aus allen kreativen Arbeiten, für die keine exklusiven Rechte an geistigem Eigentum gelten. Diese Rechte können abgelaufen sein, verfallen, aufgegeben oder nicht durchsetzbar sein. Da niemand die ausschließlichen Rechte besitzt, kann jeder diese Werke ohne Erlaubnis legal nutzen oder darauf verweisen.

Und dabei eher eigentlich um einen sehr alten Streit um das „Geistige Eigentum“.

  • Darf es ein solches überhaupt gehen und gehört Wissen nicht allen Menschen?
  • Oder soll der Schöpfer für eine bestimmte Zeit das alleinige Recht haben, über die Verwendung seines Werkes zu entscheiden und es wirtschaftlich zu verwerten?

Das Recht unterscheidet dabei zwei Formen, wie man das Eigentum an einem Werk zugesprochen bekommt:

  • auf Antrag, wie es im Patentwesen der Fall ist.
  • durch die Schaffung des Werkes an sich, wie es im Urheberrecht der Fall ist. Also ohne einen Antrag zu stellen und einen Nachweis erbringen zu müssen.

Software fällt unter das Urheberrecht. Das alleinige Verwertungsrecht entsteht dadurch, dass der Developer den Code schreibt. Dieses Verwertungsrecht kann nicht an einen dritten übertragen werden, sondern diesem nur eine - evtl. Exklusive - Nutzungslizenz erteilt werden. Der Urheber behält aber sein alleiniges Recht, über die Verwertung zu entscheiden.

Bis die Schutzfrist abgelaufen ist. Das wären 70 Jahre nach dem Tod des Developers.

Mit dieser Idee des Geistigen Urheberrechts sind in den 70er Jahren einige Developer aber nicht einverstanden gewesen. Sie haben ihre Software daher als „Public Domain“ deklariert, also versucht, die Schutzfrist auszuhebeln.

Allerdings stand das rechtlich auf wackligen Füßen. Zudem wollten einige Developer die freie Verwendung doch etwas einschränken: die sollte nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden, sie durfte nicht für militärische Zwecke verwendet werden, Weiterentwicklungen sollten auch frei zur Verfügung gestellt werden.

Daraus ist also die Idee entstanden, einen Vertrag zwischen dem Urheber der Software und dem Nutzer zu schließen, in welchem die Nutzungsrechte geregelt werden: der Lizenzvertrag. Dieser kommt durch die Verwendung der Software durch die zweite Seite zustande.

Damit begann die Karriere des Open Source Lizenzverträge, die auch auf Bilder, Fotografien und andere Werke, die unter das geistige Eigentum fallen würden, erweitert wurden. Wie beispielsweise die Creative Commons.

Was viele Menschen automatisch mit Open Source verbinden, die Grundidee auch hinter dem antikapitalischen Ansatz des Public Domais ist, ist, dass die Nutzung der Software kostenlos ist. Und das ist auch einer der Hauptgründe, warum viele Leute auf Open Source zurückgreifen: man muss dafür nichts zahlen und spart das Geld, dass man ansonsten den Softwareriesen in den Hals werfen würde.

Allerdings besteht hier ein weiterer Unterschied zwischen Public Domain und Open Source. Eine Open Source Lizenz kann durchaus Regeln enthalten, dass die Nutzung unter bestimmten Bedingungen etwas kostet. Z.B. bei einem kommerziellen Einsatz.

Zudem schwebt hinter jeder Open Source Lizenz auch immer ein Damokles Schwert: der Entwickler darf während seiner Schutzfrist jederzeit eine freiwillig und ohne Gegenleistung erteilte Nutzung wieder zurück ziehen.

Deshalb die Lizenzbedingungen ganz genau durchlesen.

Was ein großes Problem ist, das Erich zu recht erwähnt, aber generell Softwareentwicklung betrifft, sind die Abhängigkeiten (Dependencies) von Softwarebausteinen, die von dritten entwickelt wurden. Selbst wenn der Quellcode vorliegt, ist es fast unmöglich, diesen zu prüfen. Aufgrund der Komplexität und auch oftmals der mangelnden Dokumentation. Dann kommt noch die Updategeschwindigkeit hinzu. Bei einem Produkt, dass mal ich mal begleiten durfte, sind täglich teilweise bis zu 100 der Dependencies geupdated worden, teilweise als hochrisiko Security Updates markiert - und wir standen immer vor der Wahl, ob wir dem vertrauen und diese automatisch im nächsten deployment ausrollen, oder ob wir alles erstmal prüfen und auch auf einer Staging-Plattform einem Penetationstest unterziehen.

Trau, schau wem.

Wenn man sich mit dem macOS befasst stößt man unweigerlich auf Darwin


Apple verwendet auch Open Source aber nicht in der Linux oder GNU Lizenzform.
Denn da müsste Apple sein gesamtes System offenlegen!
Es existieren verschiedene OpenSource Lizenzformen - auch welche wo man Lizenzformen mischen kann.