Der US-Milliardär appelliert an die Weltklimakonferenz, neu zu denken. Forscher sehen hingegen Gates in der Klimapolitik falsch abgebogen
Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs solle nicht das wichtigste Ziel sein, sagt Gates. Europäische und amerikanische Wissenschafterinnen und Wissenschafter reagieren mit Kritik auf die Sichtweisen des US-Milliardärs.
In seinem Aufsatz fallen vor allem zwei Aspekte auf: Gates’ Erklärungen sind von einem starken Glauben an Lösungen durch Technologie unterfüttert – wenig verwunderlich bei einem erfolgreichen Tech-Unternehmer. Außerdem stellt er die Themen Armutsbekämpfung und Klimaschutz ziemlich klar gegeneinander.
Auch fällt auf, dass Gates zwar ausführlich über grüne Technologien schreibt und auch Beispiele für innovative Unternehmen gibt, aber die Verantwortlichkeit von konkreten Politikerinnen und Politikern nicht benennt. US-Präsident Donald Trump, Chinas Staatschef Xi Jinping oder Indiens Premierminister Narendra Modi kommen mit keinem Wort vor.
Harsche Reaktionen erfuhr Gates gerade auch von US-Wissenschaftern. Gates gehe auf beunruhigende Weise mit der Idee eines „planetarischen Pflasters“ hausieren, schrieb Klimaforscher Michael E. Mann im Magazin Bulletin of the Atomic Scientists. Aber, so Manns Kritik, „die Lösung für die Klimakrise wird nicht von mit Feenstaub besprenkelten fliegenden Einhörnern kommen, die die ‚wohlwollenden Plutokraten‘ (wohlwollende vermögende Herrschende, Anm.) sind. Die existieren nicht.“ Gates sieht laut Mann für jedes Problem nur Technik als Lösung.
für jedes Problem nur Technik als Lösung : Diese Meinung ist leider vlel zu oft auch hier in unserem Forum zu finden.
In manchen Teilen der Welt steigt die Temperatur allerdings stärker als im weltweiten Durchschnitt – so in den Alpen und damit auch in Österreich. Im Jahr 2024 war es hierzulande um 3,1 Grad wärmer als im Jahr 1900, sagt Boku-Forscher Fuchs. Je nach Szenario könne der Temperaturanstieg bis 2100 insgesamt vier bis acht Grad erreichen. „Wir haben wegen des CO₂, das wir seit 120 Jahren in die Luft blasen, jetzt schon mit den Auswirkungen des Klimawandels zu tun“, sagt er. „Auch wenn wir die Emissionen reduzieren, wird es deshalb ja nicht kälter, sondern es kommt noch ein Temperaturanstieg ‚on top‘ dazu“, erklärt Fuchs, warum aus seiner Sicht neben Anpassungen an den Klimawandel auch Emissionsziele wichtig bleiben.