Im Zentrum der Kritik steht die neu eingeführte Funktion „Search Party“. Der Werbespot präsentierte ein Szenario, das einen entlaufenen Hund zeigt: Ring-Kameras in einer Nachbarschaft werden daraufhin miteinander vernetzt, um mithilfe von Künstlicher Intelligenz nach diesem vermissten Hund zu suchen. Was auf den ersten Blick wie ein digitaler Nachbarschaftsdienst wirkt, ist technisch gesehen ein automatisiertes, flächendeckendes Überwachungssystem aus dem Hause Amazon. Eines, das zunehmend auf Kritik stößt.
Doch das Zusammenspiel aus emotionalem Marketing und den nun geleakten internen Ambitionen sorgt bereits für massiven Gegenwind. Während die Idee einer „aktiven Verbrechensbekämpfung“ für manche Anwohner verlockend klingen mag, dürfte die lückenlose Erfassung jeder Bewegung in der eigenen Straße für viele andere eine rote Linie überschreiten.
Auch der Tesla filmt mit. Die Dashcams auf dem Armaturenbrett. Die AR-Brillen dito. Die Überwachungskameras überall. Und die Wildwechselkamera im Wald erwischt auch schon mal das eine oder andere Pärchen.
Das “eigentliche” Problem dabei :
Wissen die Leute, die (zunächst) nur die Vorteile der Anwendung solcher “Gadgets” bzw Technolgien sehen, welchem “Rattenschwanz” an - nicht nur rechtlichen - Problemen sie sich durch die Anwendung und Verbreitung solcher Technologien nicht nur als Nutzer, sondern auch als Betroffene, aussetzen ?
. - Wenn sich Betroffene z.B. schon immer öfter gar nicht mehr außerhalb des Blickfeldes irgendeiner Kamera bewegen könnnen und damit deren Verhalten , deren Äusserungen, zu jeder Minute mit einem “vom System” festgelegten “Normal-Verhalten” zur rechtzeiitigen Erkennung von “abweichendem Verhalten” verglichen werden kann ?
Aus diesen Gründen leben wir in einer Demokratie. Es gibt Dinge die praktisch sind bei jeder Technologie (Messer und Brot schneiden) und es gibt Dinge die bedenklich sind bei jeder Technologie (Messer jemandem in den Rücken stecken).
Die Demokratie ist dazu da, dass wir uns Regeln geben, wie wir mit der Technologie umgehen dürfen. Massenüberwachung war in vergangener Zeit unzulässig. (Man konnte sie früher auch schon machen, wenn vielleicht auch aufwändiger). Es gibt ja nicht nur Ring sondern auch eine ganze Menge Verkehrskameras und andere Kameras im öffentlichen Raum (U-Bahn), z.B. in Wien. Die Frage ist, ob wir es rechtlich zulassen wollen.
Das zweite Problem ist - und darüber schreibe ich mir gerade die Finger wund: Wenn die Plattformen der Betreiber nicht in Europa sitzen, dann können wir uns sehr viele Regulierungen einfallen lassen, nur kümmern sich die Anbieter die außerhalb Europas sitzen nur sehr eingeschränkt um Europäische Gesetze.
Die Frage ist daher nicht: Sind Funkglocken mit Kameras eine gute oder eine schlecht Idee - sondern: Wie können wir sicherstellen, dass diese Kameras nicht wie in diesem Fall zu einem anlasslosen Massenüberwachungsnetzwerk mit social Profiling werden - weil das ist nach Europäischen Rechtsverständnis illegal.
Die zweite Frage die sich stellt ist die des Vertrauens. Vertraue ich unserem Staat (also uns selbst?) dass die Daten nicht für andere Zwecke verwendet werden, und traue ich den Povidern (große Konzerne in diesem Fall) dass die sie nicht Zweckendfremden.
Und hier haben wir ein Vertrauensproblem weil einige der Konzerne in der Vergangenheit nicht vertrauenswürdig agiert haben - und nur durch Gerichte dann dazu gezwungen wurden dass sie europäische Gesetze auch einhalten.
Demokratie schütz uns aber nicht vor negativen Entwicklungen unserer Gesellschaft und nicht wünschenswerten - vielleicht sogar gefährlichen - Auswirkungen von Technologien.
Auch “mehr” Demokratie - z.B. bis hin zu “basisdemokratischen” Entscheidungen über die Verwendung irgendwelcher Technologien - kann uns davor nicht schützen, wenn nur eine kleine Minderheit der zu solchen Entscheidungen/Abstimmungen aufgerufenen Personen, überhaupt gewillt und fähig ist, sich eigene Gedanken über Vorteile bzw. Nachteile /zu befürchtende Gefahren durch den Einsatz/ die Verwendung/Zulassung irgendwelcher neuer Technologien (nicht nur der “Digitalen Welt”) zu machen - aber die überwiegende Mehrheit der an solchen Enscheidungen teilnehmenden Personen, die ihre persöniche Entscheidung sonst von ihrer aktuell gefühlten psychischen Tages-Verfassung und vielleicht auch von der gerade zu beobachtenden Mondphase abhängig machen müsste , dann - der Einfachheit halber, aus Bequemlichkeit - gemäß den Empfehlungen und Argumenten in Medien großer Reichweite, nicht aber zufolge tatsächlich selbstständig entwickelter eigener Meinung (bzw eigenen Willens) ihre Stimme zur Entscheidungsfindung abgeben wird.
und es gibt Dinge die bedenklich sind bei jeder Technologie
Diese „dual-use“ Problematik ist aber nirgens so einfach und deutlich, wie bei dem von Dir hier als Beispiel für andere Techologien verwendeten Messer, auch für Personen ohne spezielle lange Ausbildung erkennbar.
Die leichte Erkennbarkeit möglicher Gefahren einer bestimmten Technologie, ist das eine Problem ,
die Bewertung solcher Gefahren, ihre Gegenüberstellung dem möglichen Nutzen dieser Technologie, ist dann ein weiteres Problem,
die Offenlegung aller - auch der nicht gleich erkennbaren - Nutzer (die tatsächlich irgendwelche Vorteille aus der Nutzung von Technolgien erwarten dürfen ) dann nochmals ein anderes Problem
zur Bewertung und Beurteilung des Nutzens oder der „Gefährlichkeit“ von Technologien.
Die Demokratie ist dazu da, dass wir uns Regeln geben
Weder Demokratie noch demokratisch vereinbarte Regeln können uns aber vor gefährlichen Fehlentwicklungen schützen.
Das müssen wohl auch viele US-Bürger gerade schmerzlich feststellen.
Und wir in Europa haben in unserer Gechichte schon mehrmals Zeiten erlebt, in denen “plötzlich” innerhalb weniger Jahre möglich geworden ist , was wenige Jahre zuvor für unmöglich gehalten wurde - z.B. dass unter dem Gejohle Umstehender Mitmenschen pötzlich straflos verprügelt und getreten werden konnten oder gezwungen wurden, mit Zahnbürsten Gehsteige zu säubern - um sie dann wenig später in Konzentrationslagern umzubringen.
Und heute glauben wir schon wieder , dass das heute gar nicht mehr möglich sein würde , obwohl die tägliche Nachrichtenmeldungen bereits widerholt deutliche Hinweise liefern , dass sich die Geschichte dieser Ereignisse gerade wiederholen dürfte, nun nur andere Namen verwendet werden und - neben den nun auch wieder betroffenen Gruppen von damals - auch andere, weitere, Menschengruppen zu den Betroffenen und Leidtragenden dieser Entwicklungen zählen.
In diesem Zusammenhang nicht sehr genau auch die negativen Auswirkungen ( z.B. der Unterstützung/Förderung der oben kurz angedeuteten Entwicklungen) durch die Förderung und Anwendung von Technologien zu berücksichtigen, wäre meiner Meinung nach geradezu verantwortungslos.
All das setzt aber auch ausreichende Bildung (nicht zu verwechseln mit Ausbildung !) und eigenes Wissen bzw. leicht zugängliche - und auch für jedermann verständliche - Wissensquellen voraus.
Eine nicht gerade einfache Problemstellung bei zumeist sehr komplexen Themenbereichen solcher Abstimmungen.
Es ist aber auch die neutrale Formulierung der zur Abstimmung vorgesehen Fragen erforderlich, die den Teilnehmern an solchen Abstimmungen nicht eine von den Initiatoren solcher Abstimmungen gewünschte Antwort bereits “nahelegt”.