Aufbau, KI-Boom, Umweltschutz: Was man ĂĽber Rechenzentren wissen sollte

Der Bau von Rechenzentren wurde in den vergangenen Monaten auch in Ă–sterreich zum Politikum

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Rechenzentren sind derzeit in aller Munde. In Österreich besonders im Kontext von Kronstorf in Oberösterreich, wo der Bau einer Google-Anlage auf großen Widerstand seitens der Bevölkerung stößt. Das vor allem, weil Rechenzentren einen äußerst hohen Bedarf an Energie, Wasser und Boden aufweisen.

„Wenn man das mit anderer Software, wie zum Beispiel Buchhaltungssoftware, vergleicht, hat man dort nicht so viele Operationen und Datenmanipulationen wie bei der KI. Es sind sehr viele mathematische Operationen. Die sind nicht unbedingt komplex, aber einfach sehr viele“, erklärt Brandic. Diese Rechenressourcen benötigen wiederum viel Energie.

„Vor ChatGPT – also dem Durchbruch von kommerzieller KI – hatte ein Rechenzentrum etwa 10 bis 30 Megawatt Leistungsaufnahme, wobei ein Unternehmen den Zugang auch für viele andere Unternehmen bereitstellte“, erklärt El Makroum. Der Hauptunterschied sei nun, dass Firmen nun viel größere Rechenzentren besitzen, um dort das Training und die Inferenz von Sprachmodellen selbst durchzuführen. Die meisten Investitionen würden derzeit in Projekte im Bereich von fast 1 Gigawatt fließen.

Diese elektrische Leistung wird in Rechenzentren fast vollständig in Abwärme „verwandelt“.
Rechenzentren wirken daher für ihre unmittelbare Umgebung wie Heizungen mit Heizleistungen von derzeit fast bis zu 1 GW mit entsprechendem Energiebedarf und dem „Abfallpropdukt“ Wärme, das auch bei Umgebungstemperaturen von mehr als 40°C umweltveträglich „entsorgt“ - oder sinnvoll verwertet - werden sollte.

Grundsätzlich ist jenes Rechenzentrum das nachhaltigste, das erst gar nicht gebaut wird.

„Essenziell ist es auch, die Anlagen mit nachhaltiger Energie zu versorgen, statt ein Atomkraftwerk oder einen braunen Energieerzeuger (fossile Energieträger, Anm.) daneben zu stellen“, meint die Professorin.

Allerdings fehlt uns diese Energie aus erneuerbaren Quellen dann für das Projekt „Dekarbonisierung unsererer Energiesysteme“ und die Abdeckung des derzeitigen Energiebedarfes (noch vor Inbetriebnahme zahlreicher weiterer Rechenzentren) - denn wir sind noch „meilenweit“ von der Erreichung dieses Zieles entfernt.
Stark steigender Bedarf an elektrischer Energie - auch durch zahlereiche neue Rechenzentren - lässt dieses Ziel „Dekarbonisierung unsererer Energiesysteme“ in noch weitere Ferne rücken.

Brandic weist jedoch darauf hin, dass derartige Gedanken in der Realität beim Bau von Rechenzentren kaum eine Rolle spielen – im Fokus stünden die ökonomischen Ziele der Unternehmen. Sie macht klar: „Man möchte die Rechenzentren jetzt bauen und um Umweltfragen will man sich später kümmern oder dann, wenn die Gesetze so weit sind, dass man sich darum kümmern muss.“ Außerdem gäbe es hier derzeit keine unabhängige Instanz, die dies begutachtet – was in den White Papers der Unternehmen stehe, könne richtig sein oder eben auch nicht. Auch El Makroum meint: „Da derzeit so viel in diesen Bereich investiert wird, gibt es kaum Anreiz, den Betrieb so zu gestalten, dass er für das Stromnetz und die Umwelt günstiger ist.“

„Wenn man Daten – insbesondere sensible Daten – verarbeiten möchte, ist es besser, dies im eigenen Land zu tun“, meint El Makroum. Für tatsächliche digitale Souveränität im geopolitischen Sinne komme es aber auch auf den Betreiber des Rechenzentrums an, betont Brandic. Mit Blick auf das Beispiel Kronstorf erklärt sie: „Das wird auf unserem physischen Boden stehen hier in Österreich, wir haben aber keinen Einfluss, was da drinnen tatsächlich passiert. Überspitzt formuliert könnten in einem Rechenzentrum hierzulande Modelle für das US-Militär trainiert werden, die anschließend zur Steuerung militärischer Systeme eingesetzt werden – theoretisch auch in Szenarien, die sich gegen uns richten.“

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