Biogas eine Chance für Österreich?

Niederösterreich zeigt gerade sehr deutlich, wo die Energiewende in der Praxis an ihre Grenzen stößt. Auf der einen Seite entstehen immer mehr Photovoltaik-Anlagen. Menschen investieren, bauen große Flächen, wollen einen Beitrag leisten – und stehen dann vor dem Problem, dass sie ihren Strom nicht mehr einspeisen können. In manchen Regionen erlaubt die EVN schlicht keine zusätzliche Einspeisung mehr. Der Strom ist da, aber das System kann ihn nicht aufnehmen.

Gleichzeitig haben wir eine völlig andere Realität im Winter. Dann fehlt Energie. Dann werden Preise nervös, und die Abhängigkeit von Importen wird wieder sichtbar. Das ist der eigentliche Widerspruch: Im Sommer haben wir zu viel Strom – im Winter zu wenig Energie. Und dazwischen fehlt die Fähigkeit, das eine in das andere zu überführen.

Genau hier liegt der Schlüssel. Wir müssen Überschussstrom speicherbar machen. Nicht in Form von kurzfristigen Lösungen für Stunden oder Tage, sondern saisonal – von Sommer nach Winter. Und genau dafür ist Gas, nüchtern betrachtet, ein erstaunlich gutes Medium. Österreich verfügt über große Gasspeicher und eine bestehende Infrastruktur, die genau für diesen Zweck gebaut wurde: Energie über längere Zeiträume zu speichern und bei Bedarf bereitzustellen.

In Niederösterreich kommt ein weiterer Faktor dazu: die Landwirtschaft. Es gibt große Mengen an biogenen Reststoffen – Gülle, Mist, Bioabfälle –, die heute nur teilweise energetisch genutzt werden. Daraus lässt sich Biogas erzeugen, das zu Biomethan aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist werden kann. Und noch spannender wird es, wenn man das mit dem Stromproblem kombiniert: Überschüssiger PV-Strom kann über Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden. Dieser Wasserstoff kann gespeichert werden – oder gemeinsam mit dem CO₂ aus Biogasanlagen wieder zu Methan synthetisiert werden.

Plötzlich entsteht ein geschlossenes System. Strom, der heute nicht eingespeist werden kann, wird lokal genutzt. CO₂ wird nicht als Abfall betrachtet, sondern als Rohstoff. Und am Ende entsteht ein speicherbarer Energieträger, der genau dann verfügbar ist, wenn er gebraucht wird – im Winter.

Das ist kein theoretisches Zukunftsszenario, sondern eine logische Weiterentwicklung dessen, was bereits vorhanden ist: Photovoltaik, Landwirtschaft, Gasinfrastruktur. Es geht nicht darum, das bestehende System radikal zu ersetzen. Es geht darum, es intelligent weiterzuentwickeln.

Wir diskutieren oft darüber, wie wir Gas ersetzen können. Vielleicht ist die entscheidendere Frage aber eine andere: Wie können wir die bestehende Gasinfrastruktur mit erneuerbaren Quellen neu befüllen? Denn eines ist klar: Die Energiewende wird nicht daran scheitern, dass wir zu wenig Strom erzeugen. Sie wird daran scheitern, wenn wir nicht in der Lage sind, Energie zu speichern und zur richtigen Zeit bereitzustellen.

Niederösterreich zeigt, dass wir die Ressourcen dafür bereits haben – Strom, Biomasse und Infrastruktur. Was fehlt, ist nicht die Energie. Was fehlt, ist das System, das sie sinnvoll verbindet.

Sandspeicher?

In Sand lässt sich doch mehr Energie als in Wasser speichern. Zudem kann man Sand locker drucklos auf 500°C aufheizen.

Wir haben z.B. im 1. Bezirk das Problem dass es dort keine ausreichend dicken Elektroinstallationen in den Häusern gibt. Aber in jedem Haus Gaszuleitungen und Thermen. Das würde genau mit dem Biogas Thema gelöst werden. Keine Umrüstung, keine Aufgrabungen, keine großen Stemmarbeiten in den alten Häusern.

Natürlich gibt es da auch keine Fernwärme.

Da hilft Sandspeicher auch nix.

Klar, dass es Regionen gibt die schwer zu versorgen sind. Aber reines Bio Gas bekommst auch nicht vom Bauernhof in den 1. Wiener Bezirk. Gas ist auch eine “Wolke“.

Es gibt ja zwei Zielsetzungen:

  • Politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von ausländischen Mächten sowie ausländischen Unternehmen und somit der Wunsch, keine ausländischen „Brennstoffe“ zu verwenden. (Der Nationale Weg.)

  • Das Klima zu schützen und somit kein weiteres CO2 bei Verbrennungsprozessen in die Umwelt freizusetzen, weil jedes Gramm CO2 ein Gramm zuviel ist. (Der Öko Weg.)

Dickere Stromleitungen kann man immer verlegen. Man muss es nur tun. Es gibt kein Naturgesetz, dass dem entgegen steht. Das es Geld kostet und mühselig ist, zählt nicht. :wink:

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Für eine Stadt die Geld für U-Bahn Bau hat. Für Reiche Klientel denen die meisten Häuser im 1. Wiener Bezirk gehören - gäbe es im Grunde genommen keine Ausrede ausreichende Stromleitungen im Bezirk und in den Häusern zu verlegen.
Für den Bau teurer Penthauswohungen ist ja auch genug Geld da!

Es gibt ein bestehendes Gasnetz. Und ja, über das kann das Gas transportiert werden.

Du musst demkmalgeschützte Häuser aufreissen - Du musst die Fußgeherzone aufbuddeln.

Es ist einfach eine zusätzliche Möglichkeit - und nicht nur für den 1. Bezirk.

Nicht die einzige - aber Gas wird vor allem im Winter verbraucht und kann gut gespeichert werden - wir haben in Österreich schon sehr große Gasspeicher, die könnten dafür verwendet werden. Keine zusätzliche Investitionen hier notwendig.

Und Du glaubst das zahlt alles der Vermieter und der Mieter bleibt ungeschoren. Ok.

@Stefan.Hupe

Zum Thema CO2 - lies Dich mal ein in die Thematik:

Biogas wird oft nur als eine weitere Form der Energieerzeugung gesehen. Tatsächlich steckt dahinter aber ein viel größerer Hebel für den Klimaschutz. Denn in der Landwirtschaft entsteht bei der Lagerung von Gülle, Mist oder organischen Reststoffen ganz natürlich Methan – ein Gas, das um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO₂. Wenn diese Stoffe einfach offen lagern oder verrotten, entweicht das Methan unkontrolliert in die Atmosphäre und trägt massiv zur Erderwärmung bei.

Genau hier setzt die Biogaserzeugung an. Sie nutzt denselben biologischen Prozess, aber unter kontrollierten Bedingungen. Das entstehende Methan wird nicht freigesetzt, sondern gezielt aufgefangen und energetisch genutzt – etwa zur Strom- und Wärmeerzeugung oder als aufbereitetes Biomethan im Gasnetz. Bei der Nutzung wird Methan in CO₂ umgewandelt, das im Vergleich eine deutlich geringere Klimawirkung hat. Der Effekt ist enorm: Statt eines hochwirksamen Treibhausgases gelangt ein wesentlich weniger schädliches in die Atmosphäre.

Biogas ist damit nicht nur Energieproduktion, sondern vor allem Emissionsvermeidung. Zusätzlich bleibt nach der Vergärung ein Gärrest übrig, der als Dünger besser nutzbar ist und deutlich weniger Emissionen verursacht als unbehandelte Gülle.

Gerade in Regionen wie Niederösterreich entsteht daraus eine große Chance. Es gibt ausreichend landwirtschaftliche Rohstoffe, bestehende Gasinfrastruktur und gleichzeitig immer mehr Stromüberschüsse aus Photovoltaik, die heute oft nicht sinnvoll genutzt werden können. Dezentrale Biogasanlagen könnten genau hier ansetzen: überschüssige Energie speichern, regionale Kreisläufe stärken und gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Biogas ist damit weit mehr als eine technische Lösung. Es ist ein Beispiel dafür, wie man ein Problem – nämlich schädliche Emissionen – in einen Nutzen verwandeln kann.

Also Biogas nicht böse - weil CO2 - sonder gut weil CO2 weniger schädlich ist als Methan, dass aus Bioabfällen in die Atmosphäre entweicht.
Ich weiß, alles sehr kompliziert :slight_smile:

Methan aus Abfall zu gewinnen ist nichts Neues - wird hier im Ort bei der Kläranlage und beim Betreiber des Fernheizwerkes praktiziert.
Bauern bauen eine spezielle Sorte Hirse nur für BIO Gas an.

Neu nicht, aber nicht ausreichend genutzt.