Lieber Erich,
Jede Regierung erhofft sich Vorteile fĂŒr âihren Schrebergartenâ. Steuern heiĂen so, weil man sich davon Steuereffekte erhofft.
Wir haben hier im Gemeinderat Menschen die sich um 200 EUR im Monat Mandate streiten. Die Hoffnung ist ein wenig Macht zu bekommen um irgendetwas beeinflussen zu können.
Die Gemeinde kann Kommunalsteuern freihÀndig festsetzen und erlassen. Die Gemeinde erlÀsst Unternehmen wenn sie sich in einer Gemeinde niederlassen auf eine Zeit die Kommunalsteuer. Weil, wenn das Unternehmen bei mir in der Ortschaft bleibt, habe ich in Zukunft (vielleicht) mehr Einnahmen.
Auf Bundesebene haben wir gesehen, dass Menschen die Möglichkeit haben den Finanzminister anzurufen und sich auszumachen, dass man weniger Steuer zahlen möchte. Oder man zieht nach Tirol, weil dort die Handhabung der Steuergesetze offensichtlich anders ist als in Wien.
Wenn das schon auf Gemeindeebene und Bundesebene so lĂ€uft, setzt sich das in den oberen Ebenen natĂŒrlich fort.
Wir haben 9 BundeslĂ€nder in Ăsterreich mit eigenen Gesetzgebungen. Wir haben in Ăsterreich den Streit wer fĂŒr Gesundheit verantwortlich ist. Das sind aktuell die LĂ€nder. Warum? Weil im Gesundheitssystem viel Geld flieĂt. Wenn man steuern kann wer davon wie viel bekommt, dann ist das Macht. Daher wussten wir in der Covid Pandemie nicht, wie viele BeatmungsgerĂ€te wir in Ăsterreich ĂŒberhaupt haben. Es gibt keine zentrale Stelle die das koordinieren wĂŒrde.
Wenn Du in Pressbaum einen Herzinfarkt hast, wirst Du nach St. Pölten gefĂŒhrt. Nicht ins nĂ€chste Spital im 14. Bezirk. Das hat schon Menschenleben gekostet, aber das ist unerheblich. Es geht um Geld, nicht um Menschen.
Der Gesundheitsminister hat in Ăsterreich so viel Einfluss auf die Gesundheitspolitik wie ein Patient bei einer OP nach der Narkose. Er kann den GesundheitslandesrĂ€ten gut zureden, mehr aber auch nicht.
Wenn das schon in unserem kleinen Ăsterreich so lĂ€uft, wie denkst Du könnte einer Harmonisierung auf EuropĂ€ischer Ebene ablaufen? Niemand will die Macht abgeben ĂŒber Dinge entscheiden zu können, seien sie noch so klein.
Das nutzen dann Unternehmen natĂŒrlich aus, und Menschen (BĂŒrgerinnen und BĂŒrger) interessiert da alles nicht. Sie gehen nicht einmal mehr wĂ€hlen (NichtwĂ€hler sind die gröĂte âParteiâ) und beteiligen sich auch sonst nicht am politischen Diskurs.
Wenn wir wollen, dass sich etwas verĂ€ndert, dann mĂŒssen wir uns auch selbst wieder stĂ€rker einbringen. Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu ĂŒbernehmen und sich zu beteiligen.
LG Werner