Vor 50 Jahren heckte die Bundesrepublik einen gigantomanischen Windrad-Plan aus. Mittendrin: die Atomlobby. Das Projekt endete im Desaster. War das Absicht?
Seit Jahrzehnten hemmen große Konzerne den Erneuerbaren-Ausbau, der in Zeiten hoher Spritpreise als zentrale Lösung gilt, um die fossile Abhängigkeit von Staaten zu beenden.
Er ist ein Gigant seiner Zeit. 100 Meter hoch. Der Rotordurchmesser so lang wie ein Fußballfeld. Das Maschinenhaus so schwer wie ein Jumbojet. Growian heißt der Koloss im Kaiser-Wilhelm-Koog an der deutschen Nordseeküste. Als er im Jahr 1983 in Betrieb geht, ist er das größte Windrad der Welt. 3 Megawatt soll er schaffen.
„Die Intention war aus meiner Sicht, Growian scheitern zu lassen“, sagt Johannes Schmidl, Autor und Energieexperte im Dachverband der Erneuerbare Energie Österreich, zum STANDARD.
Noch unverblümter drückte es ein damaliges Vorstandsmitglied des deutschen Energiekonzerns RWE aus, der am Projekt beteiligt war. „Wir brauchen Growian (…), um zu beweisen, dass es nicht geht“, zitierte Die Welt den Manager, der erklärte, Growian sei „so etwas wie ein pädagogisches Modell, um Kernkraftgegner zum wahren Glauben zu bekehren“.