Der Kampf gegen Windräder: Wie rechte Netzwerke neue Projekte in Gemeinden zu Fall bringen

Eine Gruppe von Windkraftgegnern will als Wanderstammtisch in Gemeinden ziehen, um Stimmung gegen Windräder zu machen. Das Vorgehen gegen neue Projekte gleicht einem Drehbuch

https://www.derstandard.at/story/3000000316566/der-kampf-gegen-windraeder-wie-rechte-netzwerke-neue-projekte-in-gemeinden-zu-fall-bringen

Sie nennen Windräder „hässliche Insekten- und Vogel-Schredder-Anlagen“, sprechen von einer „Klimadiktatur“ und „geheimen Agenden“. Wo neue Windräder geplant sind, mobilisieren seit Jahren auffallend häufig auch Rechtsextreme und Verschwörungsgläubige. Aus einer energiepolitischen Debatte wird dabei eine Projektionsfläche: für Misstrauen gegen „die da oben“ – und für Erzählungen, die mit Physik meist wenig, mit Weltbildern viel zu tun haben.

Aus sachlichen Einwänden wird eine Fundamentalkritik an „Systemparteien“, „Klimadiktatur“ und „globalen Eliten“.

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Las ich schon im Standard, bist zuvorgekommen. :roll_eyes:

Erschreckend diese Vorgehensweise.
In SocialMedia findet man dazu u.a. auch den Ausdruck #Wahnwichtel

„Windräder der Schande“ framte es die Anführerin der AfD.

Ist in einer Nachbargemeinde passiert, die haben die Meinung der Bevölkerung mit Lügen gedreht. Bis vor einigen Wochen gab es einen regelmäßigen Stammtisch in einer weiteren Nachbargemeinde. Fürchterlich diese Typen, sind fliegend von Corona zu Windrädern gewechselt.

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Man könnte ja auch Veranstaltungen organisieren - um nicht den Aluhüten alleine die Bühne zu überlassen.

Ich finde es interessant, wie wenig Vertrauen wir in die Vernunft der Menschen haben, dass wir befürchten, dass sich die Leute in den Gemeinden durch solche Aktionen beeinflussen lassen. Das kratzt dann ordentlich an einer Grundvoraussetzung der Aufklärung und der Demokratie: der Mensch als vernunftbegabtes Wesen.

Menschen lassen sich durch solche Aktionen nachweislich beeinflussen, und genau das ist der Mechanismus, der die FPÖ wählbar macht (die Akteure sind im Übrigen eng mit dieser Partei vernetzt). Derselbe Mechanismus erklärt, warum in den USA nach wie vor knapp 40% hinter Trump stehen. In Kombination mit Boulevardmedien wie OE24 oder „Krone" entsteht eine bereitwillig manipulierbare Masse, die sich politisch beliebig instrumentalisieren lässt.

Ich gebe offen zu: Mit diesen Menschen will ich mich nicht mehr auseinandersetzen. Auf Gemeindeebene und im persönlichen Gespräch habe ich das jahrelang versucht, der Ertrag war ausschließlich Frust. Wenn jemand mitten in der Pandemie ernsthaft auf Wasser aus Lourdes setzt statt auf wirksame Covid-Medikamente (selbst erlebt), dann ist die Grenze für mich erreicht.

Ergänzend sei aber gesagt: Die Veranstaltungen dieser „Initiative" können in meiner Nachbargemeinde nicht länger in der ursprünglichen Lokalität stattfinden, nicht zuletzt wegen massiven Drucks, an dem ich maßgeblich beteiligt war.

Um diese Typen und diese Lokalität geht es, dort finden die „Informationsveranstaltungen“ jetzt mehr mehr statt. Das skurrile daran, dieses Kulturzentrum wurde zu je 33% von Gemeinde und Land finanziert. Das war der einzige Hebel.

Michael, deine Beobachtungen und Bedenken teile ich voll und ganz. Meine eigene Arbeit – sei es in therapeutischen Kontexten, in der Werbung, PR oder im politischen Diskurs – zeigt mir täglich, wie leicht Menschen beeinflusst werden können. Diese Einflussnahme kann positive Effekte haben, etwa in der Therapie, oder sie kann zu Kaufentscheidungen führen, die das Wachstum fördern. Im schlimmsten Fall jedoch, etwa durch politische Propaganda, kann sie katastrophale Folgen haben.

Wer die Mechanismen der Beeinflussung beherrscht, hat die Macht, die Welt aus den Angeln zu heben. Die Geschichte liefert dafür zahlreiche Beispiele.

Das Dilemma der Aufklärung
Unsere grundlegende Annahme, dass der Mensch als vernunftbegabtes Wesen durch rationale Überlegungen zu „richtigen“ und „guten“ Entscheidungen gelangt, ist unvollständig – ja sogar naiv. Der Mensch ist komplexer, als es das Ideal der Aufklärung suggeriert. Besonders in Gruppen zeigt sich, wie anfällig wir für emotionale und irrationalen Einflüsse sind. Werke wie Gustav Le Bons „Psychologie der Massen“ oder Edward Bernays *„Propaganda“*verdeutlichen dies eindrücklich.

Die Neurowissenschaften bestätigen dies: In emotionalen Zuständen wie Stress, Angst, Freude oder Liebe übernimmt das schnelle, instinktgesteuerte Gehirn die Kontrolle – das rationale Denken tritt in den Hintergrund. Wer diese Dynamik versteht, kann gezielt Verwirrung stiften und sie für seine Zwecke nutzen.

Konstruktiver Umgang mit Widerstand
Es geht nicht darum, Gegner von Windrädern auf der kognitiven Ebene bloßzustellen. Vielmehr ist es entscheidend, über Beziehungsarbeit Zugang zu ihrer emotionalen Ebene zu finden. Erst dann kann ein kognitiver Dialog entstehen. Angriffe oder Beschimpfungen – besonders gegenüber Gruppen – führen nur dazu, dass sich die Betroffenen noch stärker in ihren Positionen verbarrikadieren.

Das bedeutet jedoch nicht, den eigenen Standpunkt zu verbergen. Im Gegenteil: Es ist wichtig, die eigene Haltung klar und öffentlich zu vertreten. Ein zentrales Prinzip der Beeinflussung ist es, die Wahrnehmung zu prägen, dass die eigene Position von der Mehrheit geteilt wird. Als soziale Wesen neigen Menschen dazu, sich der vermeintlich stärkeren Gruppe anzuschließen.

Gleichzeitig sollten wir Türen offenhalten, damit Meinungsänderungen möglich sind – ohne dass sie als Eingeständnis von Irrtümern oder Schwäche wahrgenommen werden. Denn nichts blockiert Veränderung so sehr wie die Angst vor Scham.

Mein Aufruf war nicht, mit den Menschen zu diskutieren, die solche Veranstaltungen anbieten (die haben eine Agenda, und müssen nicht notwendigerweise an das glauben, was sie auf solchen Veranstaltungen erzählen).

Mein Aufruf war den Zuhörenden die zu solchen Veranstaltungen gehen, alternative Informationsquellen anzubieten, die wissenschaftlich fundiert sind.

Was mich am meisten interessiert: was haben diese Gegner der Windkraftanlagen davon wenn sie dagegen werden? Welchen Mehrwert für ihr Leben haben sie?

Könnte das Motto “folge dem Geld" die Frage beantworten?!

Thomas: Es geht bei diesen Veranstaltungen gar nicht um WIndkraftanlagen.

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@werneri ah-so?

Das war auch nicht meine Frage - ich wollte wissen, was diese Leute davon haben wenn sie gegen die Windräder wetten. Welchen raibach können sie für sich selber mitnehmen? Oder anders ausgedrückt was haben sie selbst davon?

Wähler gewinnen. Macht erlangen.

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Ja, das wollen diese Leute - doch was wird ihnen die Gesellschaft schlussendlich zugestehen?

Bekämpfung der “herschenden politischen Clique” / der “mauschelnden Altparteien”, um die eigene politische Clique zur herrschenden Clique machen und dann selber “mauscheln” zu können.