Die Wut auf KI …

… oder die falsche Adressierung an ein Abstrakum.

Zusammenfassung: KI, Wut und Verantwortung


Die falsche Adresse der Kritik

Die aktuelle Wut auf KI ist berechtigt – besonders bei der Gen Z, deren Jobaussichten durch Automatisierung bedroht sind. Doch die Kritik richtet sich oft gegen die Technologie selbst, nicht gegen die Menschen und Strukturen dahinter: Konzerne, CEOs und politische Entscheidungsträger, die KI für kurzfristige Profite, Machtkonzentration und Verantwortungsdiffusion nutzen. KI wird zum Sündenbock, während die eigentlichen Verantwortlichen im Hintergrund verschwinden.


KI als Verstärker – nicht als Ursache

KI ist kein neutrales Werkzeug, sondern verstärkt die Logik der Systeme, in die sie eingebettet wird:

  • In profitgetriebenen Unternehmen beschleunigt sie Kostensenkungen und Entlassungen – oft unter dem Deckmantel der „KI-Transformation“.
  • In kontrollorientierten Organisationen wird sie zum Ăśberwachungsinstrument.
  • In undurchsichtigen Machtstrukturen vertieft sie die Verantwortungsdiffusion: Je mehr Ebenen (Prompt, Modell, Daten, FĂĽhrungskräfte) beteiligt sind, desto leichter lässt sich Verantwortung verwischen.

Die Zerrissenheit: Nutzen vs. Machtmissbrauch

Der Autor – selbst KI-Nutzer – sieht den praktischen Nutzen der Technologie, aber auch ihre Gefahren:

  • Oligarchen und Tech-Eliten treiben KI voran, während sie gleichzeitig Geisteswissenschaften (die Urteilskraft fördern) untergraben – etwa durch gestrichene Fördergelder oder KI-generierte BegrĂĽndungen fĂĽr KĂĽrzungen.
  • Widerspruch: dieselben Eliten, die „Kritisches Denken“ fordern (z. B. Daniela Amodei, Reed Hastings), investieren in Lobbying gegen Regulierung.

Alternativen: Kollektive Intelligenz statt KI-Oligopole

Es gibt konkrete GegenentwĂĽrfe zur dominierenden, zentralisierten KI:

  • Solidarity Stack: Genossenschaften (z. B. MIDATA in der Schweiz fĂĽr Gesundheitsdaten), öffentliche Modelle (z. B. Apertus an der ETH ZĂĽrich) und soziale Bewegungen, die offene, demokratische KI fördern.
  • Begriffsverschiebung: Weg von „kĂĽnstlicher Intelligenz“ (die Autonomie suggeriert) hin zu „kollektiver Intelligenz“ – denn KI basiert auf menschlichem Wissen und Arbeit.

Denken als Widerstand

Gegen die Beschleunigung und Oberflächlichkeit der KI-Ära braucht es:

  • „Thickening“ (Tim Leberecht): Bewusstes Verlangsamen, Philosophieren und Hinterfragen – als tägliche Praxis.
  • Machtkritik: Wenn Tech-Eliten sagen, „KI ist unvermeidlich“, geht es nicht um Fakten, sondern um die Zukunft aktiv zu gestalten (Carissa VĂ©liz).
  • Echte Humanities: Nicht als Feigenblatt, sondern als Grundlage fĂĽr Urteilskraft – die einzige Waffe gegen Verantwortungsdiffusion.

Kernfrage: Kritisieren wir die Technologie – oder die Menschen, die sie für ihre Zwecke instrumentalisieren?

Sapere. Aude.
NĂĽtze Deinen Verstand.
Wir brauchen eine neue Aufklärung

Und wir brauchen einen neuen moralischen Kompass.
Ich finde es großartig dass sich die Relgion jetzt plötzlich mit KI beschäftigt, nachdem davor standhaft alle Entwicklungen über Jahrhunderte ignoriert wurden.

Die Gegenbewegung zu Angst ist die aktive Gestaltung.
Eine Studentin an der Akademie der Wissenschaften hat mir in einem Gespräch gesagt: „Ich habe Angst dass uns das alles entgleitet“

Genau dafür müssen wir uns einsetzen. Gemeinsam an der aktiven Gestaltung arbeiten. Nur Selbstermächtigung hilft gegen Angst. Das Gefühl doch etwas erreichen zu können.

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@Andreas_Kunar hat ja immer wieder das Thema, dass Kolleginnen hier auf Veranstaltungen KI grundsätzlich in Zweifel ziehen. Auch hier im Forum.

Was haltet ihr davon, wenn wir der Diskussion über die Sinnhaftigkeit von KI von den Inhalten abspalten und ein eigenes Format widmen. Also mehr Diskussion über die gesellschaftlichen Auswirkungen und wo die Ängste liegen und was man tun und nicht tun kann.

Das geforderte verbieten von KI ist ein frommer Wunsch. Nicht einmal wenn man es wollte, könnte man das aus Österreich aus durchsetzen, ebenso wie der ebenfalls hier geforderte KI Führerschein.

Es gibt aber Dinge die man tun kann, und die wir auch tun.

Vielleicht wĂĽrde das helfen manche Dinge in geordnetere Bahnen zu bringen? Ich denke dass die Studentin mit der ich gesprochen hatte - so eine Veranstaltung vielleicht auch interessieren wĂĽrde.

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Diese „Kritik“ gegen die Technologie ist meiner Meinung nach durch „Unangreifbarkeit“ der „Menschen und Stukturen dahinter“ begründet - nicht nur wegen ihrer tasächlichen Verbreitung und Bedeutung im „militärischen Komplex“.

Wenn gegen Ideen, Vorstellungen und Ziel der „Menschen und Stukturen dahinter“ nicht mehr intellektuell und zivilisatorisch/demokratisch möglich/geduldet/akzeptiert aufgetreten und argumentiert werden kann/darf, dann kann sich der Widerstand gegen die mit bestimmten Technologien (nicht nur KI) verbundenen Vorstellungen/Ziele/Bedrohungen/Befürchtungen /Ängste dann nur mehr gegen die Technologien selbst - und nicht mehr gegen die Vorstellungen und Ziele ihrer Befürworter/Investoren/ Entwickler/Betreiber /Nutzer richten - auch wenn (fast) jede Technologie grundsätzlich (zunächst) neutral - weder als „gut“ noch als „schlecht“ - zu beurteilen ist.

Diese „Verteufelung“ von Technologie ist daher primär eine Folge der Weigerung der Befürworter und Nutznießer von Technologien, über ihre Absichten und Ziele, die sie durch die Anwendung dieser Technologien verfolgen und erreichen wollen, umfassend zu informieren und sich auch öffentlicher Diskussion über ihre Absichten und Ziele zu stellen und damit auch das Risiko zu tragen, sie vielleicht dann nicht weiter verfolgen zu können.

Lieber Erich,

Die Technologie kann unter Europäischer demokratischer Kontrolle stehen oder

  • unter Kontrolle einer Diktatur
  • unter Kontrolle von Tech-Oligarchen

Das Problem ist, dass wir aktuell bei einigen Technologien keine Wahl haben. Wir können nur zwischen Technologie wählen die unter diktatorischer Kontrolle steht oder unter jener die von Tech-Oligarchen die sich einen Staat unter den Nagel reißen. stehen.

Unser Gegenvorschlag ist es diese Technologien wieder unter Europäische Kontrolle zu bekommen. Dann habe ich eine Wahl welche Technologie ich lieber verwende. EU Technologien, Chinisische oder US. Wenn ich diese Wahl nicht habe, werde ich mich immer machtlos fühlen.

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Du hast aber eine dritte Möglichkeit übersehen :

Dass wir solche Technologien vielleicht daher nur sehr zurückhaltend und vielen Bereichen gar nicht einsetzen sollten - z.B.: um unsere Resilienz in Krisenfällen zu stärken und unsere demokratischen Einrichtungen nicht zu gefährden .

IKT Technologien sind halt nicht nur allein Softwaretechnologien bzw. Algorithmen, sondern auch die Hardware-Plattformen auf denen diese Softwaretechnologien ihre Leistung entfalten können.
Selbst wenn es uns irgendwann in Europa gelingen sollte , von Diktatoren bzw Tech-Oligarchen im Bereich der Software-Technologien tatsächlich unabhängig zu werden, wird uns diese Abhängigkeit im Bereich der Hardware für diese Softwaretechnologien noch viel länger erhalten bleiben.
Wenn uns eines Tages zufolge irgendeines Wirtschaftskrieges ( oder politischer/strategischer Liefersperren) geeignete Hardware, um die von uns „beherrschten“ Softwaretechnologien darauf dann auch mit ausreichender Performance betreiben zu können, nicht mehr geliefert werden würden, wären die von uns beherrschten Software-Technologien dann weitestgehend wertlos bzw. unbrauchbar.