„Weniger bekannt ist das Paradoxon der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“
Da wir als Menschen jedoch nicht fähig seien, die wahren Motive unserer Gegenüber zu kennen, stelle sich nun ein fundamentales, unauflösbares Problem: Einem Außenstehenden sei es schwer möglich zu unterscheiden, ob ein Mensch, der sich intolerant äußert, zum ersten oder zweiten Grad gehört.
Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.“
Uneingeschränkte Toleranz gibt es nicht - sie wird immer durch verschiedene Faktoren beschränkt sein - zuviel oder zuwenig:
Informationen
Wissen
Mentalität
Kultur
Sozialität
…
Ich persönlich halte Toleranz für notwendig und sehe die Grenzen nur darin: wo sie den physischen Bereich eines anderen Menschen berührt. (Vereinfacht ausgedrückt)
Wir lehnen im Rechtsstaat ab, wenn Toleranz so weit geht, dass jemand die Grundfesten der demokratischen Ordnung angreift.
Delegitimierung der Institutionen: Wenn ein führender Politiker sagt „Gerichte sind mir egal“, stellt er die Grundlage des Rechtsstaats infrage.
Angriff auf die Gewaltenteilung: Demokratie lebt davon, dass Macht kontrolliert wird. Wer diese Kontrolle ignoriert, bewegt sich in Richtung Autokratie.
Normalisierung des Bruchs: Wenn Millionen hören, dass Regeln und Gerichte unwichtig seien, wird die Idee des Rechts relativiert.
In solchen Fällen muss die wehrhafte Demokratie einschreiten – genau das meinte Popper.
Wer urteilt?
Jeder Mensch selbst. Doch viele können es nicht mehr, weil ihnen das Grundverständnis für den Rechtsstaat fehlt. Dafür braucht es drei zentrale Kompetenzen:
Geschichtsbewusstsein – aus Faschismus, Rassismus und Diktatur lernen.
Demokratiekompetenz – die Spielregeln der Demokratie verstehen und schätzen.
Die Konsequenz:
Ohne Bildung bleibt die Gesellschaft anfällig für Intoleranz. Popper würde sagen: Selbst die beste wehrhafte Demokratie nützt nichts, wenn die Mehrheit gar nicht mehr versteht, was sie verteidigen soll.