Ö1 - Radiokolleg : "Digital abgehängt"

Ö1 , Mo 2.2. - Do 5.2.2026. um jeweils 9:05

Anmerkung :
In diesem Radiokelleg “Digital abgehängt” sind die in vielen meiner Postingbeiträge oft nur ausschnittsweise - und vielleicht auch nur angedeutet d- argestellten Probleme rund um die “Digitale Teilhabe” - innerhalb unserer Vereine/Diskussionen oft als “Digitale Kluft” beschrieben , die es zu überwinden gilt, recht ausführlich und vollständig dargestellt - besser als ich es selbst jemals könnte.
Auch ich teile die im letzten Beitrag dieser Reihe dargestellte Forderung nach einem “Recht auf analoges Leben” .
Vielleicht sind manche unserer Nationalratsabgeordneten trotz ihres Alters noch zu jung und unerfahren, um selbst schon erlebt zu haben, wie sich “Digital-Diskriminierung” auf das eigene Leben auswirken kann und wie massiv die “Digitale Welt” Selbstständigkeit/Autonomie von Menschen - und damit auch ihre Lebensqualität -einschränken/gefährden kann und haben darum den Antrag zum “Recht auf analoges Leben” im ästerreichischen Nationalrat abgelehnt .

Mo 2.2. Überleben im digitalen Alltag

https://oe1.orf.at/programm/20260202#822251/Digital-abgehaengt-1
zum Nachhören : https://oe1.orf.at/player/20260202/822251

Die Digitalisierung hat viele analoge Möglichkeiten verdrängt, vom Bezahlen bis zu Behördenwegen, und setzt damit voraus, dass alle Menschen Geräte bedienen, online navigieren und ständig neue Updates bewältigen können. Wo analoge Alternativen verschwinden, entsteht Ausgrenzung: nicht, weil Menschen „zu wenig können“, sondern weil Systeme wenig Rücksicht darauf nehmen, dass Lebensrealitäten, Körper und Gewohnheiten unterschiedlich sind.

… Österreich sind fast ein Viertel der über 65-Jährigen gar nicht online, bei den über 75-Jährigen ist es die Mehrheit. Und auch wer Zugang hat, kämpft mit der Geschwindigkeit, in der Routinen wieder entwertet werden.

Di 3.2. : Das Geschäft mit der Einfachheit

https://oe1.orf.at/programm/20260203#822303/Digital-abgehaengt-2zum Nachhören : https://oe1.orf.at/player/20260203/822303

Ältere Menschen sind längst zu einer festen Zielgruppe des Technikmarktes geworden. Spezielle Telefone mit großen Tasten, abgespeckten Menüs oder Notrufknöpfen sollen Sicherheit vermitteln und den Einstieg erleichtern. Für viele Angehörige klingt das nach einer plausiblen Lösung: Sie kaufen solche Geräte in der Hoffnung, Eltern oder Großeltern den digitalen Alltag zu erleichtern.


Parallel dazu gibt es einen zweiten Markt, der dieselbe Zielgruppe entdeckt hat: die kriminelle Schattenwirtschaft. Phishing-Mails, gefälschte Rechnungen, digitale Enkeltricks. Europol berichtet regelmäßig von Fällen, in denen Telefon- und Onlinebetrugsbanden gezielt Senior:innen ansprechen. In den USA zeigt der „Elder Fraud Report“ des FBI, dass über 60-Jährige im Jahr 2023 Verluste von mehr als 3,4 Milliarden US-Dollar meldeten und auch in Österreich warnen Polizei und Banken seit Jahren vor Schäden in Millionenhöhe, die gerade durch betrügerische Anrufe und E-Mails bei älteren Betroffenen entstehen. Der Grund ist strukturell: Wer mit den Logiken digitaler Kommunikation weniger vertraut ist, kann echte und gefälschte Nachrichten schwerer unterscheiden und wird so zum leichteren Ziel.

Mi 4.2. : Die Last der Anpassung

https://oe1.orf.at/programm/20260204#822356/Digital-abgehaengt-3
zum Nachhören : https://oe1.orf.at/player/20260204/822356

Immer mehr Lebensbereiche setzen voraus, dass man online ist: Bankfilialen schließen, Fahrpläne werden per App abgerufen, Behördenwege verlangen digitale Identitäten. Für viele bedeutet das nicht Vereinfachung, sondern zusätzlichen Druck.

Laut Statistik Austria nutzten 2023 rund 79 % der 65- bis 74-Jährigen das Internet, aber nur 54 % der 75- bis 84-Jährigen. Damit bleibt fast die Hälfte dieser Altersgruppe ausgeschlossen. Besonders beim Zugang zu Behörden wird das spürbar: Wer keine ID Austria besitzt, stößt an Grenzen. Zwar sind analoge Wege noch möglich, sie werden aber schrittweise zurückgedrängt.

Auch im E-Government ist die Kluft groß. Während 76 % der 16- bis 74-Jährigen Online-Behördendienste nutzten, lag der Anteil bei den 75- bis 84-Jährigen 2023 bei nur 31,5 %. Fehlende Barrierefreiheit, komplizierte Navigationsstrukturen oder Fachterminologie machen digitale Angebote schwer zugänglich.

EU-weit bestätigt der „Digital Economy and Society Index“ diesen Trend: Nur etwas mehr als 55 % der Menschen zwischen 16 und 74 verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen, in höheren Altersgruppen sinken die Werte deutlich.

Ein strukturelles Problem, da digitale Dienste längst nicht mehr als Zusatz gedacht sind, sondern zunehmend zur Pflicht werden. Wer den digitalen Zugang verliert, verliert auch Handlungsspielräume im Alltag, sei es beim Bezahlen, Reisen oder im Kontakt mit Behörden.

Do 5.2. : Recht auf das Analoge

https://oe1.orf.at/programm/20260205#822408/Digital-abgehaengt-4
zum Nachhören : folgt noch

Digitalisierung wird oft als Allheilmittel präsentiert: schneller, günstiger, effizienter. Doch für viele bedeutet sie auch: Neue Barrieren.

Schulungen und Einsteigergeräte helfen nur begrenzt, nicht jede:r kann oder will sich im hohen Alter noch in komplexe Systeme einarbeiten. Was zur Folge hat, dass ganze Gruppen drohen, dauerhaft außen vor zu bleiben.

Auch in hochdigitalisierten Gesellschaften gibt es einen stabilen Anteil, der nicht nachrückt. EU-weit verfügen nur etwas mehr als 55% der Menschen zwischen 16 und 74 über grundlegende digitale Kompetenzen.

Die Frage nach digitaler Teilhabe wird inzwischen auch als Frage nach Grundrechten diskutiert. Nicht jede:r kann oder will digitale Dienste nutzen, wenn analoge Alternativen verschwinden, droht Isolation, respektive wird Teilhabe zur Zwangsdigitalisierung.

International gibt es verschiedene Ansätze, um das Problem in den Griff zu bekommen. Im Vereinigten Königreich verpflichtet das Modell „Assisted Digital“ Behörden, nicht-digitale Unterstützung bereitzuhalten. In Norwegen und Finnland gelten strenge Gesetze zur digitalen Barrierefreiheit, die öffentliche und private Dienste gleichermaßen einbeziehen. Was den Zugang erleichtert, aber kein allgemeines Recht auf analoge Alternativen ersetzt. Genau das wird anderenorts zunehmend gefordert. In Tschechien hat die NGO „Iuridicum Remedium“ den Begriff „Right to Analog“ geprägt und fordert, dass zentrale Dienste, von Behördenwegen bis Bankgeschäfte, immer auch offline zugänglich bleiben. In Deutschland pochen Verbraucherverbände wie der vzbv darauf, dass Bahntickets oder Alltagsleistungen nicht ausschließlich digital erhältlich sein dürfen. Und auch in Österreich ist der Gedanke bereits auf der politischen Bühne angekommen: 2024 wurde im Nationalrat ein Antrag zum „Recht auf analoges Leben“ eingebracht, der letztendlich abgelehnt wurde.

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