Wasserstoff als Energieträger ist zu teuer und ineffizient. Der Staat sollte die geplanten hunderten Millionen Euro woanders investieren – in erneuerbare Energie
Energieexperte Heinz Kopetz fordert in seinem Gastkommentar eine Überarbeitung der heimischen Wasserstoffstrategie. Das dort investierte Geld sieht er schlecht angelegt.
Jetzt versucht die Europäische Union mit Milliarden Euro, eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Österreich hat für diesen Zweck für den Zeitraum 2024 bis 2026 einen Betrag von 820 Millionen Euro vorgesehen. Werden die Potenziale von Wasserstoff wieder überschätzt?
Für grünen Wasserstoff kommt als ausreichende Rohstoffquelle nur Wasser in Betracht. Allerdings: Etwa 50 Kilowattstunden Strom sind notwendig, um ein Kilogramm Wasserstoff mit einem Energieinhalt von 33 Kilowattstunden zu erzeugen. Die Wasserstoffproduktion ist also ein ineffizienter Prozess, der die Endenergie verteuert.
Ein 50-Liter-Auto-Tank, gefüllt mit Diesel, enthält 450 kWh Energie, ein 50 Liter-Wasserstoff-Tank bei normalem Luftdruck dagegen weniger als 0,2 kWh. Daher wird Wasserstoff komprimiert und in Hochdrucktanks der Autos eingesetzt. Dieser Prozess erfordert aber Energie und verursacht zusätzliche Kosten. Dazu kommt, dass Wasserstoff bei hohem Druck diffundiert und Speicher nach einiger Zeit leer werden.
Diese physikalischen Eigenschaften von Wasserstoff, der hohe Stromeinsatz und die Kosten der Produktionsanlagen bedingen, dass die Energie im Wasserstoff immer deutlich teurer ist als im Strom, der zu seiner Erzeugung verwendet wird.
Unter den aktuellen Bedingungen der Stromversorgung führt das Hochfahren der Wasserstoffwirtschaft außerdem zu einer Zunahme der Erdgasimporte.
Daran ändert sich nichts, wenn der Strom für die Elektrolyse direkt von Windparks kommt und der Wasserstoff als grüner Wasserstoff vermarktet wird. Denn dann fehlt dieser Strom aus Windanlagen für andere Zwecke und dieser Ausfall bedingt einen höheren Erdgaseinsatz für die allgemeine Stromversorgung.
Um meinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen :
Auch ich habe noch vor wenigen Jahren Wasserstoff als wichtige Säule für unsere Energieversorgung (und die Energiespeicherung ) gesehen, musste aber mittlerweile - auch zufolge der im obigen Kommentar dargestellten Gründe - meine Meinung zur Bedeutung von Wasserstoff in der Energiewirtschaft wieder grundsätzlich revidieren.