Rohstoffe für die Energiewende bleiben Europas Achillesferse

Ohne Rohstoffe keine Energiewende, doch die EU ist hochgradig importabhängig. Das soll sich ändern, bisher sind die Erfolge überschaubar. Nun kopiert man Japan

https://www.derstandard.at/story/3000000306034/rohstoffe-fuer-die-energiewende-bleiben-europas-achillesferse

Mit einem Rohstoffgesetz vom März 2024 will man bis 2030 von keinem Land außerhalb der EU zu mehr als 65 Prozent abhängig sein. Zehn Prozent des Bedarfs sollen bis dahin selbst gewonnen, 40 Prozent auf eigenem Boden verarbeitet und 25 Prozent der Mineralien recycelt werden.

So klar die Ziele sind, so schwierig ist deren Umsetzung. Dabei überwogen zuletzt die positiven Nachrichten. Zuerst der Handelsdeal mit Mercosur, dann mit Indien – und zwischendrin ein Rahmenabkommen mit Vietnam.

Da entstehen dann keine neuen Abhängigkeiten , die auch über die gesetzte Grenze von 65% hinausgehen könnten - und bei sich öndernder “politischer Wetterlage” auch rascher wieder ausfallen könnten, als wir Resourcen von dort nutzen könnten ?

Greifbare Ergebnisse stünden trotz zahlreicher Absichtserklärungen aus. In den letzten fünf Jahren habe die EU 14 strategische Partnerschaften geschlossen, die Hälfte davon mit nach Auffassung des EuRH politisch instabilen und damit womöglich unzuverlässigen Ländern. Hinzu kommt: Bei 13 der für den Energiesektor essenziellen Rohstoffe haben sich die Einfuhren aus den Partnerländern seither verringert.

Bei 15 der 26 Rohstoffe werden über 98 Prozent des Bedarfs aus dem EU-Ausland eingeführt. Das liegt auch an der niedrigen Recyclingquote in der EU. Bei zehn Rohstoffen wird derzeit laut EuRH überhaupt nicht recycelt, bei sieben weiteren liege die Quote bei unter fünf Prozent. Einzig bei Kupfer, Wolfram und Aluminium läuft die Wiederverwertung jetzt schon besser, als das Ziel für 2030 vorgibt.

Neben dem von Dir angesprochenen wichtigen „Rohstoffquellen“

  • unseren aktuellen Müll wiederzuverwenden (recycling)
  • unseren alten Müll, den wir in die Natur gekippt oder vergraben haben, wieder auszugraben und erneut zu nutzen
  • den Müllexport zu unterlassen und unseren Schrott nicht mehr in der Welt zu verteilen

Um die Rohstoffe, die schon da sind, und schon mal von uns genutzt wurden, im Loop zu halten, gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Punkt, der oftmals außer auch gelassen wird.

Die Materialwissenschaften

Forschung im Bereich der Materialwissenschaft, um „kritische Rohstoffe“ in unseren Prozessen durch Substanzen zu ersetzten, die leichter oder in größeren Mengen vorhanden sind.

Österreich ist hier schon recht gut aufgestellt: Leoben.

Generell sollten diese Forschungsanstrengungen weltweit intensiviert und besser koordiniert und die Ergebnisse ausgetauscht werden. Denn alle können davon profitieren.

Es gibt aber auch noch weitere Möglichkeiten, unsere Abhängighkeit von knappen Rohstoffen zu reduzieren :
Zum Beispiel die längere Haltbarkeit und leichte Reparierbarkeit von technischen Anlagen und Geräten.
Auch für Modernisierung/Aktualisierung von Geräten und Anlagen müsste nicht immer gleich das ganze Gerät /die komplette Anlage verschrottet werden, wenn für manche Modernisierungen (oder auch für Funktionserweiterungen) vielleicht schon der Austausch einzelner Module bzw. Anlagenteile genügen würde.

Und welche Mengen an Rohstoffen in den Lagern, auf den Dachböden, in den Kellern und Schränken lagern. Dinge, die man nicht mehr braucht, die man vergessen hat, oder die man nur alle zwei Jahre braucht und sich in dem Benötigungsmoment wahrlich irgendwo ausleihen könnte.