Social Media-Verbot: Erziehung wird gegen verantwortungslose Konzerne nichts ausrichten

Eltern sind mit dem digitalen Alltag ihrer Kinder oft überfordert. Die Politik hat sie beim Kampf gegen schädliche Social Media-Nutzung und Messenger-Dienste alleingelassen. Dabei ist dieser alles andere als Privatsache

https://www.derstandard.at/story/3000000305886/serziehung-wird-gegen-verantwortungslose-konzerne-nichts-ausrichten

Es sind aber nicht nur Eltern durch ihre Kinder - und deren Nutzung von Socia-Media, sondern auch viele Jugendliche und Erwachsene durch die eigene Nutzung von Social–Media-Angeboten überfordert.
Es werden selbst Unternehmen geschädigt und sogar staatliche Einrichtungen bzw. unsere Demokratie selbst, durch die Verbreitung von Fake-Meldungen und Lügen über Social-Media-Kanäle bedroht.
Social-Media-Kanäle sind heute wichtige Werkzeuge - auch für Kriminelle und für die Vorbereitung und Einleitung von Cyber-Angriffen.
Social-Media-Angebote bzw. Nutzung nur für Kinder reglementieren/beschränken/verbieten zu wollen, greift daher eindeutig zu kurz.

Gleichzeitig ist allen klar: nichts. Es sind Algorithmen, die sĂĽchtig machen. Punkt. Also weg damit. Zumindest fĂĽr Kinder und Jugendliche muss ein Verbot her. Oder doch nicht?

Es gibt plausible Argumente gegen ein Social-Media-Verbot – oder zumindest gegen undurchdachte Schnellschüsse. Etwa das, dass Konzerne angesichts eines Verbots für Kinder und Jugendliche letztlich gar nichts mehr für deren Schutz tun würden.

Auch aus diesem Grund , müsste die Ausweitung der Beschränkung und des Verbotes von Social-Media-Kanälen jedenfalls glaubwürdig (auch hinsichtlich ihrer technischen Umsetzbarkeit) den Konzernen zumindest angedroht werden.

Was ist etwa mit den zahllosen Pornoseiten, die sich nicht im Geringsten um Verifizierungsschranken scheren und von Jugendlichen sehr wohl gezielt angesteuert werden? Sie wĂĽrde ein Social-Media-Verbot nicht tangieren.

Auch wenn es tatsächlich technisch schwierig sein kann, die Reichweite von Social-Media-Angeboten zu beschränken, oder gar sie gänzlich zu verbieten (und technisch zu blockieren), darf das kein Grund sein, sie nicht tatsächlich beschränken/verbieten zu wollen - wenn dies die demoktratische Mehrheit als notwendige Maßnahme erkannt haben sollte.

Bei Eltern unter den Verbotsbefürworter:innen ist dieses Bauchgefühl jedoch nachvollziehbar. Sie merken schlicht, dass ihr Handlungsspielraum begrenzt ist und sie die viel beschworene Hauptverantwortung für den Medienkonsum ihrer Kinder nicht mehr allein tragen können.

Einfach kein Smartphone – das ist ebenfalls keine Option und ebenso naiv wie viele andere gut gemeinte Ratschläge an Eltern

Und warum sollte das “naiv” sein ?
Wenn doch das “öffentliche Leben” und die Nutzung von Informationen und Angeboten bis vor ca. 20 Jahren ganz problemlos noch ohne Smartphones möglich war.
Zu meiner Studienzeit war selbst ein ganz gewöhlicher privater Festnetzanschluss, den man zumeist auch nur dann verwenden konnte, wenn einer von drei anderen Telefonteilnehmern , der über die gleiche Leitung , wie der eigenen Telefonapparat, an das “Amt” angeschlossen war, gerade nich telefoniert hat, schon ein “Luxus”. Solchen Luxus hatte damals nicht jeder - auch ich nicht. Ein Hindernis für mein Studium war das aber auch nicht und die heute so weit verbreiteten Spiele am Smartphone haben mir auch nicht ”gefehlt”.

”Naiv” ist das - ohne Smartphone “über”-leben zu wollen und zu können - keinesfalls. Die Gedanken - bzw. Rücksichts-Losigkeit und in manchen Bereichen (z.B. staatliche Verwaltung, systemkritische Serviceanbieter , … ) auch Verantwortungslosigkeit, stets auf funktionsfähige Infrastruktur (und immer störungsfrei verfügbare Geräte) für die Nutzung von Smart-Phones zu setzen, um die jeweils nur mehr über Smart-Phones zugänglichen Dienste, Services und Angebote auch nutzen zu können, ist ja auch ein Grund dafür, warum heute jemand ohne Smart-Phone kein “ganzer Mensch” mehr ist.

Süchtig-machende Algorithmen in Spielen und Unterhaltungsangeboten erledigen dann den “Rest”, um sicherzustellen, dass ein Handy-Nutzer sein Gerät gar nie aus der Hand gibt - und buchstäblich jeder seiner Atemzüge und Schritte auch getrackt wird.

Jedes andere Suchtmittel wird streng reglemetiert und zumeist sogar verboten.
Nur beim Smart-Phone bzw. den über dieses Gerät konsumierten Drogen-artigen - und in mehrfacher Hinsicht schädlichen - Inhalten sollte das anders sein ?

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Mich graut nur davor wie man das ĂĽberprĂĽfen wollte und wie es um den Datenschutz steht!
Was ist wenn Jemand keinen ID Austria oder EU ID hat oder haben will?

Meiner Meinung nach wären solche Reglementierungen nicht überprüfbar und müssten daher mit technischen Mitteln durchgesetzt werden.
Es müssten aber solche technische Mittel gewählt werden, die einerseits mit dem Schutz persönlicher Daten vereinbar sind und nicht für andere Zwecke - z.B. zur Einschränkung der Meinungsfreiheit oder der Verfolgung der politischen Oppositon -missbraucht werden könnten.
Da diese Anforderungen sich höchstwahrscheinlich gegenseitig ausschließen, würde dann vieles dafür sprechen, von technischen Lösungen für solche Reglementierungen/Verbote Abstand zu nehmen und nur entsprechende gesetzliche Bestimmungen mit Sanktionsmaßahmen im Falle von - dann nur fallweise /zufällig zu entdeckenden - Verletzungen dieser Bestimmungen zu verabschieden.

Würde da zwingend ID Austria oder EU ID Voraussetzung sein, wäre das Diskriminierung aller die, aus welchen Gründen immer, keine diese IDs besitzen, OGH oder EUGH würde das einkassieren!

Vernichtende interne Meta-Kommentare: „Instagram ist eine Droge“

Ein aktueller US-Prozess enthüllt, wie Tech-Giganten manipulative Funktionen nutzen, um Kinder gezielt abhängig zu machen

https://www.derstandard.at/story/3000000306108/vernichtende-interne-meta-kommentare-instagram-ist-eine-droge

Diese Dokumente sollen nämlich beweisen, dass „Social-Media-Plattformen gezielt darauf ausgelegt sind, Kinder und Teenager süchtig zu machen, wobei sie bekannte Gefahren für deren Wohlbefinden völlig ignorieren.“

Die Klage legt dar, wie die Algorithmen das junge Mädchen in eine Abwärtsspirale aus Depressionen, Angstzuständen und Selbstverletzung trieben, die schließlich in Suizidalität mündete. Während TikTok und Snapchat bereits kurz vor Prozessbeginn durch Vergleiche im Prozess nicht mehr vorkommen, lassen es die Branchenriesen Meta und YouTube auf ein Urteil ankommen.

Funktionen wie der „Infinite Scroll“ (das endlose Weiterscrollen) und „Autoplay“ seien keine bloßen Komfort-Features. Sie seien psychologisch manipulativ gestaltet, um das junge Gehirn in einer Dauerschleife zu halten – mit dem Ziel, die Werbeeinnahmen zu maximieren, ungeachtet psychischer Folgen wie Angstzuständen und Depressionen, zitiert die Nachrichtenseite die Vorwürfe an die Tech-Konzerne.

Dokumente von 2017, die den Klägern ebenfalls vorliegen, sollen Anordnungen von Meta-Chef Mark Zuckerberg enthalten, in denen er erklärt, dass Jugendliche die oberste Priorität seien und man sie „einschließen“ müsse (lock-in), um sie dauerhaft an die Apps zu binden.

Ganz ähnlich klingen die Inhalte eines Google-Dokuments aus dem Jahr 2020, das ebenfalls im Prozess zitiert wird.

Schließlich soll eine Jury entscheiden, ob die Plattformen tatsächlich so designt wurden, um die Kinder „süchtig zu machen“, wie es der Anwalt der Kläger formuliert. Laut ihm geht es Meta und Co darum, "Algorithmen zu entwickeln, die Kindern nicht das zeigen, was sie sehen wollen, sondern das, wovon sie den Blick nicht abwenden können“.