Es gibt Alternativen, die Stromversorgung auch in Zeiten von Dunkelflauten sicherzustellen. Die sind aber – Stichwort Wasserstoff – viel zu teuer und werden Gas nicht verdrängen
Zuletzt hat Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, dieser Tage bei einem vom Handelsblatt veranstalteten Energiekongress in Berlin von Gas als „Brückentechnologie“ gesprochen.
Der Ausbau erneuerbarer Energien hat den Verbrauch zusätzlich gesenkt, die schwache Konjunktur tat den Rest. Wer aber insinuiert, dass es ganz ohne Gas gehen könnte, verschließt die Augen vor der Realität.
Faktum ist, dass selbst ein Land wie Österreich mit hohem Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix an Tagen wie diesen auf funktionierende Gaskraftwerke angewiesen ist. Seit Wochen laufen sämtliche Anlagen, die Strom produzieren können, auf Anschlag, darunter 4000 Megawatt (MW) thermische Kapazität. Das ist alles, was an schnell zuschaltbarer Kraftwerksleistung in Österreich derzeit zur Verfügung steht. Ohne sie wäre die Stromversorgung längst zusammengebrochen.
Obwohl sämtliche Anlagen, die Strom produzieren können, am Netz sind, muss an Tagen wie diesen Strom importiert werden. Und das nicht zu wenig. Am Dienstag waren es beispielsweise 3000 MWh, vorwiegend aus Tschechien und Deutschland.
Ohne Gaskraftwerke könnte es gehen – jedoch nur mit einem Bündel an Technologien, die auf absehbare Zeit aber weder mengenmäßig, noch in der notwendigen Geschwindigkeit und schon gar nicht zu einem vertretbaren Preis zur Verfügung stehen.
„Es wäre nötig, drei- bis fünfmal so viel Windkraft und Photovoltaik (PV) zu installieren, wie zur Erreichung der Klimaziele errechnet wurde“, brachte es ein Insider am Rande der Handelsblatt-Tagung im STANDARD-Gespräch auf den Punkt. Damit habe man Überschüsse fast das ganze Jahr; politisch und gesellschaftlich sei das aber nicht durchzusetzen. Der Flächenbedarf wäre enorm; dazu kämen riesige Abregelungsverluste und Netzausbauten, die alles bisher gesehene in den Schatten stellten.
Die benötigte Energiemenge zur Erreichung der Klimaziele wurde aber für Österreich noch nie errechnet - oder habe nur ich sie bisher noch nirgens gefunden.
Meine eigenen “Milchmädchen-Rechnungen” (Verfünfachung) ergeben dafür einen Bedarf an elektrischer Energie von ca. 300 - 400 TWh/Jahr für Österreich - allerdings noch ohne der erforderlicchen Überdimensionierung zur Ladung der Saisonalspeicher (Sommer / Winter) und für die Schnellladung aller Fahrzeugbatterien.
Wenn diese Zahlen auch nur annähernd zutreffen sollten , dann wäre unser Energieproblem, bei in Zukunft alleiniger Nutzung elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen, gar nicht lösbar.
Wenn obiges Szenario korrekt sein sollte, dann kann nicht davon ausgegangen werden, dass uns jemals elektrische Energie “im Überfluß” zur Verfügung stehen würde und wir auf höchste Wirkungsgrade bei Anwendung elektrischer Energie und auf massive Energieeinsparungen in allen Bereichen verzichten könnten.
Eine weitere Möglichkeit, Gas hinauszudrängen, wäre ein europäischer Super-Stromverbund mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen. Wenn in Spanien die Sonne scheint und in der Nordsee der Wind weht, könnte Europa sich gegenseitig aushelfen.
Da ist leider falsch. Denn wenn in Spanien Nacht ist , dann ist auch an der Nordsee Nacht. Je nach aktueller Wetterlage könnte es in der Nordsee auch in der Nacht Windflauten geben.
Soll das Stromsystem klaglos funktionieren, wird es 2040 und auch danach ganz ohne Gas nicht gehen.
Es wird nicht nur “nicht ganz ohne” Gas gehen, sondern es muss die gesamte volatile Produktionskapazität mit thermischen Kraftwerken ( oder/und aus ausreichend großen und gefüllten Speichern) - auch über längere wetterbedingte Produktionseinbrüche hinweg - jederzeit ersetzt werden können.