Warum man keine Wallbox mehr braucht

Das Zitat

Sie haben das im Prinzip richtig verstanden, aber das war der Stand vor zehn Jahren.

gefällt mir. Das wäre auch ein Arbeitsauftrag für 4future.tech - nämlich genau diese Diskussionen zu führen.

Vor 10 Jahren ist in der heutigen Zeit ungefähr so wie der Wissensstand vor 100 Jahren zu Beginn der Industrialisierung. Pferde versus Otto Motor. Und hier stehen leider aktuell noch immer sehr viele Menschen.

https://www.heise.de/ratgeber/Warum-man-keine-Wallbox-mehr-braucht-11123337.html

Die physikalischen Grundgesetze (bzw deren Kenntniss ) - z.B. der Elektrotechnik - haben sich aber in den letztem 100 Jahren nur wenig geändert und in den letzten 10 Jahren gar nicht geändert.
Demzufolge sind die heute immer noch anstehenden Probleme der Lade-Infrastruktur die gleichen Probleme, die Technikern auch schon vor 10 Jahren bekannt waren - an diesen Problemen hat sich nichts geändert.

Leicht gebessert hat sich nur die Wahrnehmung dieser Probleme in der Öffentlichkeit und bei manchen politischen Entscheidungsträgern.

Zu diesen verbesserten Wahrnehmung zählt z.B. die Erkenntnis

  • dass nicht nur einige hundert Tausend, sondern doch wohl eher einige Millionen Ladestationen in Deutschland benötigt werden dürften , wenn allein nur die derzeit ca. 50 Millionen (in Deutschland zugelassenen) PKW auf deutschen Straßen in Zukunft alle elektrisch fahren sollen - noch ohne Berücksichtigung des dann auch noch mit elektrischer Energie zu versorgenden Güterverkehrs auf der Straße,
  • dass wir (in ganz Europa) in Zukunft durch nur beschränkt verfügbare und in wenigen außereuropäischen Staaten verarbeitbaren Rohstoffe (z.b.: Lithium, Neodym und andere ) ein - nach derzeitigen Erkenntnissen nicht lösbares - Mengen und Preisproblem erhalten werden und zudem ähnlich politisch/wirtschaftlich erpressbar bleiben werden, wie wir dies in Europa durch den Import fossiler Energieträger und “systemkritischer” Produkte und Rohstoffe heute schon sind,
  • dass dazu der Ausbau der Energieversorgungsnetze - neue bzw. verstäkte Hochspannunsleitungen - erforderlich sind.

Viele Teilprobleme werden aber selbst in einschlägigen Diskusionen oft noch gar nicht angesprochen :

  • dass die geringen Ladekosten in absehbarer Zeit deutlich ansteigen werden,
    weil die technischen Anforderungen an Ladeplätze (auch durch Forderungen/Wünsche der Benutzer) zunehmen und daher in Zukunft die Errichtungs- und Betriebs-Kosten von öffentlichen Ladesplätzen deutlich steigen werden,
  • dass es politisch nicht haltbar sein wird - z.B. von Tesla-, Mercedes-, BMW-Fahrern - deutlich weniger, als einen Euro pro Kilowattstunde, zu verlangen, während Einzelhaushalte ( z.B. von Mindestpensionisten) mit sehr geringem Verbrauch bereits mehr als ein Euro je Kilowattstunde (inklusive Netzkosten und allen Abgaben und Steuern) zahlen,
  • dass der Energiebedarf für Elektro-Mobilität gemeinsam (und gleichzeitig) mit dem Mehrbedarf für alle anderen Energieprojekte - wie z.B. in Österreich die “Dekarbonisierung unserer Energiesysteme”) - in absehbarer Zeit gar nicht aus erneuerbaren, sehr wetterabhängigen Quellen - z.B. bei Dunkelflauten, zu geringen/ zu starker Wasserführung - gedeckt werden kann, weil wir (in Europa) noch sehr lange nicht über ausreichende Speicherkapazitäten - z.B. zur Überbrückung saisonal bedingter Minderproduktion - verfügen werden.
  • dass die allgemeine Verkehrsproblematik durch motorisierten Indiviualverkehr
    • Platzbedarf, Staus, Unfälle, Umweltbeinträchtigung durch Feinstaub (Reifen/Straßenabrieb) und Lärm (bei hohen Geschwindigleiten übertönt schon jetzt das auch bei Elektrofahrzeugen vorhandene Reifenabrollgeräusch zumeist den Lärm des Verbrennungsmotors) -
      durch Verwendung von Elektrofahrzeugen (auch durch autonom fahrende) nicht geringer werden wird.

Der heise Artikel gibt zudem nur die persönliche Meinung/Erfahrung des Autors, nicht aber den derzeit aktuellen Wissensstand zu diesem Thema - “Warum man keine Wallbox mehr braucht” - wieder.
Durch die Wahl dieser Überschrift handelt sich heise hier auch den Vorwurf der mangelnden Seriösität ein: Denn eine Wallbox wird weiterhin benötigt , wenn eine private (nicht öffenlich für jedermann nutzbare) Ladestation betrieben werden soll.
Der Artikel beschreibt viel mehr die Gedanken des Autor, warum er auf die Errichtung einer privaten Ladestation in seinem Haus glaubt verzichten zu können- weil für ihn die Austattung mit öffentlichen Ladestationen entlang der von ihm mit seinem Fahrzeug befahrenen Strecken jetzt schon ausreichend sein dürfte.

Insbesonders gilt hier - für die Zufriedenheit mit der öffentlich verfügbaren Ladestruktur - die gleiche “Regel” , wie im Bereich des Mobilfunks hinsichtlich der tatsächlich nutzbaren Bitraten für frühe Nutzer neu eingeführter Funktechnologien.
Solange diese Technologien nur wenige Nutzer verwenden ist alles o.k. - dann gibt’s ausreichend hohe nutzbare Biraten bzw überall freie und funktionierende Ladeplätze.
Die Probleme - zu geringe nutzbare Bitraten bzw. besetzte/kaputte Ladeplätze - werden mit Zunahme der Nutzer dann im Laufe der Zeit jedenfalls größer.