Jeder, der mal seine Wohnung renoviert hat, weiß, dass die Bauphase dazwischen recht uncomfortable werden kann. Ein Leben in einer Baustelle kann recht unbequem werden. Aber man nimmt es hin, beißt sich durch, denn anschließend erfreut man sich am schöneren Wohlgefühl.
Analog ist es bei politischen Maßnahmen. Es kann in den Übergangsphasen für einige Menschen unschön werden.
Wir beobachten gerade aktuell in der Politik und in den Unternehmen einige Bewunderungen für „Macher“, die „Durchsetzungsstark“ für große Veränderungen sorgen. Die Liste dieser modernen Helden ist lang: Trump, Musk, Putin, Millei, …
Dahinter steht die Vorstellung, dass man die Menschen zu ihrem Glück zwingen müsse und einige Menschen „Opfer bringen“ und das „Leid ertragen“ müssten.
Hauruck! Zwang! Gewalt!
Ich frage mich aber, wie solche Handlungen auf politischer oder unternehmerischer Ebene in freien und demokratischen Staaten überhaupt hinnehmbar sind und wieso einzelne überhaupt legitimiert sind, Entscheidungen über andere zu treffen.
So stellen in Deutschland gerade junge Menschen die Frage, inwiefern eigentlich die ältere Generation dazu legitimiert sei, darüber zu entscheiden, die jungen Menschen zum Wehrdienst zu zwingen?
In Demokratien ist es üblich, davon auszugehen, dass die Mehrheit das Recht hat, die Entscheidung zu treffen. Aber es ist auch üblich, dass nicht unbedingt gegen die Mehrheit der Betroffenen zu tun. Denn ansonsten müssten die Entscheidungen mit Gewalt gegen die Betroffenen umgesetzt werden. Denn ebenso, wie die jungen Menschen sich auflehnen, dass über ihren Kopf etwas entschieden wird, würden sich die Pensionis:tinnen empören, wenn die Nicht-Pensionist:innen darüber bestimmen würden, dass sie keine Pensionserhöhung bekommen und zudem zu einem Jahr kostenloser Zwangsarbeit (Soziales Jahr) verpflichtet würden.
Gute Führungskräfte wissen, dass sie nicht gegen die Betroffenen arbeiten können. Es ist wichtig, die Menschen einzubeziehen und sie für eine Sache zu gewinnen, so dass sich sie freiwillig entscheiden, mitzumachen. Und dann wird es mit der Umsetzung viel leichter.
Wenn man bei der Wohnungsrenovierung alle Betroffenen mit einbezieht und alle dem Umbau und den Maßnahmen zustimmen (oder Consensieren), sind alle bereit, die unbequeme Zwischenphase hinzunehmen und mit anzufassen.
Denn in einer demokratischen Gesellschaft sollte Zwang nun wirklich nicht an der Tagesordnung sein. Das sollten wir ein „Privileg“ der Diktaturen sein lassen.