Wie treffen wir in der 4future Community Entscheidungen?

In jeder Organisation müssen Entscheidungen getroffen werden: im Staat, in Unternehmen, in Familien und auch in Vereinen. Also auch in der 4future Community. Das können grundlegende, strategische Entscheidungen sein, das können aber auch recht simple Dinge sein, wie das Datum für einen Veranstaltungstermin, der verwendete Font für die Webseite oder die Formulierung eines Absatzes in unserem „Weissbuch Demokratie“.

Die erste Frage, die sich stellt, ist die Frage nach der Legitimation: wer ist berechtigt oder zuständig, eine Entscheidung - für den jeweiligen Fall - zu treffen.

Formal juristisch bietet das Österreichisches Vereinsgesetz [1] da einen großen Gestaltungsspielraum, auch wenn in der Praxis sich die Statuten oftmals an den Musterstatuten [2] des Innenministeriums orientieren, wo dem Obmann oder der Obfrau eine Zuständigkeit für alles zugestanden werden kann. Getreu dem Motto „einer ist der Chef bei uns und der darf den Kran auch fahren“ [3] kann das recht weit von dem entfernt sein, was mit demokratischen Entscheidungsprozessen verbunden wird (aka Diktatur des Obmanns/der Obfrau).

In der Realität werden Entscheidungen aber oftmals nach dem Prinzip der Meritokratie [4] getroffen: derjenige, der sich um eine Aufgabe kümmert, entscheidet alleine. Sei es über den gewählten Font oder die Formulierung eines Textes oder wann das Event stattfinden wird, welche Tools ausgewählt werden, welche Kooperationen gemacht werden, mit welchen Themen man sich beschäftigt uvm. Diese Entscheidungen werden dann meistens hingenommen.

Aus der Open Source Community haben sich andere Werkzeuge zum Treffen Entscheidungen herausgebildet, sei es wie bei Wikipedia [5] oder The Open Organization [6] bei der Firma Red Hat.

Ich bin heute im “Gespräch“ mit ChatGPT auf das „Open Decision Framework“ [7] gestoßen.

Eigentlich bin ich auf der Suche nach einem Tool gewesen, mit dem wir beim „weissbuch Demokratie“ mit dem Verfahren des „Systemischen Konsenierens“ gemeinsam Entscheidungen über die Inhalte und Formulierungen treffen könnten. Ich bin dabei auf

  • Loomio [9] und
  • EConsensus [10]

gestoßen.

Ich selbst habe etwas Erfahrung mit dem Peer-Working, das sich aus dem Peer-Programming [11] entwickelt hat, bei dem man immer im Team an einer Aufgabe arbeitet und jede kleine Entscheidung immer gemeinsam trifft. Die Ergebnisse und die Zusammenarbeit sind immer phänomenal gewesen, auch wenn es anfangs etwas ungewohnt gewesen ist.

„Wie wollen wir bei 4future mit den kleinen und großen Entscheidungen und den notwendigen Legitimationen umgehen?“

Das wäre eine interessante Frage, um uns selbst darüber klar zu werden, wie wir selbst die Demokratie in unserer Community leben wollen.

Demokratie lebt vom Mitdenken, Mitreden, Mitentscheiden und Mittragen.

[1] Vereinsgesetz: RIS - Vereinsgesetz 2002 - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 11.02.2022

[2] Musterstatuten: https://www.bmi.gv.at/609/files/Verg2002_Vereinsstatuten_042024.rtf

[3] Spliff - Die Mauer: Spliff (DEU) – Die Maurer Lyrics | Genius Lyrics

[4] Meritokratie: Meritokratie – Wikipedia

[5] Entscheidungen wie bei Wikipedia: Die Rolle der Wikipedia-Community: Wie Diskussionen und Bewertungen ablaufen - WikiMeisterei

[6] The Open Organization: https://theopenorganization.org

[7] The Open Decision Framework: open-decision-framework/de_DE/ODF-community.md at master · open-organization/open-decision-framework · GitHub

[8] Systemisches Konsensieren: Systemisches Konsensieren - Gruppenentscheidung online

[9] Loomio: https://www.loomio.com

[10] EConsensus: eConsensus - Participatory decision making | | Aptivate

[11] Pair-Programming: Paarprogrammierung – Wikipedia

Https.//Pol.is