Zwei Dieselkrisen sind nicht genug, Spediteure meiden den E-Antrieb – zu Unrecht

Nur einer von 200 schweren Lkw ist elektrisch betrieben. Die Sorgen sind groß. Dabei rechnen sich E-Lkw in vielen Fällen bereits jetzt, wie Pioniere beweisen

https://www.derstandard.at/story/3000000315739/zwei-dieselkrisen-sind-nicht-genug-spediteure-meiden-den-e-antrieb-zu-unrecht

Gemessen an den Neuzulassungen bleibt der Anteil elektrischer Lkw überschaubar. Bei jenen zwischen 3,5 und zwölf Tonnen war er im Vorjahr mit knapp einem Viertel bereits fortgeschritten, in den schwereren Kategorien hingegen waren es gerade einmal vier bis fünf von einhundert neu zugelassenen Lkw. Im Bestand sind es dort weniger als ein Prozent.

„Wenn ich 20 oder 30 Kilometer Umwegverkehre habe und dann vor Ort noch warten muss, weil der Ladepunkt belegt ist, geht die Produktivität schnell verloren.“ Kein Wunder also, dass viele noch zuwarteten.

die Erfolgsstory von Schlager im Mühlviertel: Seit 2022 treibt man den Umstieg voran, PV-Anlage am Dach und Energiespeicher mit eingeschlossen. Der Rest der benötigten Energie wird mit maximal 300 Kilowatt Anschlussleistung aus dem Netz bezogen. Alles darüber würde die Netzkosten sprunghaft ansteigen lassen.

Auch Berechnungen der Landesenergieagentur Baden-Württemberg zeigen: Bei einer üblichen Fahrleistung von 100.000 Kilometern jährlich und 50 Prozent Depotladen kämen E-Lkw im Fernverkehr bereits elf Prozent günstiger davon. Die hohen Fixkosten würden durch einen geringen Wartungsbedarf und die vergünstigte Maut mehr als ausgeglichen. Und das wohlgemerkt in Jahren normaler Dieselpreise.

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In Innenstädten Lieferungen nur mehr mittels E-LKW, E-Sprinter

Nicht nur in den Innenstädten. Ich habe in den letzten Tagen bei mir in der Strasse erleben dürfen:

  • Lieferfahrzeuge … elektrisch
  • Taxis … elektrisch
  • LKWs … elektrisch
  • Motorräder … elektrisch
  • Mistfahrzeug … elektrisch
  • Lieferdienste … elektrisch
  • Post … elektrisch
  • Ă–ffies … elektrisch
  • PKWs der Nachbarn: zu 3/4 elektrisch.

BTW: Jedes 5. Haus hat hier keine PV auf dem Dach. Jedes 4. keine Wärmepumpe vor der Tür.

Man könnte glatt sagen, man kann wieder leichter die armen Leute erkennen. :wink:

Das hast Du aber höchstwahrscheinlich nicht in Österreich beobachtet.

Ja, die Beobachtungen stammen aus Hamburg aus einem Stadtteil mit vielen Einfamilienhäusern.

Man darf hier den „allgemeinen Wohlstand“ nicht aus dem Auge lassen: Die meisten hier können sich „aus Spass“ mal so eben eine Harley kaufen. Viele haben eine als Männer-Spielzeug in der Garage stehen. Deshalb werden die Entscheidungen für eine „elektrische“ Investition auch nicht aus einer Situation des Mangels oder der Ressourcen-Kappheit gefällt, sondern aus einer des Überflusses. Wenn man es will, Bock drauf hat oder es sinnvoll findet, wird es einfach gemacht. Weil man es sich leisten kann. Wirtschaftliche Erwägungen, „ob es sich rechnet“, spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. Man kauft sich ja auch einen SUV, weil man es sich halt leisten kann, und denkt nicht darüber nach, dass ein Kleinwagen vielleicht „wirtschaftlicher“ wäre. Da aus der Situation des Überflusses agiert werden kann - auch Hamburg ist eine sehr reiche Stadt - spielen viele der Gründe, die Für oder Wider „elektrisch“ angeführt werden, gar keine Rolle.

Vielleicht sollten wir, wie es Boris Gloger in seine Essay „Knappheit ist eine Illusion“ geschildert hat, viele Entscheidungen besser aus der Perspektive des Überflusses fällt: denn dann passiert auch etwas.

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Wenn notwendige Entscheidungen auch in Zukunft “ besser aus der Perspektive des Überflusses” getroffen werden sollten, dann werden sie in Zukunft immer seltener tatsächlich getroffen werden und daher - ganz entgegen Deiner obigen Annahme - immer seltener stattfinden.
Denn die Anzahl derer, die sich solche Investitionen in die Zukunft nicht mehr leisten können, wird in Zukunft stark zunehmen und unsere Abhängigkeit von ganz wenigen Staaten/Konzernen, in denen die dafür erforderlichen Technologien, Anlagen und Produkte hergestellt werden, weiter aufrecht bleiben und noch weiter zunehmen.