Ja, es stimmt. Es gibt immer Menschen, die ihre Stimme gegen etwas erheben. Das gehört zur Demokratie dazu. Das muss auch nicht zwingend etwas Schlechtes sein, es kann durchaus wichtig und innovativ sein. Wer kennt nicht die Geschichte des einsamen Mahners oder Erfinders, dem rückblickend Recht gegeben werden musste.
Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen schwarzsehen, mit einer Entwicklung nicht einverstanden sind oder aus anderen Motiven heraus den Drang verspüren, sich in den Vordergrund zu spielen. Es kommt darauf an, was tatsächlich getan wird.
Und oft passiert wesentlich mehr unter dem Radar, als das, was die Öffentlichkeit über Medien überhaupt mitbekommt. Es schaut nur kaum jemand hin, weil viele längst nicht mehr erwarten, dass noch etwas Positives passieren könnte.
Ja, es gibt diese Beispiele, wo angeblich in China über Nacht ein Bahnhof errichtet wurde oder zur Corona-Zeit ein ganzes Containerkrankenhaus entstanden ist. Das ist dort aber nicht die Regel. Auch in vielen Ländern oder Unternehmen, die uns gerne als Vorbilder präsentiert werden, wird am Ende nur mit Wasser gekocht.
Fahrt einmal in die USA, nach China, Indien, Japan oder Dubai und schaut dort hinter die Glitzerfassaden.
Zudem müssen wir immer die Rahmenbedingungen berücksichtigen, die für uns akzeptabel sind. Natürlich könnte eine österreichische Regierung im Gewaltakt sämtliche Vorschriften ignorieren, sich über alle Regeln hinwegsetzen und in kürzester Zeit einen Tunnel unter der Donau graben lassen. Mit großem Tamtam, mit Gewalt, gegen alle Widerstände. Das würde bei vielen Menschen Zustimmung finden. Endlich haut jemand auf den Tisch. Endlich werden Bedenkenträger übergangen. Endlich werden Regeln außer Kraft gesetzt und Tatsachen geschaffen.
Aber nur so lange, bis diese Menschen selbst auf der anderen Seite stehen. Bis sie die sind, denen Gewalt angetan wird. Dann werden sie plötzlich nach Partizipation, Demokratie, Berücksichtigung und Rechtsstaat rufen.
Was du willst, dass man dir tut, das füge auch einem anderen zu.
Und genau darin liegt der Vorteil unserer freien, vielfältigen, multikulturellen, humanistischen, demokratischen und pluralistischen Gesellschaft: Sie ist langsam, mühsam und oft widersprüchlich, aber sie schützt jeden Einzelnen davor, morgen selbst das Opfer jener Macht zu werden, die man heute noch bejubelt.