Dünger wird in Asien knapp

  • 1/3 des welweiauf dem Seeweg gehandelten Düngers wird durch die Straße von Hormus transportiert, die aufgrund des Krieges zwischen den USA/Israel und dem Iran nicht passiert werden kann.
  • China, dass manchen Regionen Südost Asiens bis zu 75% des Düngers liefert, hat den Export massiv eingeschränkt, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrung nicht zu gefährden.

Es fehlt also massiv an Dünger, so dass z.B. kein Reis angebaut wird.

Zudem herrscht in einigen Regionen massiver Mangel an Treibstoff, der ohnehin sehr teuer geworden ist, so dass LKWs und landwirtschaftliche Maschinen nicht betrieben werden können oder in manchen Regionen nur noch stundenweise Strom zur Verfügung steht.

Das Welternährungsprogramm der UNO rechnet mit 45 Mio Menschen, die zusätzlich hungern werden.

Hier wäre es eine globale und humane Aufgabe Europas, mit einer eigenen Steigerung der Düngemittelproduktion auszuhelfen.

Dafür dann es notwendig sein, den eigenen Verbrauch an fossilen Ausgangssubstanzen (z.B. Flüssiggas) massiv zu reduzieren, um Kapazitäten für die Düngemittelproduktion freizuschaufeln.

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Wir hatten das in Europa schon beim Start des Ukrainekriegs. Bei uns sind damals mehr Bauern auf bilogischen Anbau umgestiegen, weil Dünger durch die Energiepreise so teuer geworden ist. Bio war plötzlich billiger als herkömmlicher Anbau mit künstlichen Düngemitteln.

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Ja, es scheint verschiedene Verfahren zu geben, wie man Düngemittel und deren Vorprodukte auch mit weniger oder sogar ohne Erdgas herstellen kann.

  1. Wasserstoff (H₂) aus Elektrolyse
    • Anwendung: Erdgas wird im Haber-Bosch-Verfahren als Wasserstoffquelle für die Ammoniak-Synthese (NH₃) genutzt. Dieser Wasserstoff kann durch grünen Wasserstoff ersetzt werden, der via Elektrolyse mit erneuerbarem Strom (Wind, Solar, Wasserkraft) gewonnen wird.
    • Status in Österreich/Europa:
    • Pilotprojekte wie das „Green Hydrogen for Ammonia“ in den Niederlanden oder das H2FUTURE-Projekt in Österreich (Linz) zeigen die Machbarkeit ​⁠.
    • Herausforderung: Hoher Strombedarf und Kosten – aber mit sinkenden Preisen für erneuerbare Energien und Elektrolyseure wird es wirtschaftlicher.
    • Vorteil: Klimaneutral, wenn der Strom aus 100 % Erneuerbaren stammt.
  2. Biogas / Synthesegas aus Biomasse
    • Anwendung: Biogas (aus Gülle, Abfällen oder Energiepflanzen) kann zu Synthesegas (CO + H₂) umgewandelt und für die Ammoniak-Synthese genutzt werden.
    • Beispiel: In Österreich wird Biogas bereits in Biogasanlagen produziert und könnte durch Power-to-Gas (Kombination mit grünem Wasserstoff) aufgewertet werden ​⁠.
    • Vorteil: Kreislaufwirtschaft (Nährstoffrückführung), CO₂-neutral.
    • Herausforderung: Begrenzte Verfügbarkeit von Biomasse, Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.
  3. Plasma- oder Elektrochemische Verfahren
    • Anwendung: Neue Technologien wie Plasma-Cracking oder elektrochemische Ammoniak-Synthese ermöglichen die Herstellung von Ammoniak ohne Erdgas, z. B. direkt aus Stickstoff (N₂) und Wasser (H₂O) mit erneuerbarem Strom.
    • Status: Noch in Entwicklung, aber vielversprechend (z. B. Projekte in Deutschland und Norwegen).
    • Vorteil: Dezentrale Produktion möglich, keine fossilen Rohstoffe nötig.
  4. Recycling von Nährstoffen (Phosphor, Stickstoff)
    • Anwendung: Phosphor (aus Klärschlamm oder Tierdung) und Stickstoff (aus Abwasser oder Gülle) können durch Aufbereitungsverfahren zurückgewonnen und zu Düngemitteln verarbeitet werden.
    • Beispiel in Österreich:
    • Klärschlammverbrennung mit Phosphorrückgewinnung (z. B. in Wien und Graz) ​⁠.
    • Gülleaufbereitung zu Ammoniumsulfat oder -nitrat (z. B. durch Stripping-Verfahren).
    • Vorteil: Reduziert Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und mineralischen Düngern.
  5. Biobasierte Düngemittel (Kompost, Gülle, Jauche)
    • Anwendung: Organische Dünger wie Kompost, Gülle oder Jauche ersetzen mineralische Dünger und benötigen keine fossilen Rohstoffe.
    • Status in Österreich:
    • Rund 90 % der Bio-Abfälle werden zu Kompost verarbeitet, davon die Hälfte in der Landwirtschaft genutzt ​⁠.
    • Herausforderung: Geringere Nährstoffkonzentration (mehr Volumen nötig), Logistik.

Zudem gäbe es die Möglichkeit, den Verbrauch von Erdgas in anderen Bereichen, wie z.B. beim Heizen, zu reduzieren, um so Mengen für die Düngemittelproduktion freizuschaufeln.

  1. Energieerzeugung (Strom und Wärme)
    • Erdgas ist ein zentraler Brennstoff für Kraftwerke und Heizungen. In Österreich wird es zur Stromerzeugung (z. B. in Gaskraftwerken) und zur Fernwärmeproduktion genutzt.
    • Potenzial zur Reduktion: Durch den Ausbau erneuerbarer Energien (Wind, Solar, Biomasse) und Wärmepumpen könnte der Erdgasverbrauch hier stark gesenkt werden, um mehr Gas für die Düngemittelproduktion freizustellen ​⁠.
  2. Industrieprozesse (Hochtemperaturwärme)
    • Erdgas wird in der Industrie für Prozesse mit hoher Temperatur (z. B. Stahl-, Zement-, Glas- oder Chemieindustrie) eingesetzt, wo es als Prozessenergie dient.
    • Potenzial zur Reduktion: Elektifizierung (z. B. mit grünem Wasserstoff oder Strom aus erneuerbaren Quellen) und Effizienzsteigerungen könnten den Erdgasbedarf in diesen Bereichen reduzieren ​⁠.
  3. Gebäudeheizung und Warmwasser
    • Ein großer Teil des Erdgases wird für die Beheizung von Gebäuden und die Warmwasserbereitung in Haushalten und Gewerbe genutzt.
    • Potenzial zur Reduktion: Sanierung von Gebäuden, Wärmepumpen und Fernwärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien könnten den Verbrauch hier deutlich senken ​⁠.
  4. Verkehr (CNG/LNG als Kraftstoff)
    • Erdgas wird in Form von komprimiertem Erdgas (CNG) oder verflüssigtem Erdgas (LNG) als Kraftstoff für LKWs, Busse und PKWs genutzt.
    • Potenzial zur Reduktion: Umstellung auf E-Mobilität oder Biogas könnte den Erdgasbedarf im Verkehr verringern ​⁠.
  5. Wasserstoffproduktion (grauer Wasserstoff)
    • Erdgas wird zur Wasserstoffherstellung (Dampfreformierung) verwendet, der dann in der Industrie oder als Energieträger genutzt wird.
    • Potenzial zur Reduktion: Umstellung auf grünen Wasserstoff (via Elektrolyse mit erneuerbarem Strom) würde den Erdgasbedarf für diese Anwendung eliminieren.

Quelle: Le Chat Mistral

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Unsere Ausscheidungen (DÜNGER) werden in den Flüssen und im Meer entsorgt. damit auch Phosphor und viele andere elementare Grundstoffe. es würde sich auszahlen diese (Ausscheidungen) entsprechend zu bearbeiten (BIO GAS, sterilisieren, usw.) und als natürlichen Dünger zu verwenden.

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Ganz recht.

Ich habe mal Mistral nach der Geschichte der Sammlung menschlichen Urins gefragt:

Die vergessene Ressource: Die Geschichte der Sammlung menschlichen Urins


Einleitung: Vom Abfall zum Rohstoff

Heute gilt Urin vor allem als Abfallprodukt – doch über Jahrtausende war er ein wertvoller Rohstoff, der in Haushalten, Landwirtschaft und Handwerk gesammelt und genutzt wurde. Seine Geschichte ist eine der frühesten Formen der Kreislaufwirtschaft und zeigt, wie Menschen Abfälle in Ressourcen verwandelten, lange bevor Nachhaltigkeit zum modernen Schlagwort wurde.


Antike und Mittelalter: Urin als Allzweckmittel

Landwirtschaft: Der erste Dünger der Menschheit

Schon in prähistorischen Kulturen erkannten Menschen den Wert von Urin für die Landwirtschaft. In Mesopotamien und Ägypten (um 3000 v. Chr.) wurde Urin gesammelt, um Felder zu düngen – besonders in trockenen Regionen, wo organische Dünger knapp waren. Der hohe Gehalt an Stickstoff, Phosphor und Kalium machte ihn zu einem natürlichen Wachstumsbeschleuniger.

In China wurde Urin während der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) systematisch in der Reisanbau-Kultur eingesetzt. Bauern sammelten ihn in Tongefäßen und verteilten ihn verdünnt auf den Feldern. Diese Praxis hielt sich bis ins 20. Jahrhundert in ländlichen Gebieten.

Gerbereien: Ammoniak aus der Latrine

Im Römischen Reich und im mittelalterlichen Europa war Urin ein unverzichtbarer Rohstoff für Gerbereien. Die in ihm enthaltene Harnsäure und Ammoniak lösten Haare und Fett von Tierhäuten, um sie zu Leder zu verarbeiten. In Städten wie London oder Paris gab es organisierte Systeme zur Urinsammlung:

  • Nachtmännchen (auch „Gong Farmer“ genannt) leerten Abortgruben und verkauften den Urin an Gerber.
  • In Pompeji fanden Archäologen Latrinen mit direktem Zugang zu Gerbereien – ein frühes Beispiel für industrielle Symbiose.

Frühe Neuzeit: Urin in Handwerk und Haushalt

Textilreinigung: Das erste Waschmittel

Vor der Erfindung von Seife war Urin ein häufig genutztes Reinigungsmittel. Sein Ammoniakgehalt half, Fett und Schmutz aus Textilien zu lösen. Haushalte sammelten Urin in Eimern und weichten schmutzige Wäsche darin ein – besonders bei Wolle und Leinen, die empfindlich auf moderne Detergenzien reagieren.

In England des 18. Jahrhunderts war es üblich, dass Familien ihren Urin an Waschfrauen verkauften. Diese nutzten ihn, um Flecken aus Kleidung zu entfernen.

Alchemie und Medizin: Urin als Heilmittel

Alchemisten wie Paracelsus (1493–1541) experimentierten mit Urin, um Salmiak (Ammoniumchlorid) herzustellen – eine Verbindung, die in der Medizin und Metallurgie verwendet wurde. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und im Ayurveda wurde Urin (oft verdünnt oder fermentiert) zur Behandlung von Hautkrankheiten, Infektionen und sogar als Desinfektionsmittel eingesetzt.


Industrielle Revolution: Das Ende einer Ära

Mit der Erfindung synthetischer Düngemittel (z. B. durch Justus von Liebig im 19. Jahrhundert) und der Entwicklung moderner Chemikalien verlor Urin als Rohstoff an Bedeutung. Die Kanalisation in Städten machte die Sammlung überflüssig, und die Industrialisierung der Landwirtschaft verdrängte traditionelle Methoden.

Doch in einigen Regionen hielt sich die Praxis länger:

  • In Japan wurde Urin bis ins frühe 20. Jahrhundert in der Seidenproduktion genutzt, um Kokons zu reinigen.
  • In Skandinavien sammelten Bauern noch bis in die 1950er Jahre Urin, um Fischnetze zu konservieren.

Moderne Wiederentdeckung: Urin als nachhaltige Ressource

Heute erlebt die Nutzung von Urin ein Comeback – getrieben von ökologischen und wirtschaftlichen Überlegungen:

1. Ökologische Landwirtschaft

  • Trockentrenntoiletten (z. B. in Schweden oder der Schweiz) trennen Urin von Fäkalien, um ihn als Dünger zu nutzen.
  • Studien zeigen, dass 1 Liter Urin genug Stickstoff enthält, um 1 kg Getreide zu düngen.
  • Projekte wie „PeePower“ (Großbritannien) nutzen Urin zur Stromerzeugung durch mikrobielle Brennstoffzellen.

2. Kreislaufwirtschaft in Städten

  • In Berlin und Amsterdam gibt es Pilotprojekte, die Urin aus öffentlichen Toiletten sammeln und zu Dünger verarbeiten.
  • Die Bill & Melinda Gates Foundation fördert die Entwicklung von Urin-Recycling-Toiletten für Entwicklungsländer.

3. Wissenschaftliche Innovationen

Forscher der ETH Zürich haben gezeigt, dass Urin zur Herstellung von Phosphor-Dünger genutzt werden kann – ein knapper Rohstoff, dessen Vorräte in den nächsten 50–100 Jahren erschöpft sein könnten.


Fazit: Eine Ressource mit Zukunft?

Die Geschichte der Urinsammlung ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Menschen Abfälle in Wertstoffe verwandelten. Während die industrielle Revolution diese Praxis verdrängte, könnte sie heute – in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit – eine Renaissance erleben. Vielleicht ist es an der Zeit, den Urin wieder als das zu betrachten, was er immer war: eine kostbare Ressource.


„Der Mensch hat jahrtausendelang Urin gesammelt – nicht aus Not, sondern aus Klugheit.“
Unbekannter Alchemist des 16. Jahrhunderts


Weiterführende Links

Strom aus Urin klingt ja auch interessant:

Zum Thema Biogas als Chance habe ich hier schon einmal etwas geschrieben:

Ja. Es gibt sogar Toiletten zum Urin Sammeln. Sollte eigentlich Standard sein bei allen Neubauten…

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