Null Updates: Motorola sieht keine Pflicht durch EU-Smartphone-Vorschriften : Mangelnde Sprachkenntnisse der Autoren der Vorschrift?

Die Ökodesignverordnung hĂ€tte die Hersteller zu langen Update-ZeitrĂ€umen verpflichten sollen. Die konkrete Formulierung lĂ€sst aber Interpretationsspielraum offen

https://www.derstandard.at/story/3000000306789/keine-updates-motorola-nutzt-fatalen-fehler-in-eu-smartphone-vorschriften-aus

Neben strukturellen Verbesserungen am Aufbau von Android galt vielen auch die Ökodesignverordnung der EU als treibender Faktor. Im Juni 2025 in Kraft getreten, soll diese eine Update-Versorgung fĂŒr einen Zeitraum von mindestens fĂŒnf Jahren fĂŒr alle Smartphones garantieren – und zwar sogar erst ab deren Verkaufsstopp gerechnet. Ein großer Erfolg aus Sicht der Kundinnen und Kunden, der entsprechend allerorten gelobt wurde. Diese Freude könnte aber verfrĂŒht gewesen sein, wie sich nun zeigt.

Denn wenn man der Argumentation von Motorola folgt, sind die EU-Regeln so formuliert, dass sie genau genommen ziemlich wenig vorschreiben.

Die entscheidende Passage 6a lautet dabei folgendermaßen:
„Ab dem Datum der Beendigung des Inverkehrbringens und fĂŒr einen Mindestzeitraum von fĂŒnf Jahren sind von Herstellern (
) zur VerfĂŒgung gestellte Sicherheits-, Korrektur- oder Funktionsaktualisierungen fĂŒr ein Betriebssystem von diesen kostenlos fĂŒr alle Einheiten eines Produktmodells mit demselben Betriebssystem zugĂ€nglich zu machen“.

Die Rechtsabteilung von Motorola legt das jetzt offenbar so aus, dass in dieser Passage gar keine Update-Verpflichtung enthalten ist. Immerhin wĂŒrde damit genau genommen lediglich festgeschrieben, dass Updates, falls es sie gibt, fĂŒnf Jahre lang kostenlos angeboten werden mĂŒssen. Gibt es keine Updates – dann ist das halt so.

Und diese Auslegung ist auch meinem SprachverstĂ€ndis zufolge korrekt - und scheint auch zufolge der Beurteilung durch Juristen außerhalb von Motorola korrekt zu sein.

Der Streitpunkt sind folgende Worte ”..sind von Herstellern (
) zur VerfĂŒgung gestellte Sicherheits-, Korrektur- oder Funktionsaktualisierungen–”
Mit der Bedeutung : nur wenn der Hersteller Aktualisiserungen zur VerfĂŒgung stellt, dann gelten die Vorgaben in dieser Vorschrift: Also eine nur bedingt - nach Ermessen des Herstellers - geltende Vorschrift.
Wenn der Hersteller aber gar keine Aktualiserungen zur VerfĂŒgung stellt , dann ist dies Vorschrift fĂŒr ihn bedeutungslos. Das war aber - vermutlich - gar nie das beabsichtigte Ziel dieser Vorschrift.
Um aus diese nur bedingt geltenden Vorschrift eine unbedingt wirksame Vorschrift werden zu lassen, wĂ€ren aber - wieder nur entsprechned meinem persönlichen SprachgefĂŒhl - folgende Formulierung zielfĂŒhrend :
”..sind von Herstellern (
) zur VerfĂŒgung zu stellende Sicherheits-, Korrektur- oder Funktionsaktualisierungen–”
oder in “einfacherer Spache”
” 
haben die Hersteller Sicherheits-, Korrektur- oder Funktionsaktualisierungen zur VerfĂŒgung zu stellen und diese 
”
Es könnte allerdings auch diese Formulierung bei fehlendem inhaltlichem SprachverstĂ€ndnis immer noch zu “kompliziert” - und daher nicht verstĂ€ndlich - sein.

VerstĂ€ndlichkeit und inhaltlche Übereinstimmung mit den deklarierten Absichten der Initiatoren /Verhandler von Vorschriften ,
werden durch mehrdeutig mögliche Übersetzungen in andere Sprachen (als die Verhandlungsspache des Originaltextes) und
durch inkorrekt verwendete oder ĂŒbersetzte Fachvokabel ( z.B. aus dem Bereich Wirtschaft, IKT, Energietechnologien, Medizin, Biologie, 
.. )
nahezu beliebig - aber durchaus unabsichtlich und auch nicht durch “Schlampigkeit” verursacht - , verringert bzw. “verschleiert”.
Vielleicht werden manchmal auch von Verhandlungsteilnehmern solche nur bedingt wirksame Bestimmungen “hineinverhandelt”. Wirtschaftlobbyisten hĂ€tten jedenfalls auch Interesse daran, möglicht wenig wirksame Regulierungen (keine “weitere unnötige BĂŒrokratie” ) in Vorschriften einfließen zu lassen, das ist ja unter anderem auch der Auftrag ihrer Klienten .
Verwunderlich bleibt aber, dass solche unwirksamen Vorschriften auch wĂ€hrend der Begutachtung der EntwĂŒrfe und - möglicherweise - auch wĂ€hrend der Verhandlungen
nicht “aufgefallen” sind. Denn auf schon zufolge ihrer Formulierung unwirksame Vorschriften könnte tatsĂ€chlich verzichtet werden.
ErklĂ€rbar wĂ€re das meiner Meinung nach nur durch mangelndes SprachverstĂ€ndnis, das in den nĂ€chsten Generationen nicht unbedingt besser werden wird, wenn Jugendliche heute ĂŒberwiegend (?) nur mehr die SprachkĂŒrzel und Emoji-Bildchen ihrer jeweiligen Community fĂŒr ihre Kommunikation verwenden und sich in ihrer eigenen Muttersprache nicht mehr korrekt ausdrĂŒcken können.

Die derzeit beabsichtigte Reduktion der Wochenstunden fĂŒr Sprachbildung in den Schulen wird diese Problem des mangelnden SprachverstĂ€ndnisses nicht gerade entschĂ€rfen - wenn auch nicht jeder der heutigen SchĂŒler in Zukunft irgendwann an der Formulierung von Vorschriften und Gesetzten mitarbeiten wird.

1 „GefĂ€llt mir“

Der korrekte Umgang mit der Sprache wird immer weniger wichtig. Ich versuche, mich nicht mehr ĂŒber billige Preise von Butter oder warme Temperaturen in Wien zu Ă€rgern. Wo bleiben die niedrige Butter oder das hohe Wetter?

Im Allgemeinen Hochschulstudiengesetz stand eine Zeit lang:
AHStG 1966, § 34(2) Die Kandidaten haben vor der Verleihung feierlich zu versprechen, sich des verliehenen akademischen Grades 
wĂŒrdig zu erweisen
 Die Unterscheidung zwischen einem Partizip Perfekt Passiv und einem Gerundium wird durch KĂŒrzung der Lateinstunden auch nicht gefördert.

Zur bewusste Zerstörung der Sprache durch die Gendersonderzeichen werde ich mich in diesem Forum nicht mehr mehr Ă€ußern. Roma locuta, cause finita.

2 „GefĂ€llt mir“

Schlussendlich werden Wir, die Konsumenten, mit unserem Einkaufsverhalten (=Marktmacht) die Angelegenheit zu regeln haben. Insofern ist der bestehende Text der EU-Verordnung ausreichend formuliert.

Unser Problem sehr ich darin: Uns von den Beeinflussungen (hauptsĂ€chlich durch direkte und indirekte Werbung) der kapitalistischen Wirtschaft abzugrenzen und wieder zu lernen: nach unseren tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnissen zu selektieren. (Dem tatsĂ€chlichem Tausch und Handel dadurch den Vorzug zu geben)

Durch unser anerzogenes Verhalten - eben dem Konsumverhalten in welchem die meisten Menschen nur blind konsumieren, haben wir anderen Menschen - z.B. den Werbefachleuten - erlaubt: uns zu Konsumenten zu degradieren und benutzen.

Es geht mir hier auch nicht um Moderscheinungen oder das Spezialvokabular von irgendwelchen Communities, wenn sich deren Mitglieder untereinander unterhalten oder beschimpfen.
Ich meine hier vor allem Texte und sprachliche Formulierungen, die von allen Personen verstanden werden sollen/mĂŒssen ( wie z.B, Gesetzestexte, Vorschriften, GeschĂ€ftsbedingungen, Vertragstexte, Gebrauchsanleitungen , BenutzerhandbĂŒcher , 
 ) auch dann, wenn sie mit dem inhaltlichen/fachlichen Kontext nur selten ode nie zu tun haben und nicht “nur” wegen falsch verwendeter Verb-Formen - den logischen Inhalt socher Texte nicht - oder vollkommen falsch - verstehen könnten.
Umso mehr sollte schriftliche/sprachliche Genauigkeit auch von den Autoren solcher Texte verlangt werden. Im Fall des hier ganz oben verlinkten Artikels ĂŒber die Ökodesignverordnung der EU und deren Folgen fĂŒr Udates der Software von Smart-Phones , scheint die Genauigkeit und “Treffsicherheit” der Textformulierungen jedenfalls nicht ausreichend beachtet worden zu sein.
Aber auch die Schreibweise von Worten ist nicht “egal” .
Bei “Blumentopferde” wird ein GĂ€rtner vielleicht daran denken , wieder einige SĂ€cke davon bestellen zu mĂŒssen, ein Pferdeliebhaber wird sich aber vielleicht wundern, warum er von dieser Rasse noch nie gehört hat.
Bei “Alpenostrand” wird vielleicht jemand fragen , ob man dort noch irgendwo Schi. fahren kann , ein anderer wird sich vielleicht dafĂŒr interessieren, ob’s dort auch sauberen Sand gibt, weil man auf auf steinigem Untergrund nicht bequem liegen kann.

Ante triginta annos in Helvetia similes disputationes de lingua Latina in scholis animadverti.
“Futura ex origine nascuntur: Latinam et Graecam antiquam discite” erat sententia fautorum conservativorum.

Ego quoque in schola linguam Latinam didici. In bellis Punicis sciurios et currus velocissimos inveni, qui, ut nullus magister Latinitatis fatebatur, ibi omnino exstitisse non poterant. Rationem tamen vertendi demum intellexi, cum in matutino televisifico scholari veterem quandam emissionem a radiophonica Bavariensi factam vidi. Ibi explicabatur quomodo sententiae Latinae longissimae atque implicatae aggrederentur: ab extremo verbo, quod ante punctum positum est, initium faciendum esse.

Miliarda hominum in hoc orbe terrarum res utiles discunt, nullo modo scientes linguam Latinam umquam exstitisse. Fortasse nec Latina nec Graeca per se necessariae sunt ad culturam intellegendam aut ad vim sermonis obtinendam. Fortasse etiam aetati nostrae aptius esset aliam linguam, quae hodie late in terris dicitur, discere, ut ex culturis et cogitationibus in illis linguis expressis aliquid capere possimus: Arabicam, Sinensem, Iaponicam, Indicam, Indonesicam, Suahilicam.

Hoc idem sentio.

Ich gehöre nicht zu jenen , die zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten lateinische Zitate oder Formulierungen von sich geben. Zu meiner Schulzeit war es zudem Ziel, lediglich Texte lesen, ĂŒbersetzen und - vielleicht auch - verstehen zu können, nicht aber,.sich in lateinischer Sprache auch unterhalten zu können.
Latein war - meinen Informationen zufolge - bis vor kurzem nur mehr im Vatikan Amtssprache, ist aber mttlerweile auch dort als Amtsptrache nicht mehr in Verwendung.

Schriften lesen, ĂŒbersetzen und verstehen zu können ist sicher mit “toten” Sprachen einfacher möglich , als bei lebenden Fremdsprachen, die alle paar Jahre reformiert werden - und dann im nĂ€chsten Schuljahr das schon wieder “falsch” sein könnte, was voriges Jahr noch “richtig” wahr.

Mir geht’s auch gar nicht so sehr um Latein, sondern um Genauigkeit im sprachlichen und schriftlichen Ausdruck - und um das genaue, richtige, VerstĂ€ndnis solcher Formulierungen.
Denn wie sonst sollten wir gesetzliche Vorschriften, irgendwelche Reglementierungen , Verhaltensrichtlinien 
 und Inhalte von VertrĂ€gen verstehen und einhalten können, ohne die Bedeutung jeder Zeile in solchen Texten regelmĂ€ĂŸig erst durch Richter feststellen lassen zu mĂŒssen ?

Und vielleicht wĂ€re bei grĂ¶ĂŸerer Genauigkeit der Formulierungen in obiger Ökodesignverordnung (siehe erster Beitrag hier oben) die Unwirksamkeit der Ökodesignverordnung fĂŒr das Softwareupdate von Smart-Phones zu vermeiden gewesen.

Nach 1972 hat man - um ein Beispiel fĂŒr die Blödheit der KĂŒrzung des Lateinunterrichts zu geben - es unterlassen, die technischen Grundlagen zu lehren. Jetzt, also nach 50 Jahren, ist man gezwungen: fĂŒr eine Mondlandung wieder bei Null anzufangen und hat ĂŒberdies den Nachteil: daß der technische Entwicklungszeitraum 1902-1949 ebenfalls in Vergessenheit geraten ist.

Sosehr ich die Person E.Musk verabscheue, sosehr bewundere ich die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des StarShip: “Wir lernen nur aus Fehlern, also sind Fehler nichts böses”. Das GefĂŒhl (weil genaue Daten habe ich nicht) sagt mir: daß SpaceX den Lernweg der Pre-V2 Ära in rasanten Schritten nachholt - Und hoffentlich diesmal Umfangreich dokumentiert.

Und Jetzt, meine Lieben - Gute Nacht!

1 „GefĂ€llt mir“

Das wĂ€re tatsĂ€chlich “nichts böses”, wenn die, die die Folgen von Fehlern dann zu erdulden/erleiden hĂ€tten, sich auch aktiv zur Teilnahme an solchen Experimenten bzw. Erprobung/Test solcher Entwicklungen entschließen (daher ihre Teiilnahme auch verweigern) könnten und nicht - vielleicht sogar ohne ihr Wissen bzw. ohne Kenntnis des tatsĂ€chlichen Inhaltes und des Zweckes solcher Experimente/Entwicklungen - wie “Versuchskaninchen” von den Leitern/ Entscheidungsverantwortlichen dieser Experimente/Entwicklungen behandelt werden wĂŒrden (da sie ohnehin “zu dumm”,” zu kurzzsichtig” ,” zu technikfeindlich” 
 wĂ€ren, um die Bedeutung dieses Fortschrittes ĂŒberhaupt verstehen und schĂ€tzen zu können ) und daher SchĂ€digung dieser Versuchskaninchen (oder ihrer Lebens-/Futter- Grundlagen) als KollateralschĂ€den zur Förderung des Fortschrittes von ihnen in Kauf genommen werden mĂŒssen.

Dazu fĂ€llt mir nur die Meinung Sokrates, ĂŒber die Sinnhaftigkeit einer Demokratie, ein.

Zrotz aller MĂ€ngel der Demokratie - bzw. demokratischer Prozesse - gibt’s aber immer noch nichts Besseres !

In einer Demokratie entscheidet die Mehrheit darĂŒber, was „richtig“ ist und nicht die Experten.

Das aber oft nicht so.

Denn es entscheiden jene Interessensgruppen, die Kontrolle/Einfluss ĂŒber die Reichweiten-stĂ€rksten Medien (inklusive der Themen in den KanĂ€len der Social-Media bzw. auch ĂŒber durch Bias-Effekte von KI-Systemen beinflussten KI-Ergebnisse) haben.

Wenn z.B. die Kronenzeitung damals nicht die Besetzer der Hainburger Au medial unterstĂŒtzt hĂ€tte, dann gĂ€be es heute vermutlich an Stelle des Nationalparkes “Donau-Auen” das “Donaukraftwerk Hainburg”.

https://newsv2.orf.at/stories/2256539/2256533/ :

Als wenige Tage vor Weihnachten die „Kronen Zeitung“ nach den brutalen PolizeieinsĂ€tzen in der Au von der „Schande von Hainburg“ geschrieben habe, da habe auch der damalige Kanzler Sinowatz, wie er ja selbst gesagt hatte, gewusst: „Jetzt ist es vorbei.“

Auch in Österreich entscheiden Mehrheiten. In einer reprĂ€sentativen Demokratie ist dafĂŒr das Parlament zustĂ€ndig, also der Nationalrat. Eine Regierung darf nur dann handeln, wenn ihr diese Kompetenz durch die Verfassung – die selbst mit Mehrheit beschlossen wurde – oder durch einen Beschluss des Parlaments ĂŒbertragen wurde.

Am Ende liegt die Entscheidungsgewalt immer beim Parlament.

Wenn ein Bundeskanzler keinen Antrag einbringt, ist das keine Entscheidung des Parlaments. Üblicherweise kommen AntrĂ€ge von Abgeordneten. Wird dem Parlament nichts vorgelegt, kann es auch nichts entscheiden. Daraus abzuleiten, „die Lobbyisten oder Experten hĂ€tten sich durchgesetzt“, greift zu kurz.

Zur Einordnung: Parlament und Regierung werden laufend beraten. Von Interessenvertretungen wie der Wirtschaftskammer Österreich, der Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung, dem Bauernbund oder dem Pensionistenverband Österreichs. Dazu kommen Religionsgemeinschaften, Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen, NGOs wie die 4future.foundation, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Diese pauschal als selbstsĂŒchtige „Lobbyisten“ abzutun, mag im Boulevard funktionieren, verkennt aber, wie politische Entscheidungsprozesse laufen. Fachwissen fĂ€llt nicht vom Himmel.

Und noch etwas: Jede Person im Land kann sich mit ihrer Expertise an Parlament oder Regierung wenden und BeitrĂ€ge liefern. Wer das nicht nutzt, sollte vorsichtig sein mit pauschaler Kritik an „den Lobbyisten“.

Die tasĂ€chliche Entsheidung liegt aber jeweils nur bei einigen wenigen Spezialisten / Fachbetreichssprechern in jeder Partei, deren Entscheidung/Meinung dann zufolge dem bei uns ĂŒblichen Clubzwang dann alle anderen Abgeoidneten der jeweiligen Partei zu folgen haben. Dieser Clubzwang wird nur ausnahmsweise in einzlenen seltenen FĂ€llen aufgehoben.

Daraus abzuleiten, „die Lobbyisten oder Experten hĂ€tten sich durchgesetzt“, greift zu kurz.

Wie soilten sich denn Abgeordnete (aber auch die Öffentlichkeit) sonst eine Meinung bilden , wenn sie selbst von einer Materie ĂŒberhaupt keine Ahnung - und dafĂŒr auch nie irgendeine Ausbildung absolviert haben ?
Sie können sich dann ja nur der Meinung von Experten und/oder Lobbyisten anschließen oder der Stimmabgabe enthalten.
Formal entscheiden zwar die Abgeordneten, sachlich/inhaltlich können sie nur in AusnahmfÀllen wirklich selbst entscheiden - allein schon wegen des zumeist zu beachtenden Clubzwanges - der Vorgabe ihres Abstimmverhaltens durch ihren Club.

Ich lernte nie Latein, leider ist Latein (und Griechisch) nicht in Apples Übersetzer integriert. Musste daher G
 nehmen.

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7 NGOS von 100 Lobbyorganisationen mit den grĂ¶ĂŸten Budgets in Deutschland (Quelle: www.anstalt.zdf.de).

Wobei die BudgetgrĂ¶ĂŸe nicht unbedingt etwas ĂŒber die Einflussmöglichkeit aussagt.

In Deutschland gibt es ein Lobbyregister. Dort sind schÀtzungsweise 6.000-7.000 Organisationen mit ca. 27.000 Personen registriert.

Gewerkschaften und Religionsgemeinschaften sind von der Pflicht zur Eintragung in dieses Register allerdings ausgenommen.

Der Clubzwang widerspricht ĂŒbrigens der Verfassung:

Der Artikel 56 Abs. 1 B-VG lautet wörtlich:

„Die Mitglieder des Nationalrates sind bei der AusĂŒbung ihres Mandates an keinen Auftrag gebunden.“

Die Mitglieder des Nationalrates können also keinen Auftrag ihrer Partei erhalten ein bestimmtes Abstimmungsverhalten an den Tag zu legen.

Wenn findige AnwĂ€lte durch Spitzfindigkeiten der Allgemeinheit etwas aufdrĂŒcken wollen, was so nie gedacht war! Schleunigst den Gesetzestext nachbessern!

Ein Parlament muss sich um eine Menge Zeug kĂŒmmern, damit der Staat lĂ€uft. Viel davon ist ziemlich unsexy und hat wenig mit den spektakulĂ€ren Themen zu tun, die in den Medien Aufmerksamkeit bekommen. Trotzdem ist es extrem wichtig.

Im Parlament gibt es dafĂŒr eine klare Arbeitsteilung. Die einen kĂŒmmern sich in einem Ausschuss um ein bestimmtes Thema, die anderen in einem anderen Ausschuss um ein anderes. Kein Abgeordneter kann bei allen Themen auf dem Laufenden bleiben – unmöglich. Bei manchen Vorhaben gibt es hunderte oder tausend Stellungnahmen, die man sich sonst durchackern mĂŒsste.

Daher die Arbeitsteilung.

Wie lÀuft die Abstimmung ab? Der Kollege aus deiner Partei, der sich intensiv mit einem Thema beschÀftigt und im jeweiligen Ausschuss gesessen hat, liefert eine Zusammenfassung und eine Abstimmungsempfehlung.

Als ich mal zu Gast im Parlament war, gab es einen echten Abstimmungsmarathon ĂŒber diverse Drucksachen (AntrĂ€ge). Im Minutentakt wurde abgestimmt. Jeder Abgeordnete bekommt von seiner Partei eine Tagesordnung mit den Empfehlungen der Fachkollegen.

Als Abgeordneter kannst du diesen Empfehlungen folgen oder selbst tief ins Thema einsteigen, um eine eigene Entscheidung zu treffen.

Bei Themen mit hoher Relevanz machen viele Abgeordnete das tatsĂ€chlich. Bei weniger relevanten Punkten lĂ€sst man sie – aus Zeit- und RessourcengrĂŒnden – einfach durchlaufen.

1 „GefĂ€llt mir“